Das Akitu-Fest im assyrischen Reich
Im 8. Jahrhundert vuZ, in assyrischer Zeit finden wir Marduk wieder Hauptakteur des Fests des Anfang des Jahres. Der Name Marduk wurde so heilig, dass dieser nur unter seinem Beinamen Bel (Herr) genannt werden konnte. Klingt vertraut? Richtig, die Juden haben es später mit JHVH genauso gemacht, dieser Name Gottes wurde ebenso nicht ausgesprochen, sondern an seiner Stelle wurde Adonai gesagt, was gemeinhin mit „Herr“ übersetzt wird.

Das Akitu-Fest wurde vom 1. – 11. Nisannu abgehalten. Da das erste Akitu-Fest in Verbindung mit einer Mondgottheit abgehalten wurde, gehe ich persönlich davon aus, dass das ursprüngliche Fest 13 oder 15 Tage umfasste, wie es 13 Monde innerhalb eines Jahres gibt oder wie ein halber Mondmonat dauert. Quellen habe ich dazu keine gefunden. Zu Zeiten der Großherrschaft Marduks hat der Mondkult bereits stark an Bedeutung verloren und die Solaren Aspekte wurden stärker betont, so dass 12 Feiertage für die 12 Sonnenmonate logischer erscheinen. Die Zahl 11 erscheint mir einfach merkwürdig in diesem Zusammenhang. Sie wird auch nicht über Marduks heilige Zahl erklärt, welche die 50 ist.


Das Fest beginnt mit ein paar Tagen ritueller Reinigung, Gesänge und Gebete.
Am 4. Tag schließlich reist der König zuerst zum Nabu Tempel in Babylon und dann nach Borsippa, wo das Enuma Elish, der babylonische Schöpfungsmythos rezitiert wird.
Am nächsten Tag erhält der König die Nabustatue und macht sich mit ihr auf den Weg zurück. Vor der Statue des Marduks findet eine Erniedrigung des Königs statt, in der er auch gefragt wird, ob er gesündigt habe. Anschließend wird das Orakel befragt, dass eine glorreiche Zukunft für Babylon verheißt. Es folgt ein weiteres Ritual mit dem heiligen Himmelsstier der Göttin Ishtar.
Am 6. Tag kommt es zu einem Schaukampf im Tempel des Kriegsgottes. Zur Dämmerung erreichten weitere Götterstatuen Babylon, die alle mit großem Jubel empfangen wurden. Es folgte rituelle Reinigungen.
Am 8. Tag schließlich kommt es zum Höhepunkt: alle Statuen werden aus ihren Tempeln geholt und dem Volk präsentiert. Die Götter erweisen Marduk ihre Ehre und schwören ihm Treue. Prozessionen folgen. Der ältere Gott Enlin (als Vater des Marduk verstanden) wird lächerlich gemacht und es scheint, als würde er den Gott des alten Jahres darstellen.
Am nächsten Tag wird die Beute der Kriegszüge den Göttern dargeboten.
Am 10. Tag vollzieht der König die rituelle Heilige Hochzeit mit der Göttin Ishtar.
Am letzten Tag treten die Götter ihre Heimreise an.
Das ursprüngliche Fest der Gerstenernte mit Tammuz und Ishtar ist hier rein zu einem Ritual zur Verstärkung der Königswürde geworden zu sein.

Das Akitu-Fest wurde unter dem römischen Kaiser Heligabalus 218 – 222 uZ zu Ehren des Gottes Elagabal noch weitergeführt. Elagabal war eine Syrische Gottheit die kurzzeitig in Rom zur Staatsreligion erhoben wurde. Interessanterweise verbindet sich dieser in einer Heiligen Hochzeit mit der Kriegsgöttin Al-lat und der Venusgöttin Al-Uzza, die mit Aphrodite gleichgesetzt wurde.

Ein zusätzlicher Brauch, der nicht innerhalb des Staatsritus aufzutauchen scheint ist der des Nisannu-Brotes. Die erstgebackenen Brote werden als Dankopfer den Göttern dargebracht.
Unklar ist, in wie weit nebst der Staatsreligion und dem Königskult nicht doch ursprüngliche Feierlichkeiten mit Bezug auf die Gerstenernte stattfanden, im Sinne einer Volksreligion nebst dem Staatskult.



Fazit
Hier begegnen uns die Veränderungen die das Neujahrsfest durch die Jahrtausende durchgemacht hat. Am stärksten ist die Veränderung im babylonischen Akitufest deutlich, wo der Aspekt der Fruchtbarkeit gegenüber der Königswürde und Herrschaftsbekundungen eines einzelnen Gottes in den Hintergrund getreten ist. Das ursprüngliche Fruchtbarkeitsfest hat sich allerdings weit in der Levante und darüber hinaus verbreitete und Bräuche daraus waren, wie das Nisannu-Brot zeigt, nebst dem Staatskult Parallel vorhanden.

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