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Die Präzession der Äquinoktien

Äquinoktium kommt aus dem lateinischen aequus „gleich“ und nox „Nacht“. Synonym kann dafür Tagundnachtgleiche genutzt werden. Damit werden bestimmte Zeitpunkte innerhalb des astronomischen Jahres bezeichnet. Diese finden einmal im Frühjahr und einmal im Herbst statt und markieren den Beginn des astronomischen Frühlings oder des astronomischen Herbstes. Auf der Nordhalbkugel findet die Frühling-Tagundnachtgleiche im März statt, die Herbst-Tagundnachtgleiche im September. Überall auf der Erde sind Tag und Nacht gleich lang.

Diese Zeitpunkte wurden schon von sehr früh in der Menschheitsgeschichte beobachtet, bei vielen Völkern wurde diese an bestimmten Sternen (Äquinoktialpunkte) und deren Erscheinen am Himmel festgemacht.

Die Präzession der Äquinoktien

Äquinoktium kommt aus dem lateinischen aequus „gleich“ und nox „Nacht“. Synonym kann dafür Tagundnachtgleiche genutzt werden. Damit werden bestimmte Zeitpunkte innerhalb des astronomischen Jahres bezeichnet. Diese finden einmal im Frühjahr und einmal im Herbst statt und markieren den Beginn des astronomischen Frühlings oder des astronomischen Herbstes. Auf der Nordhalbkugel findet die Frühling-Tagundnachtgleiche im März statt, die Herbst-Tagundnachtgleiche im September. Überall auf der Erde sind Tag und Nacht gleich lang.

Diese Zeitpunkte wurden schon von sehr früh in der Menschheitsgeschichte beobachtet, bei vielen Völkern wurde diese an bestimmten Sternen (Äquinoktialpunkte) und deren Erscheinen am Himmel festgemacht.

Aufgrund verschiedener Gravitationskräfte die auf die Erde einwirken kommt es zu einer Bewegung der Erdachse und entsprechend ändern  sich die Äquinoktialpunkte. Dies wird als Wanderung der Äquinoktialpunkte oder Präzession (der Äquinoktien), vom lat. „vorangehen“ bezeichnet.


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Stier im Äquinoktium
In der Zeit von ca. 4000-2000 vuZ durchlief die Sonne zum Frühjahrsäquinoktium in die Konstellation des Stieres (auf babylonischen Sternkarten Mul Gu-An-na = Himmelsstier). In älteren babylonischen Kalendern wird angemerkt, dass die Plejaden (bab. Mul Mul), ein Sternhaufen im Sternzeichen Stier, den ersten Monat anführten

Der Himmelsstier und seine Gottheiten
Das Zeitalter des Stieres passt wunderbar in die Zeit, in der die Mondgottheit Nana große Bedeutung zum Zeitpunkt des Frühjahrsäquinoktium genoss.
Der Stier verbindet auf gewisse Art und Weise den Inanna Mythos mit dem Nana-Akiti-Fest:
Es heißt der Himmelsstier könne von Inanna befehligt werden. „Wilder Bulle“ ist interessanterweise eine Metapher für Hirten in Sumer, und somit eine Metapher für Dumuzi. Möglich, dass so diese beiden Feste miteinander verbunden wurde.
In einem sehr frühen Rollsiegel sieht man ihn zusammen mit dem Symbol der Göttin Inanna vom Morgen- und Abendstern. Der Stier wird wie die Göttin Hathor häufig mit einer runden Scheibe dargestellt, welche aufgrund eines Opferhinweises im Gilgamesch-epos mit der Sonne in Verbindung steht. Gilgamesch war ein vergöttlichter König aus dem 3. Jahrtausend vuZ, in dem das „Universum“ immer männlicher wurde. Im Mythos finden sich deutliche Hinweise auf einen Wechsel sowohl in der Übertragung des Königamtes als auch in der Stier-Opferpraxis. Ursprünglich wurde zur Übertragung der königlichen Herrschaft durch eine Heilige Hochzeit mit Inanna zelebriert. Gilgamesch allerdings weist Inanna ab und schwört Schamasch Loyalität. Gavin White geht auch davon aus, dass die Opferung eines Stieres für die Göttin Inanna in ein gemeinschaftsfest abgeändert wurde in dem nur ein kleiner Teil des Stieres der Göttin geopfert wurde.

Die Kosmische Kuh und ihre Himmelskörper
Im ersten Teil der Artikelreihe habe ich bereits auf Joseph Campbell hingewiesen der darauf hinwies, dass die kosmische Kuh eines der frühesten verehrten Göttinnen war. Diese Theorie zeigt sich auch in der Verbindung der Kuh mit diversen Göttinnen die mit Fruchtbarkeit in Verbindung stehen.
Die Himmelskuh wird mit mehreren Himmelskörpern in Verbindung gebracht: Ihre Hörner symbolisieren die Mondsichel. Häufig wird zwischen ihren Hörnern eine runde Scheibe gezeigt. Diese wird manchmal als der Vollmond interpretiert, später als die Sonne und in der Folkstradition Indiens hält die Kuhgöttin Dhol die Welt zwischen ihren Hörnern.
Gavin White geht auch davon aus, dass im 5. Jahrtausend vuZ der Himmelsstier als Himmelskalb dargestellt wurde und später im 3. Jahrtausend vuZ als halber Stier, jedoch ausgewachsene Sommerstier dargestellt wurde. Die Theorie gliedert sich gut in jene von Joseph Campbell ein, der davon ausging, dass das Kalb das Opfertier der Göttin war. Meiner Meinung nach steht auch die Frage im Raum, in wie weit Stier und Kuh in den bildlichen Darstellungen so gut auseinander gehalten werden können (Hörner haben beide) und in wie weit in vielen sehr frühen Darstellungen nicht ein Himmelsstier, sondern eine Himmelskuh zu sehen ist.

 

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Widder im Äquinoktium
Modernen Astronomiebüchern zufolge wird der Beginn des Zeitalters der Sternkonstellation Widders für 2100 vuZ gegeben, Sayce spricht von 2540.

In der Babylonischen Tradition wurde der Widder auch der „Lehnsmann“ genannt. Er stellt einen Gefolgsmann dar, der im Frühjahr für die Gerstenernte angeheuert wurde. Sowohl Schaf als auch Mann können in Cuneiform gleich ausgesprochen werden. Die zweifache Bedeutung ist offensichtlich gewollt um sowohl die Gerstenernte, als auch die erstgeborenen Lämmer im Frühjahr darzustellen. Tatsächlich wurde der Widder in manchen Sternkarten als Lamm dargestellt, ohne Hörner. In manchen Bildern trägt er eine runde Krone auf seinem Kopf, was evt. ein Opferlamm besonders kennzeichnet. Die verschiedenen Namen deuten ebenso eher auf ein Lamm hin:
Die Akkader nannten ihn Bar-Ziggar. Bar bedeutet „Altar“ und ziggar „es richtig machen“. Übersetzen kann man den Namen also als „Schaf der Beschwichtigung“  oder  „das Opfer der Rechtschaffenheit“
Taleh, der hebräische Name bedeutet „Lamm das vorangeschickt wurde“
Das griechische Krios bedeutet „Lamm“.
Das lateinische Aries bedeutet „das Lamm“, „der Anführer“, „der Kopf“.
Unter den Sternnamen finden wir:
Hamal aus dem Arabischen bedeutet „Schaf, sanft, gnädig“ und auch einige Sternnamen im Widder deuten auf das Opfer hin:
Elnath bedeutet „verwundet“ oder „erlegt“
Sheretan bedeutet „verletzt“
Mesartim wird mit „der Gebundene“ übersetzt

Der Widder wird auch mit dem Gott Dumuzi in Verbindung gebracht, vielleicht stellt der Lehnsmann als „Ackerbauer“ tatsächlich auch diesen dar. Dies könnte uns aber auch die Schlachtungen oder vor allem das Lamm als Opfertier dieser Zeit bringen. Die Verbindung mit Dumuzi lässt uns mit der Frage stehen, ob Dumuzi für „alle“ auferstehenden männlichen Gottheiten stand.

Die ersten Hinweise auf einen himmlischen Widder lassen sich allerdings erst auf kurz nach 1600 vuZ datieren. Dort erscheint der Widderkopf als Stele nebst dem Zeichen des heutigen Steinbocks und des Krebses, die nun die beiden Sonnenwenden kennzeichnen. Entsprechend können wir davon ausgehen, dass der Widder mit dem Frühjahrsäquinoktium im Zusammenhang steht. Im MUL:APIN einer Sternenliste die um 1200 – 1000 niedergeschrieben wurde, wird darauf hingewiesen, dass der Widder die erste Konstellation des ersten Monats ist. Hier zeigt sich ein Wechsel vom Stier auf den Widder, was ungewöhnlich ist, da die mesopotamischen Kalender sideriale Kalender waren. Heißt ein Datum ist dann, wenn das entsprechende Tierkreiszeichen am Himmel erscheint. Offensichtlich scheint aber die Präzession der Äquinoktien aufgefallen zu sein und der Kalender wurde angepasst.

Zu Zeiten Hammurabis (2,200 vuZ) begann das Jahr also einen Monat und in Sargons Zeiten (3,800 vuZ) zwei Monate vor dem Frühjahrsäquinoktium. Emmeline Plunket geht deshalb davon aus, dass vor Sargon’s Zeit, Nisannu nicht der erste Frühlingsmonat, sondern der erste Wintermonat des Jahres war, folglich die Wintersonnenwende markierte. Dies würde ungefähr 6000 vuZ als Festlegungsdatums des Kalenders markieren. Ein weiterer Hinweis für die Zulässigkeit dieser Annahme bringt das Studium des akkadischen Kalenders, in dem der 12. Monat „Säen der Samen“ heißt. In den mesopotamischen Gegenden wurde sowohl um die Frühjahrstagundnachtgleiche als auch um die Wintersonnenwende die Saat gesät. Allerdings heißt der 13. Monat, der teilweise eingeführt werden musste zum Ausgleich der ungeraden Jahreszahl (ähnlich wie unser Februar) teilweise das Epithet „dunkle Saat“ besaß. Dieses Epithet deutet eher auf einen Sonnenwendezeitpunkt des Endes des Jahres.
Sie zitiert auch Dupuis, der sich sowohl für einen Beginn zur Wintersonnenwende, als auch zu einem Jahresbeginn zum Herbstäquinoktium. Dies würde laut Dupuis für eine Kalenderfestlegung um 12000 vuZ sprechen. Diese Theorie wurde in dem Buch jedoch nicht weiter verfolgt, sondern verworfen, aufgrund der Quellenlage, die eher für die Wintersonnenwende spricht.
Allerdings gibt es aus prähistorischer Zeit leider ja wenig schriftliche Quellen. Was ich persönlich sehr interessant finde und evt. als Hinweis für die Herbstäquinoktium-Hypothese gelten könnte ist das sumerische Akiti-Schununum Fest, das Fest der Gerstenaussaat, was ursprünglich als Neujahrsfest gefeiert wurde (und zum Frühlingsäquinoktium dann das Fest der Ernte. Wir erinnern uns auch, dass Inanna-Ninegal und Dumuzi-Amauschumgalanna ursprünglich die Kraft des Lagerhauses und der Datteln darstellten und die Dattelernte im Oktober war.

Lammzeit und Domestizierung
Ich habe versucht nach der Lammzeit in Mesopotamien zu suchen, leider konnte ich dazu keine genauen Daten finden. Ich kann mich diesbezüglich nur auf neuere Daten aus dem Irak beziehen, wo es um das Awassi-Schaf geht, eines der verbreiteten Schafrassen im heutigen westasiatischen Raum. Laut einer Quelle beginnt die Lammzeit im Irak im Oktober, laut einer anderen im November. In Israel beginnt sie im Dezember.
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob diese Daten auf das alte Mesopotamien 1200 vuZ übertragen werden können. Mit Sicherheit nicht, denn wir wissen nicht, was für eine Schafrasse zu damaligen Zeiten dominant war. Aber sie können einen Hinweis geben.

Eine Erforschung der Domestikation des Schafes bringt uns zwei Zahlen:
10000 vuZ für Westasien (zu dem Gebiet auch Mesopotamien gehört) und
8000 vuZ für Mesopotamien.

Sehen wir uns noch weitere Zahlen an:
Emmeline Plunket und Dupuis schätzen Aries 6000 vuZ zur Wintersonnenwende und 12000 vuZ im Herbstäquinoktium.
Die Lammzeit für Mesopotamien fällt geschätzt auf Oktober-November.
Die Domestizierung in Mesopotamien auf 10000 – 8000 vuZ.
Meiner Meinung nach haben wir hier den logischen Ursprung des Lammopfers gefunden: Zur Lammzeit im Oktober / November wurde das erste, oder ein besonders schönes Lamm als Erstlingsgabe den Göttern dargebracht (evt. dem Hirtengott Dumuzi, der die Konstellation des Aries regiert). Zur gleichen Zeit markierte auch die Sternkonstellation Aries am Himmel einen besonderen Punkt und kündigte die Lammzeit an (oder ihr wurde deshalb dieser Name gegeben). Ich bin weder Astronomin, noch Archäologin, doch meiner Meinung nach könnte dies von den Zahlen her gut passen. Uns muss klar sein, dass die Menschen zur damaligen Zeit Beobachtung nutzten. Weder die Präzession der  Äquinoktien, noch die keplerschen Gesetze waren bekannt.

 

Irgendwann wurde die Verschiebung sicherlich bemerkt und es folgt eine Entscheidung der Priesterschaft ob der Zeitpunkt der Lammzeit ausschlaggebend ist, oder die Erscheinung des Markersterns. Im Falle des Lammopfers fiel meiner Meinung nach die Entscheidung für den Markerstern, so dass das Fest zusammen mit dem Sternzeichen „wanderte“. Die „Lämmer“ die im Frühjahr geopfert wurden, mussten schon ein paar Monate alt sein.

 

Was für mich allerdings gegen einen Jahresbeginn mit dem Widder zur Wintersonnenwende spricht sind die früheren Hinweise auf die Plejaden als „Anführer“ des Jahres und das der Widder in der Ikonographie erst viel später prominent auftaucht. Deshalb gehe ich eher davon aus, dass hier ein älteres Fest „Lammopferung“ aufgrund der Verschiebung seines Sternmarkers mit anderen Festen (Gerstenernte) verschmolz und später nicht mehr anhand des Sternmarkers sondern anhand des Äquinoktiums weitergetragen wurde.

 

Fazit:
Die Verschiebung der Äquinoktien brachte sicherlich Änderungen in der Mythologie mit sich. Bezeichnend ist, dass das Sternzeichen Stier (Himmelsstier) zum Zeitpunkt als die Mondgottheit Nana das Frühjahrsfest zum Äquinoktium dominierte ebenfalls den Zeitpunkt des Äquinoktiums markierte. Auf den Zusammenhang zwischen Stier/Kuh und Mond bin ich bereits im Artikel zum levantinischen Erbe kurz eingegangen.
Das Fest der Schlachtungen und wahrscheinlich auch der Ursprung von Chag-Ha-Pessach (siehe 4. Teil jüdisches Pessach-Fest) könnte einer eigenen Theorie zufolge in einem Fest haben, dass ursprünglich zur Lammzeit und zu Zeiten der ersten Domestizierungen gefeiert wurde. Damals stand das Sternzeichen Widder am Markierungspunkt. Als der Widder schließlich das Frühjahrsäquinoktium markierte, wurden die Bräuche integriert. Wir haben hier eine logische Erklärung, weshalb so unterschiedliche Akzente zum “gleichen“ Frühlingsfest gesetzt wurden.

 

Quellen:
Campbell, Joseph: Mythlogie der Urvölker: Die Masken Gottes
von Soden Frhr., Wolfram: Das Gilgamesch-Epos
White, Gavin: Babylonian Star-Lore. An illustrated guide to the Star-Lore and constellations of ancient Babylonia
Plunket, Emmeline: Calendars and Constellations of the Ancient World
wikipedia.de


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