Cretima Celtica

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13 Dez 2011 20:05 #11506 von Mairi
Cretima Celtica wurde erstellt von Mairi
Hallo ihr Lieben,

habe beim wild durch's Netz googlen folgende interessante Seite gefunden:

cretimaceltica.at

und wollt sie euch auch mal zeigen. Es wirft sich die Frage auf: Wie authentisch muss Religion sein? Sind rekonstruierte Riten besser als selbst entworfene? Macht es Sinn, heilige Texte in Sprachen zu sprechen, die nicht meine Muttersprache sind?

Liebe Grüße,
Meadhan-Latha

Thig crioch air an t-saoghal ach mairidh gaol agus ceòl.

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12 Jan 2012 13:29 #11577 von Lady of Darkness
Na ja, "authentisch"... wenn ich das schon höre, schrauben sich mir die Zehennägel auf links. Was soll ein Mensch von heute mit einer Religionsform, die seit 2000 Jahren im Regal staubt? Das wär ja so, als wolle man unbedingt ausschließlich mit den Methoden von Hippocrates heilen... passt heute einfach nicht mehr.

(Aber das soll natürlich jeder für sich entscheiden.)

Remember that you're perfect - the gods make no mistakes...

https://diandrasgeschichtenquelle.org
https://knusperhaus.wordpress.com

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14 Mai 2012 12:54 - 14 Mai 2012 13:10 #11928 von Ishtar
Ishtar antwortete auf Cretima Celtica
Hallo
Ich wollte schon lange auf dieses spannende Thema antworten. Eigentlich wirfst du ja gleich drei sehr spannende Fragen auf...

Meadhan_Latha schrieb: Wie authentisch muss Religion sein?

Religion sollte im Gefühl immer authenthisch sein.

Wenn es jetzt um eine ethnische Religion geht ist vielleicht eher die Frage wieviel historisch korrektes (authentisches) Keltentum in einer Religion drin sein sollte, die für sich in Anspruch nimmt "keltisch" oder sogar "keltisch rekonstruiert" zu sein?

Heute gelten die Kelten ja als Projektionsfläche für so manches, was einfach nicht historisch korrekt ist. Das bedeutet nicht, dass die "erträumten" oder "erdachten" Sachen (wie z.B. Celtic Reiki, oder Runen Chi-Gong oder das keltische Baumorakel) nicht funktionieren. Sie sind vielleicht nur nicht wirklich keltisch oder "nur" keltisch orientiert.
Eine "korrekt" rekonstruierte Keltische Religion ist unmöglich, da wir zum jetzigen Zeitpunkt viel zu wenig Wissen. AUch was über vergleichende Mythologie und Praxis herauskommt ist nicht sicher übertragbar. Eine "korrekt" Rekonstruierte Religion würden meines Erachtens auch nicht unsere heutigen Zeit entsprechen. DAs bedeutet für mich aber nicht, dass es nicht sehr wertvoll ist sich an historischen Begebenheiten zu orientieren.
Das "wieviel" historisch korrekte Kelten in "Keltisch" drin sein sollte maße ich mir nicht an festzulegen. Heutzutage essen genug Leute auch Fertig-Spargelsuppe in der keine einzige "echte" Spargel drin ist..... und manchen schmeckt sie trotzdem.....

Meadhan_Latha schrieb: Sind rekonstruierte Riten besser als selbst entworfene?


Da wir ja eh keine komplett überlieferten Riten haben sind auch die "rekonstruktionistischen" Riten selbst entworfen. Somit nein. Ich denke da kommt es auf die persönliche Beantwortung der oberen Frage darauf an. Besser finde ich ist sowieso wieder Geschmackssache. Es kommt darauf an was ich möchte. Ich glaube es geht darum was für mich persönlich den Sinn einer Religion ausmacht, was mein Ziel ist und wie ich dieses am besten für mich erreichen kann. Historisch korrekter ist genau das - historisch korrekter. Besser ist es nur, wenn es für mich von großer Bedeutung ist möglichst historisch korrekt zu arbeiten.

Meadhan_Latha schrieb: Macht es Sinn, heilige Texte in Sprachen zu sprechen, die nicht meine Muttersprache sind?

Zur Muttersprache hat man intuitiv einen Zugang und man versteht die Worte leichter. Ist man nicht Mehrsprachig aufgewachsen werden auch andere Hirnareale aktiv. Ich übersetze deshalb auch gerne Chants und arbeite in der Muttersprache. Bei meinem Imbolcritual im ADF stil habe ich aber auch sehr bewusst die Irische Sprache eingesetzt, weil Brighid in Irland noch eine sehr starke Präsenz hat und so das Ritual einen stärkeren "irischen" Touch erhalten hat. Ich fand es schon sehr bereichernd dies einzusetzen, habe aber immer auch den Text direkt übersetzt, so dass die Wirkung der Muttersprache nicht verloren ging.

Das ist aber wieder eine Frage des Geschmacks.

BB
Ishtar
Letzte Änderung: 14 Mai 2012 13:10 von Ishtar.

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15 Mai 2012 07:21 #11935 von Abnobas Gärtner
Die Seite ist zumindest einmal wirklich interessant :)

Ansonsten möchte ich mal Ishtar zustimmen. Auch wenn ich bei keltischem Baumorakel usw. den reinen Komerzmachverdacht nicht verdrängen kann.

Ansonsten denke ich, dass wir eine Naturreligion aus der Natur heraus "rekonstruieren" müssen. Da können Quellen alter Naturreligionen hilfreich sein. Und Kelten, Germanen, Slawen, ... sind uns und unserer Natur noch am nächsten. Doch sollte die Natur (unsere Intuition, das Gefühl) die letzte Instanz sein. Nicht mehr oder weniger wage Interpretationen von Restüberlieferungen und längst Vergangenem.

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16 Mai 2012 20:50 #11942 von Turtle
Turtle antwortete auf Cretima Celtica
Hæ,

naja, das einzig konstante in der Welt ist der Wandel...

Ich finde es OK, wenn sich jemand zur Lebensaufgabe macht, etwas Vergangenes so getreu wie möglich zu rekonstruieren. Es ist sehr interessant, wenn es wirklich so genau wie möglich rekonstruiert ist und so einen Einblick in die Vergangenheit gewährt. Ich würde allerdings wenig Gefallen an Pferdeopfern oder Menschenopfern finden. Ich würde die Pferde auch nicht über Monate über Stangen hängend präsentieren oder und im Falle des Schädelkultes der Kelten über Jahre hinweg die Schädel meiner erschlagenen Feinde und Geopferten neben der Haustür oder beim Heiligtum aufstapeln.

Ich selber fertige Repliken historischer und prähistorischer Kultgegenstände an. Mir erschließt sich bei der Arbeit damit, was mit den Objekten geschehen soll und wie sie zu verwenden sind und wirken. Ich fertige auch komplett ohne historische Vorlagen Kultgegenstände an, die ähnliches tun. Ich habe auf schamanischen Reisen kultisches Wissen aus der Steinzeit und der Antike für mich nutzbar machen können.

Aber letztlich ist es der eigene Weg, der zählt. Was auch immer man findet und was was einem an Elementen für den zeremoniellen Umgang begegnet und was auch immer davon man für sich selbst nutzbar macht - für den eigenen Weg ist es egal, wo es herkommt. Die einen pflastern ihren Weg komplett satanisch schwarz, andere hermetisch exakt vermessen, perfekt gezirkelt und ausgerichtet, andere wild wachsend voller Gräser und Moose, wieder andere bunt durcheinander gewürfelt. Am Ende zählt die persönliche Einstellung und innere Tiefe zum eigenen Tun. Ein Ritual ist nur eine mehr oder weniger vorgegebene Abfolge von Handlungen ohne Wirkung, wenn ich nicht voll darin aufgehe. Wenn ich voll darin aufgehe, ist es völlig egal, ob ich exakt das mache, was die Kelten vor Urzeiten mit genau derselben Intention gemacht habe und eine hundertprozentige Kopie geschaffen habe, oder in völligem freestyle irgendwie völlig spontan gehandelt habe.

Bless

Turtle

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17 Mai 2012 16:10 #11947 von Abnobas Gärtner
Kann ich zustimmen.

Würde aber noch(mal) betonen, dass diese individuelle Wahl nicht unabhängig von dem umgebenden Kontext sein sollte (Ort, Sippe, ...). Das setzt der individuellen Wahl gewisse Grenzen. Die keltische "Kopfjagt" ist da ja nur ein offensichtliches Beispiel.

Und natürlich ist auch der eigene Weg im Wandel. Da geht man ein Stück weit als Christ, dann hermetisch exakt (...), dann Wild, dann ... ;)

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18 Mai 2012 20:26 #11950 von Turtle
Turtle antwortete auf Cretima Celtica

Würde aber noch(mal) betonen, dass diese individuelle Wahl nicht unabhängig von dem umgebenden Kontext sein sollte (Ort, Sippe, ...). Das setzt der individuellen Wahl gewisse Grenzen. Die keltische "Kopfjagt" ist da ja nur ein offensichtliches Beispiel.


Das erscheint mir gerade sehr widersprüchlich. Kannst du genauer erläutern, wie du das meinst?

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21 Mai 2012 17:56 #11964 von Abnobas Gärtner

Turtle schrieb: Das erscheint mir gerade sehr widersprüchlich. Kannst du genauer erläutern, wie du das meinst?


Es ist wohl kaum sinnvoll heute mitten in Deutschland zu beschließen auf Kopfjagt zu gehen. Ein San (Buschmann) kann sich in seinem Lebensraum nicht vegan ernähren. Welchen Sinn hat es im Alpenraum Meeresgöttern zu opfern? Welchen Sinn macht es die Geister des Landes in dem ich lebe zu ignorieren und mir andere zu wählen?

Sicher ich kann das alles tun. Ich kann ignorieren, dass ich aus dem Wald komme und einem Wüstengott nachrennen. Bald den Kontakt zur Natur verlieren, sie zu einem der vielen Freizeiterlebnisse und zur Ressource machen und mir zum Ausgleich beliebigen mir gerade in den Kram passenden spirituellen fuuuu reinziehen. ;)

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23 Mai 2012 09:15 - 23 Mai 2012 09:19 #11973 von Turtle
Turtle antwortete auf Cretima Celtica

Es ist wohl kaum sinnvoll heute mitten in Deutschland zu beschließen auf Kopfjagt zu gehen. Ein San (Buschmann) kann sich in seinem Lebensraum nicht vegan ernähren. Welchen Sinn hat es im Alpenraum Meeresgöttern zu opfern? Welchen Sinn macht es die Geister des Landes in dem ich lebe zu ignorieren und mir andere zu wählen?

Sicher ich kann das alles tun. Ich kann ignorieren, dass ich aus dem Wald komme und einem Wüstengott nachrennen. Bald den Kontakt zur Natur verlieren, sie zu einem der vielen Freizeiterlebnisse und zur Ressource machen und mir zum Ausgleich beliebigen mir gerade in den Kram passenden spirituellen fuuuu reinziehen. ;)

Naja, eine Rekonstruktion der keltischen Religion (der welcher Stämme überhaupt? Gallier, Galater, Inselkelten, andere?) unter Auslassung wesentlicher Elemente ist wie einen Kamm zu schnitzen und dabei die Zinken weg zu lassen, weil die pieksen. Ich kriege damit nie ein Gefühl dafür, wie ein Kamm in der Hand liegt und wie es sich anfühlt, das Haar zu kämmen. Das ist halt meine Kritik an den reclaimers und recons. Dass es nicht mit geltendem Recht vereinbar ist, kommt noch hinzu.

Die Geister des Landes zu ignorieren macht nicht unbedingt Sinn. Dennoch tun es die allermeisten, weil sie überhaupt keinen Zugang zur Geisterwelt haben und sich über den eher akademischen Weg (drüber lesen) dem nähern, was sie am meisten anspricht, mit dem sie dann intuitiv und über Ritualisierung Kontakt herstellen. Ich kann darin jetzt keinen grundsätzlichen Fehler erkennen und so macht es vielleicht auch in den Alpen Sinn, sich mit Poseidon zu befassen. Ich denke, das hängt stark von den persönliche Erfahrungen, Bedürfnissen und Möglichkeiten ab.

Oder anders betrachtet: Warum sind viele westlich orientierte Schamanen mit Tiergeistern in Kontakt, insbesondere eher archaischen wie Wolf oder Bär, die in Deutschland erst in den letzten Jahren wieder mal auftauchen. Dagegen sind in Süd- und Mittelamerika F-16-Kampfjets sehr effiziente Geister um Krankheiten zu vertreiben.

Ich denke nicht, dass es obligat ist, sich nur mit den Geistern des Landes zu verbinden, um spirituell erfüllt leben zu können. Ich denke, das ist eher was für Menschen, die bereits einen konkreten Ortsbezug haben, die tiefe Wurzeln haben. Meine lokalen Wurzeln sind sehr klein. Ich wohne nicht lange genug an einem Ort, um mich voll und ganz einem Ortsgeist zu widmen oder sogar hin zu geben. In den letzten 25 Jahren bin ich im Schnitt alle zwei Jahre umgezogen. Ich bin aber wiederum über Turtle, die Schildkröte, die das Land auf dem Rücken trägt, die Mutter Erde, Gaia ist, so tief und umfassend verbunden, dass es völlig egal ist, wo ich lebe. Ich habe mich in Ostwestfalen-Lippe auch schon mit Wüstengöttern befasst und mich auch ganz konkret durch Enttaufung von ihnen gelöst. Ich habe auch keine Beziehung zu Triglaw aufgebaut, obwohl ich damit an eine vor etwas mehr als 700 Jahren durch Zwangschristianisierung gebrochene Priesterschaft meiner Familie wieder angeknüpft hätte. Statt dessen bin ich mit der Schildkröte verbunden. Ich bin der Schildkröte als Kind mit einem tiefen emotionalen Bezug erstmals als Meeresschildkröte begegnet. Ich lebte damals mehr als 200 km von der Nordsee als nächstgelegenem Meer entfernt. Mit 20 habe ich Tauchen gelernt und so den physischen Kontakt mit dem Meer gefunden. Notwendig war das für meine spirituelle Entwicklung wirklich nicht. Für andere Menschen, die einen tiefen Bezug zu ihrem Ort haben, kann das wieder ganz anders aussehen. Der Sinn in der Verbindung von Mensch zu Geistwesen oder Gott ist meines Erachtens immer ein persönlicher.
Letzte Änderung: 23 Mai 2012 09:19 von Turtle.
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03 Jun 2012 13:12 #11995 von Abnobas Gärtner
Ja. Es gibt eben nicht den Weg, den Gott, das Pantheon. (Doch gibt es sicher oft eine gewisse "Tendenz von Schicksalsgemeinschaften".) Jemand der nicht an einem Ort bleibt wird kaum dasselbe "Bild" haben wie derjenige, welcher sich voll und ganz mit seinem Orte verbindet. Vielleicht ein Grund warum Odin/Wodan irgenwann (Völkerwanderungszeit/Wikinger) wichtiger als Thor/Donar wurde.

Die keltischen Stämme hatte sicher nicht umsonst eigene Stammesgötter/göttinen, Geister, eigene Namen für , eigene Personifikationen des Landes. Und auch dies hat sich sicher immer wieder gewandelt. So gab es wohl schon zu früher nicht die keltische Religion. Das wenige Wissen über alle Orte und Zeiten sinnvoll zusammenzuschustern? Schon schwierig daraus eine Grundstimmung zu lesen.

Ich persönlich hatte bei einem Zugang über "fremde Götter und Geister" (bezogen auf den Ort) immer ein etwas "befremdliches Gefühl". Etwas das mir aber erst bewusst wurde, als ich mich mit der Bedeutung des Ortes auseinandergesetzt hatte.

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