Werden die Mythen verabschiedet?

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09 Mär 2007 10:13 #3277 von Ishtar
Dieser Bericht wurde mir von einem Freund zugeschickt, und ich dachte, dass hier noch andere ihn interessant finden könnten.

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> Genetik: Engländer, Schotten, Waliser, Iren? Spanier!
>
> 06.03.2007 | 18:13 | JÜRGEN LANGENBACH (Die Presse)
>
> Anthropologe in Oxford schreibt Besiedlungs- geschichte der Insel(n)
> neu und verabschiedet Mythen.

>
> „Auf den Straßen lagen zerstückelte Menschenkörper, bedeckt mit
> bleichen Klumpen geronnen Bluts, sie sahen aus, als hätte man sie in
> einer Presse zerquetscht.“ So beschrieb der britische Mönch Gildas
> „Excidium Britannicae“ den „Untergang“ des keltischen Britannien an
> der eigenen Dummheit: Die seit alters her ansässigen Kelten hatten –
> gegen die aufsässigen Schotten und Pikten – Angelsachsen zu Hilfe
> gerufen, die wandten sich marodierend gegen die Hilferufer, brachten
> (fast) alle um und bauten selbst eine neue Bevölkerung auf.
>
> So schrieb es Gildas im sechsten Jahrhundert, so ist es in der
> kollektiven Erinnerung eingegraben, so wird es weitererzählt. „In den
> Schulbüchern wird die Invasion heute noch als Völkermord
> klassifiziert“, berichtet Stephen Oppenheimer, Genetiker in Oxford:
> „Aber so etwas hat es nicht gegeben. Zwar finden sich in den Genen der
> heutigen Engländer Hinweise auf Angelsachsen aus Dänemark – aber in
> nicht mehr als fünf Prozent der Männer: 95 Prozent der Indigenen haben
> damals überlebt.“
>
> Die Atlantikküste hinaufgewandert
>
> Wer waren die Indigenen? Oppenheimer hat noch eine Überraschung,
> diesmal nicht nur für die Engländer, sondern auch für die anderen
> Bewohner der Insel(n) – Waliser, Schotten, sogar: Iren –, von denen
> die Letzteren viel Erinnerungsmühe zur Abgrenzung gegen die nicht
> sonderlich amüsierende Zentralmacht in London aufwenden. Sie seien,
> sagen sie, in Wahrheit Kelten, die Engländer eben Angelsachsen. In der
> Wahrheit, die Oppenheimer aus den Genen liest, sind sie allesamt –
> Spanier. Demnach wurden die „Inseln“ vor etwa 16.000 Jahren besiedelt
> – als die Gletscher der Eiszeit sich zurückzogen –, sie waren damals
> keine Inseln, sie konnten von Süden her die Atlantikküste hinauf
> erwandert werden. Und die als Erste kamen, kamen aus dem Norden
> Spaniens, sie sprachen eine Art Baskisch.
>
> Dann, vor 6000 Jahren, kam eine zweite Welle, eine sehr kleine, aber
> einflussreiche, sie brachte die Landwirtschaft, sie brachten die
> keltische Sprache (New York Times, 6.3). Woher? Wieder aus Spanien,
> vermutet Oppenheimer: „Die archäologische Orthodoxie meint, die Kelten
> wären aus Zentraleuropa gekommen. Dafür gibt es weder genetische noch
> historische Evidenz. Ich habe einen Gen-Fluss von Spanien nach
> Nordwales gefunden“ (Daily Telegraph, 10.10. 06).
>
> Sehen deshalb viele Waliser so spanisch aus? Das wird eher an einer
> dritten Welle liegen: 1588 wurde die spanische Armada vor Wales
> versenkt, viele konnten sich retten.
>
> ("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2007

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09 Mär 2007 10:58 #3278 von scarabaea
Interessanter Bericht.

Mal abwarten, was der nächste ehrgeizige Professor so herausfindet. Was wird wohl länger Bestand haben, die Mythologie oder die wissenschaftlichen Ergebnisse?

Es gibt ein Sprichwort, das wohl griechischen Ursprungs ist: "Wenn du die Wahrheit wissen willst, dann befrage die Wissenschaft und die Mythe. Und dann glaube der Mythe, denn sie enthält die Wahrheit."

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16 Nov 2007 16:15 #5668 von Frederik
Ich denke nicht, dass die Mythen untergehen. Sie sind Bestandteil der Menschheit

Der Gral ist oft näher, als man denkt

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16 Nov 2007 17:22 #5669 von Ialokin
Hier sind mit Mythen aber Mythen gemeint und keineswegs Mythen. ;-)

Mythen werden immer wieder widerlegt (und manchmal wird die Widerlegung widerlegt).
Mythen hingegen sind ziemlich alterslos und haben sicher weiterhin Bestand.

Ialo

Die Liebe zu schenken, den Zauber zu wecken, das Leben zu feiern - das ist unser Sinn.

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16 Nov 2007 19:10 - 16 Nov 2007 19:10 #5671 von Nivien
Hmm, ich finde den Bericht auch sehr interessant. Als ich das las, dachte ich , daß ich mal gehört zu haben meine ;), daß die baskische Sprache nicht zur indogermanischen Sprachfamilie gehöre - wie auch die Sprache der \"Ureinwohner2 der britischen Inseln. Aber da muß ich noch mal nachlesen (wo?) oder Indogermanisten bemühen, vielleicht bring ich da auch was total durcheinander.

Ist doch spannend, wie \"jung\" Mythen auch sein können. Und wenn sie denn doch vielleicht nicht historisch sein sollen, bleibt immer noch nach dem Sinn der entsprechenden Mythen zu fragen, getreu nach dem Motto: \"Mythen sind wunderbare Geschichten, die die Welt erklären.\"

Und daß die Kelten aus Spanien kamen (war vielleicht ein Umweg aus Zentralasien? *wegduck*), ist eine merk-würdige Theorie.

Angst um die Mythen habe ich aber nicht. Auch die Märchen haben bis jetzt noch überlebt, und die mußten auch so einiges erdulden.

BB
Nivien

Jede gute Sache ist scharf. (Gurdijeff)
Letzte Änderung: 16 Nov 2007 19:10 von Nivien.

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16 Nov 2007 20:07 #5672 von scarabaea
Eine Einwanderungswelle wird als \"Iberokelten\" bezeichnet. Natürlich wäre es naheliegend, es so zu deuten, dass es sich um Kelten aus Spanien handelt. Das muss aber nicht so sein. Wer weiß, welche Wege die Kelten zurückgelegt haben. Immerhin gab es Kelten im gesamten Mittelmeerraum, in Kleinasien, dem Balkan und den Donauanrhainern, Frankreich bis hin zu uns. Wann wer wie gewandert ist, ist da nicht so leicht nachweisbar.

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16 Nov 2007 21:02 #5674 von Ialokin
Huhu Nivien :-)

> daß ich mal gehört zu haben meine , daß die baskische
> Sprache nicht zur indogermanischen Sprachfamilie gehöre

Das stimmt. Die baskische Sprache ist nicht nur nicht Indogermanisch, sie ist mit überhaupt keiner anderen (lebenden) Sprache auf der Welt verwandt.


> - wie auch die Sprache der \"Ureinwohner2 der britischen Inseln

Das wußte ich noch nicht. Interessant. War diese Sprache denn wiederum mit dem Baskischen vewandt?

Liebe Grüße von
Ialokin

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17 Nov 2007 15:56 - 17 Nov 2007 15:56 #5677 von Nivien
Hallo Ialokin :) ,

über die baskische Sprache habe ich jetzt immerhin mal in wiki nachgelesen. Schon komisch, daß sie so isoliert dasteht. Die Theorie, das es eine alteuopäische Sprache (und also auch: Kultur) neben/vor der indogermanischen Einwanderung gab, finde ich sehr...ansprechend.

Ich glaube, ich hatte irgendwas mit den Pikten im Sinn. Aber deren Sprache ist ja wohl auch recht ungeklärt, was die Zugehörigkeit angeht. Und wer weiß schon, aus welchem Fantasy-Roman ich meine Erinnerungen rekonstruiere...;)

BB
Nivien

Jede gute Sache ist scharf. (Gurdijeff)
Letzte Änderung: 17 Nov 2007 15:56 von Nivien.

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02 Dez 2007 01:01 #5841 von Frederik
Angeblich sollen die Eskimos das Baskische verstehen

Der Gral ist oft näher, als man denkt

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02 Dez 2007 08:07 #5842 von Baldur
Ich glaube auch nicht dass die Mythen untergehen, nur gehen sie mit der Zeit und die heutigen Mythen sind eben von einer Zeit geprägt, die nicht viel Platz für Tiefgang einräumt - Geiz ist geil !

- Du kannst mir keine Angst machen, ich habe Kinder -

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