Wo sind die "anderen " Kelten hin?

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09 Jul 2010 07:41 #9207 von Ishtar
Als Kelten gelten ja gemeinhin jenes Volk, von dem die mittelalterlichen Barden berichten und deren Berichte, LIeder etc. wurden rückwärts in die Zeit interpretiert. Also vornehmlich wird dann von den Inselkelten gesprochen.

Gestern bin ich über eine Karte der keltischen Ausbreitung gestolpert - habe mal zwei gegooglet, damit ihr ungefähr seht was ich meine:
http://www.geschichteinchronologie.ch/eu/ch/Cueni_Caesar-Helvetien-d/001-karte-kelten-ausbreitung.jp
http://www.schule-bw.de/unterricht/faecheruebergreifende_themen/landeskunde/modelle/epochen/fruehges

Bei einem "Reich" was sich von Großbritannien, nach Spanien, nach Norditalien, Deutschland, Frankreich, Griechenland und die Türkei hinein erstrecht, frage ich mich einfach, sind denn wirklich die einzigen mittelalterlichen "überbleibsel" jene der Inselkelten? Bei einer so großen Ausbreitung kann ich mir das kaum vorstellen. Erkennen wir vielleicht "keltische" Geschichten nicht als solche und sie sie uns doch irgendwie geblieben? Wenn ich halt sehe, wie Einfüsse bestimmter Kulturen heute noch unser Europa prägen (Mesopotamier, Griechen, Römer) so kann ich mir kaum vorstellen, dass ein Kulturvolk in dieser Größe nicht "mehr" Spuren hinterlassen hat. Was meint ihr? Oder weiß vielleicht jemand sogar etwas?

BB
Ishtar

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10 Jul 2010 21:27 #9210 von Andy
Na ja...

Einer der Gründe warum soviele Mythen und Sagen im inselkeltischen Raum überliefert sind, ist die sehr frühe Christianisierung und das damit verbundene aufkommen der Schriftkultur die es vorher nicht gab.
Auch wurde das Christentum nicht durch "Eroberer" oder Herrscher aufgezwungen sondern nach und nach übernommen. BEreits im 7. Jahrhundert wurden etliche Texte in den Klöstern aufgeschrieben.

Von den Festlandkelten existieren jedoch keinerlei Texte - egal ob Götter, Gesellschaft oder Kultur. Die einzigen Stellen findet man in Texten der üblichen Verdächtigen - Poseidonios, Julius Cäsar usw... auch da oft anur am Rande bemerkt. Cäsar ist natürlich mit besonderen Augen zu betrachten, der "Gallische Krieg" ist ja nun auch ein Propagandawerk erster Güte... Die keltische Kultur im römischen Reich - und das Siedlungsgebiet festlandkeltischer Stämme lag nun mal im Reich - wurde langsam durch den römischen EInfluss und die römische Zivilisation verdrängt. Selbst die Sprache. Die "Festlandkelten" haben die annehmlichkeiten der römischen Zivilisation zu schätzen gelernt - ja auch mit Recht. Mode, Sprache, Kultur... ist ja auch ganz ähnlich wie heute - "denglisch" verunstaltet unsere deutsche Sprache, unsere Kultur wird von anglo-amerikanischer Subkultur geprägt, "deutsche" Werte und "deutsche" Kultur wird nicht mehr geschätzt... so ähnlich lief es auch früher ab.

Ein 2 interessante, sprachlich nicht sooooooo "verwissenschaftliche Bücher" zum Thema kann ich dir empfehlen: "Die Kelten - Mythos und Wirklichkeit" von Stefan Zimmer (Theiss Verlag), "Die Kelten - Ihre Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart" von Bernhard Maier (Verlag C. H. Beck).

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