dem fluss folgen

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11 Jan 2007 11:30 #2382 von Nivien
dem fluss folgen wurde erstellt von Nivien
Hallo,

etwas beschäftigt mich: in einem buddhistischen Forum (ja, sowas lese ich zuweilen, schon von "Berufs" wegen :wink: ) wurden die Gemeinsamkeiten/Unterschiede zwischen Buddhismus und Taoismus diskutiert. Ein Teilnehmer brachte es auf den Punkt und schrieb sinngemäß:

Im Taoismus geht es darum, dem natürlichen Fluß der Dinge zu folgen, während es beim Buddhismus darum geht, den Fluß zu überqueren und auf die andere Seite zu gelangen.

Das war in diesem Zusammenhang wohl eher als Argument für den Buddhismus gedacht, mich hat es jedoch eher für den Taoismus eingenommen. Mitterweile halte ich eine solche Suche (nach Erleuchtung u.ä.) fast eher für ein Hindernis auf dem spirituellen Weg als für notwendig. Meist folgt daraus eine Abwertung oder Negierung der "wirklichen Welt" - und das ist es wohl nicht, wofür das Heidemtum steht?

Wie geht es Euch? Wollt ihr mit dem Fluß fließen? Wollt ihr auf die "andere Seite"? Oder beides?

liebe Grüße
Nivien

Jede gute Sache ist scharf. (Gurdijeff)

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11 Jan 2007 11:36 #2385 von scarabaea
scarabaea antwortete auf dem fluss folgen
Ich bin eigentlich eher ein Typ, der gegen den Strom schwimmt.

Nur eine Frage zum Verständnis: Heißt das mit dem Fluss schwimmen, dass man sich treiben lassen soll, ohne selbst Einfluss auf die Fließrichtung zu nehmen? Was ist, wenn man irgendwo verweilen will?

Der Gedanke, mit dem Fluss zu schwimmen, ist verführerisch, weil man dabei sehr viel Energie sparen kann. Andererseits ist man vor Überraschungen nicht sicher, denn man weiß nie, wohin der Fluss einen treibt. Man bleibt vielleicht an einem Hindernis hängen und muss viel Mühe aufbringen, um weiterzukommen. An einer Entscheidung kommt man auch hier nicht vorbei.

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11 Jan 2007 13:55 #2393 von Lady of Darkness
Das eigentliche Problem ist ja, dass der Fluss in dem Zitat zwei unterschiedliche Dinge symbolisiert ... der taoistische Fluss ist der Lauf des Lebens resp. der Dinge, während der buddhistische Fluss das Hindernis ist, das einen an der Erreichung des Ziels hindert ...

Würde man das vereinheitlichen, wäre das Ziel des Buddhismus doch in etwa jenes, dem Fluß zu folgen und sich im Meer zu verlieren, ou non? ;)

(Ja, die kleinen Haarspalter.)

Also, überlegen wir einmal, welche Flüsse wir meinen könnten:

- der Fluss des Lebens ... dem folge ich. Da habe ich auch eigentlich gar keine Wahl. Solange ich lebe, gehöre ich dazu, und sogar wenn mein jetziges irdisches Leben beendet wird, gehöre ich ja noch dazu. Als Energie, als Würmerfutter, als Erinnerung und ggfs. als BeanSidhe ... :D
- dem Fluss der Beliebigkeit ... versuche ich zu entkommen.
- der Fluss der Gewohnheit ... ist dazu da, überquert zu werden.
- der Fluss der Ereignisse ... kann verändert werden.
- der Fluss der Mehrheit ... der "Strom, mit dem nur tote Fische schwimmen" ... ob man ihm folgen will oder nicht, sollte man auf jeden Fall selbst entscheiden.

Also, von welchem Fluss wollen wir reden?

Remember that you're perfect - the gods make no mistakes...

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11 Jan 2007 15:21 #2394 von Nivien
Nivien antwortete auf dem fluss folgen
Non!

In dem Zusammenhang (aus dem es gerissen wurde), war es derselbe Fluß. Für die einen ist es der "heilige" Fluß des Lebens, für die anderen der Fluß des Samsara, den es zu überwinden gilt. Das Leben bzw. die Dinge sind ja in dieser Sichtweise samsarisch, "leer" und es gilt, diese "hinter sich zu lassen". Erstrebt wird ja beispielsweise eben keine weitere Wiedergeburt.

Es ist derselbe Fluß, aber er wird unterschiedlich gesehen bzw. gewertet.

Und ich glaube eben auch nicht (mehr), daß man solche Sichtweisen vereinheitlichen muß (oder sollte) - wie widersprechen sich einfach, daran ist auch nichts schlimmes, es gibt halt unterschiedliche Auffassungen darüber. Im Buddhismus gibt es ja auch wirklich den Terminus "über etwas hinausgelangen" (paramita), und das ist etwas anderes, als sich "im Meer verlieren". *auchhaarespalte*

@scarabaea
Ich glaube, es heißt, sich den großen Strömen zu überlassen, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind, z.B. Leben und Tod. In dieser Sichtweise ist alles Veränderung, und verweilen wollen heißt, die Veränderung abzulehnen. Energie sparen ist glaube ich im Taoismus eine wichtige Sache, aber da kenne ich mich nun gar nicht mehr aus...

Nur so meine Gedanken an einem doch noch trüben Nachmittag
lg
Nivien
Der Fluß des Lebens!

"...also ist das TAO der Lauf, der Fluß, das Treiben oder der Prozeß der Natur..." und "TAO ist der fließende Verlauf der Natur und des Universums" (Alan Watts)

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