Mythologie vs. "Fakten"

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05 Apr 2009 17:13 #7888 von Ishtar
Mythologie vs. "Fakten" wurde erstellt von Ishtar
Als ich die Artikelreihe bezüglich Ostara/Ostern geschrieben habe, ist mir aufgefallen, dass ich im Sprachgebrauch bei mir - und anderen - einen eingebürgerten Unterschied gefunden habe:
Einmal ist mir aufgefallen, dass wenn es um andere Religionen und deren "Mythen" geht, von eben genau: Mythologie gesprochen wird.
Wird dagegen vom Christenstum gesprochen, also eigentlich christlicher Mythologie, wird eigentlich mehr von einem Fakt gesprochen laut wortlauf.

Auch ist mir aufgefallen, dass ich bei heidnischen Religionen mehr erkläre, wohingegen ich bei christlichen Sachen davon ausgehe, dass bestimmte Inhalte bekannt sind (z.B. das Jesus der Sohn des christlichen Gottes ist). Tatsächlich ist mir aufgefallen, dass ich vom Sprachgebrauch eher schreiben würde "das Jesus der Sohn Gottes ist". Was aber eigentlich für mich nicht korrekt ist. Tatsächlich habe ich glaube ich auch sehr selten etwas von "christlicher Mythologie" gelesen. Oder z.B. das ich voraussetze, dass jede/r weiß, dass die Bibel das Hauptbuch der Christen ist. Wohingegen bei einer anderen Religion würde ich es erläutern. :angry: Ich ärgere mich etwas über meinen eigenen Sprachgebrauch.

Mir ist bewusst, dass das etwas mit dem westlichen Sprachgebrauch zu tun hat, in dem ich - und wir - aufwachsen. Es sind Feinheiten, aber ich habe angefangen sie zu korrigieren, wenn sie mir auffallen und möchte in Zukunft mehr darauf achten von christlicher Mythologie zu sprechen.

Wenn ich über naturreligiöse Inhalte spreche, spreche ich auch faktisch, wenn ich schreibe, erkläre ich aber mehr und benutze das Wort Mythologie. Ich habe an sich nichts gegen die Verwendung des Wortes zur Unterscheidung der unterschiedlichen Göttergeschichten in den verschiedenen Kulturen.

Jetzt würde ich gerne wissen, ist euch an euch selbst auch solch ein sprachgebraucht aufgefallen? Versucht ihr diesen zu verändern?

BB
Ishtar

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05 Apr 2009 22:30 - 05 Apr 2009 23:06 #7889 von eald
eald antwortete auf Mythologie vs. "Fakten"
*ggg* Ich sah vor Jahren mal einen arte-bericht in welchem der nigerianische Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka ein europäisches Kamerateam über den Hexenmarkt von Lagos führt. Im Anschluß und während das Team von den Eindrücken noch ganz gefangen schien, meinte er auf die von der gleichnamigen Ethnie gelebte und Yoruba genannte Religion hin angesprochen sinngemäß: 'Sie sei ein sehr faszinierender und ausgesprochen vielschichtiger Aberglauben :dry: welcher in nichts hinter dem christlichen, moslemischen oder sonstig etabliertem Aberglauben zurückstehe. :side:

Ich erkläre mehr wenn ich mal was zu heidnischen Mythen zu berichten habe, denn die kennt keiner und weiß drum auch nicht das des Mythen sind. Wenn ich im Gegenzug von Christus als Gottessohn spreche umreiße ich nicht, denn die Story kennt jeder und ein jeder mag selbst denken inwieweit er die Göttlichkeit jenes Menschen für sich annimmt.

Andererseits, wer weiß schon das Thales von Milet einst 'wirklich' in den Brunnen gefallen ist weil er zusehr nach den Sternen in den Himmeln schaute, und nicht etwa wie ein Robin Hood nie mehr denn eine rein fiktive Figur bloß war die einem Epos, einer Ballade nur entstammte?

Bei bekannten Geschichten bin ich gewiss das die Leute die Grundlage haben sich eine eigene Meinung zu bilden, bei ungewöhnlichen Erzählungen, Mythen und Legenden liefer ich wo ich kann gerne entsprechende Erläuterungen mit, das der Zuhörenden Einschätzung nicht auf gar zu tönernden Füßen ruht.

Das hat aber nun mitnichten etwas damit zu tun was mir selbstverständlich etwa wäre oder welchem Worte ich welchen Glauben schenkte. Wenn ich mit Christen spreche bleib ich schon mal bei deren Gottessohnschaft in der Formulierung und mach allenfalls hin und wieder mal klar das diese aber nicht meiner Überzeugung wohl entspricht.

Wahrheit macht sich schließlich nicht daran fest wieviele mit welcher Selbstverständlicheit woran glauben, sondern ... :dry: ... :blush: ... ... ¿So what? ... eald
Letzte Änderung: 05 Apr 2009 23:06 von eald.

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06 Apr 2009 11:17 #7890 von Lady of Darkness
Das liegt bei mir daran, mit wem ich rede, welches Wissen ich voraussetzen kann und wie weit ich ausschweifen und/oder auf Konfrontationskurs gehen möchte.

Bei Leuten aus einem christlich-westlichen Kulturkreis gehe ich davon aus, dass sie zumindest die Grundzüge des Christentums und der Bibel kennen, und da erkläre ich auch nicht viel. Das ist zwar manchmal eine falsche Annahme meinerseits, aber sie macht das Leben einfacher.

Bei Leuten, die einen muslimischen Hintergrund haben (auch wenn sie in Deutschland o.ä. aufgewachsen sind) erkläre ich in Bezug auf das Christentum häufiger etwas, wenn man in religiöse Debatten gerät, weil denen das Konzept einfach nicht so vertraut ist. (So wurde mir schon erklärt, "wir Christen" *räusper* wären Polytheisten - *rofl* ich wollte gerade "Polygamisten" schreiben, wo sind meine Gedanken heute nur? - weil wir ja den Vater UND den Sohn UND den Heiligen Geist anbeteten, und das seien ja drei Götter und nicht einer... *seufz*)

Und im Bezug auf die meisten anderen Mythen, Mythologien und Fakten erkläre ich tendenziell erst einmal ALLES, wenn ich nicht genau weiß, ob mein Gegenüber es kennt. Schließlich geht es bei einem Gespräch in erster Linie um Kommunikation und nicht darum, seine Philosophie in Worte zu kleiden. Also, das auch, aber erst nachgeordnet...

(Manche Dinge wie "der Sohn Gottes" sind dadurch schwierig, dass es für Christen ja nur den einen Gott gibt und dieser keine aussprechbaren Namen hat. Ich glaube aber, das war so geplant, um die Akzeptanz zu erhöhen. *g* )

Remember that you're perfect - the gods make no mistakes...

https://diandrasgeschichtenquelle.org
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