Spinnen mit einer Handspindel

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04 Jan 2007 07:20 #2223 von Ishtar
Zum Tag des Spinnrockens ein paar Infos und Fragen zum Spinnen..

Infos zum Spinnen und Geschichtliches
  • Der altedeutsche Begriff für Spinnrocken ist Kunkel, vom lateinischen conucula. Meist ein Stab, diente als Halterung für die ungesponnene Rohfaser aus der Garn gesponnen wurde.
  • Als Kunkellehen wurde im alten deutschen Recht unter dem Feudalismus seit dem Hochmittelalter im 12. Jahrhundert das Lehen bezeichnet, das beim Aussterben des Mannesstammes an die weibliche Linie überging. Die Kunkel wird hier zum Symbol des Weiblichen, da das Spinnen einen typisch weibliche Tätigkeit war.
  • Spinnen hat verschiedene Bedeutungen: Unter Spinnen wird häufig der ganze Prozess der Herstellung von Garnen aus einzelnen Fasern verstanden. Dies beinhaltet das Reinigen, Mischen und Parallel-Legen der Fasern sowie die Fadenbildung durch Verziehen und Verdrehen samt anschließendem Aufspulen. Als Spinnen wird aber auch nur der Teilprozess des Verziehens und Verdrehens von Fasern bezeichnet. Beim Spinnen von Hand können die Fasern quasi direkt mit dem Spinnrad versponnen werden, beim maschinellen Spinnen müssen die Fasern bereits in einem gerichteten Strang, dem Streckband, vorliegen. Durch Verstrecken und Zwirnen erhält man die gewünschte Garnfeinheit und Festigkeit. Historisch bedingt wird auch die Herstellung von synthetischen oder naturnahen Fasern durch Herauspressen von flüssigem Kunststoff aus Düsen Spinnen genannt.
  • Versponnen werden alle Fasern: Pflanzenfasern wie Baumwolle, synthetische Fasern wie PET, tierische Fasern wie Wolle, früher gar menschliche Haare oder mineralische Fasern wie Asbest.
  • Das Produkt beim Spinnen wird Garn genannt
  • Die Qualität der verwendeten Fasern und die Art, wie sie versponnen werden, ist maßgebend für viele Eigenschaften des später daraus entstehenden Textils.
  • Ein fertig gesponnenes Garn kann auf unterschiedlichste Art weiterverarbeitet werden, z. B.: Zwirnen, Weben, Stricken, Wirken (textil), Nähen
  • Spinnen ist, wie das Weben, eine der ältesten Techniken der Menschheit.Von Hand gesponnen wurde in Europa bereits um 6.000 v. Chr., darauf verweisen die Spinnwirtel der Sesklo-Kultur im frühneolithischen Griechenland.Das Handwerk soll in Kleinasien (Morgenland, Levante) noch 2000 Jahre älter sein. Bei den Belegen handelt es sich um Spinnwirteln aus Keramik.
  • Was nicht feststeht ist, ob Wolle oder Flachs versponnen wurde
  • 2000 Jahre später ist Leinen belegt (Ägypten)
  • Die prähistorischen Wirtel sind bisweilen mit symbolischen Zeichen verziert und wurden wohl auch der Gottheit als Weihegeschenke dargebracht.
  • Wirtel wurden in vielen vorgeschichtlichen Siedlungen gefunden.
  • Im Mittelalter wurde das (Hand)spinnrad erfunden
  • In Europa war vor allem die Handspindel (Drop-Spindle) verbreitet

Mythologisches und Magisches
  • Das Spinnen spielt vielfach eine Rolle im Mythos und wird etlichen Schicksalsgöttinen - so der griechischen Klotho - zugewiesen (vgl. Moiren, Parzen).
  • Spinnen und Weben gelten als Erfindung der Göttin Athene.
  • Auch Frigg gilt als eine "Spinnende" Göttin
  • Es existieren magische Lieder die mit dem Spinnen verbunden sind und wahrscheinlich auch während des Spinnens gesungen wurden.
  • Nebst schöner Hände durch das Spinnen mit Wolle durch das Lanolin (?) soll man sich durch Spinnen auch in Trance versetzen können.
  • Seherinnen wurden auch oft mit dem Spinnen in Zusammenhang gebracht.

Spinnen von Hand - Spinnen mit der Handspindel
  • Das Spinnen von Hand erfolgte entweder mit bloßen Händen oder aber mit einer Handspindel. Die Rohfaser wurde dabei auf einer Kunkel befestigt, um die Faser geordnet zu halten
  • Der kugel- oder scheibenförmige, konische oder doppelkonische zentrisch durchlochte Wirtel dient als Schwungmasse für die Handspindel und kann aus verschiedenen Materialien bestehen (Holz, Knochen, Stein oder Ton). Er hat einen Durchmesser bis zu 5 cm und kommt seit dem Neolithikum vor.
  • Die Spinnerin befestigt den Spinnfaden am oberen Ende der Spindel, indem sie ihn mit einem halben Schlag sichert und - sofern vorhanden - in den Haken, die Rille oder die Nut einlegt. Nun wird die Handspindel, frei am Spinnfaden hängend, in eine rasche Drehung versetzt. Die Spinnerin ist nun damit beschäftigt, stetig neues Material zuzuführen und dieses in der gewünschten Fadenstärke auszuziehen, bevor es verdreht wird. Der Übergang zwischen den zugeführten ausgezogenen (nahezu parallel verlaufenden) Fasern und der beginnenden Verdrehung zu einem Faden nennt man Faserdreieck. Wenn die Handspindel fast den Erdboden berührt, wird der neu entstandene Faden auf dem Schaft aufgewickelt und der Vorgang beginnt von neuem. Hierbei können zur besseren Handhabung die vorbereiteten Spinnfasern auf einem Rocken (Wocken, Wockenstab. Fig. a) befestigt werden.



Infos zusammenkopiert und leicht verändert aus Wikipedia.de

Diverse Links:
Spinnen mit der Hand : Bilder in historischer Gewandung, einige Infos
Handspinnen : Viele Infos, einige Lieder, viele Spindeln zum anschauen
Die Spinnerey : Infos von einem Mittelaltermarkt-Stand, der sich dem Spinnen widmet.
I can Spin : Viele quick-time videos zur Erklärung - auf Englisch!
Spinn-off : Zwei Pdf - Broschüren zum runterlade - auf Englisch!

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04 Jan 2007 07:31 #2224 von Ishtar
So, wer hat sich denen nun schon mal beim Spinnen versucht?

Inspiriert wurde ich vom Village Craft workshop von Dolores, die uns auch einige Spinnlieder beibrachte. Nachdem ich mir zu Beltane eine Handspindel gekauft habe (ich schau mal, ob ich noch ein Bild posten kann) hat mir Kahoka das Handspinnen mal beigrabt. Leider hatte ich wegen meinem Studium bisher sehr wenig Zeit mich wirklich mit dem Spinnen zu beschäftigen, d.h. es zu üben. Mein Garn wird also noch recht unregelmäßig. :-( ab und zu kleinere Erfolge, wo er schön regelmäßig und einigermaßen dünn wird, dann wieder ein paar dickere "knubbel".

Einige Freunde haben nicht schlecht geschaut, als ich während des gemeinsamen Quatschens plötzlich die Handspindel rausnahm und nebenbei zu Spinnen begann. :lol:

Das mit der Trance sehe ich als sehr wahrscheinlich an und denke es hat aber auch viel mit dem "Flow - Erleben" (völliges aufgehen in einer Arbeit, meist vergisst man dabei die Zeit) zu tun. Alelrdings ist es für mich sehr einleuchtend, warum diese Erlebnisse mit Schicksalsgöttinnen in Zusammenhang gebracht werden. Btw - beim Spinnen hat sich das bei mir noch nicht eingestellt.

Sehr interessant finde ich wiederum, dass ausgerechnet Athena, eines der "männlichsten" Göttinnen des Olypms mit einer so urweiblichen Kunst wie dem Spinnen in zusammenhang gebracht wird. (Hera hätte mich nicht erstaunt). Für mich ein Hinweis darauf, dass Athena ursrpünglich etwas weiblicher interpretiert wurde als dies im klassischen Altertum dann der Fall war. Dazu passt auch, dass sie oft mit der geflügelten Nike (Siegesgöttin) dargestellt wird. Könnte ebenfalls ein leichter Hinweis auf eine Interpretation als Schicksalsgöttin sein. Ebenso wie evt. die Eule, welche (nebst Weisheit) auch mit der Nacht und verborgenes in Verbindung gebracht wird.

Was meint ihr dazu?
Und wer hat schon mal versucht zu Spinnen?

Btw:
Die einfachste Art eine Handspindel herzustellen: Man nehme einen Holzstab, spitze ihn mit dem Messer an und befestige einen Apfel an seinem Ende indem man das Spitze Ende in den Apfel stößt.

BB
Ishtar

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04 Jan 2007 08:37 #2225 von Nivien
Hallo Ishtar,

zwar besitze ich eine Handspindel (und auch die "dazugehörige" Wolle...), habe es aber noch nicht fertig gebracht, mich der Sache mal zu widmen. Bisher liegt die Spindel neben dem Altar mehr als Symbol - leider!

Dein Text hat mir doch Lust gemacht, es mal auszuprobieren. In Sonja Rüttner-Covas Buch über die Frau Holle steht auch allerhand interessantes zum Spinnen, im Grunde auch das, was Du geschrieben hast.

Danke auch für die links!

BB
Nivien

Jede gute Sache ist scharf. (Gurdijeff)

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04 Jan 2007 22:37 #2229 von Kahoka
Hi!

Wie Ishtar ja schon gesagt hat, spinne ich schon seit längerer Zeit immer mal wieder mit einer Handspindel so vor mich hin. Angefangen hat das vor ein paar Jahren, als mir meine Schwester die Spindel zu Weihnachten geschenkt hat. Ich hatte sie nämlich immer mal wieder gelöchert, ob sie mich mal an ihr Spinnrad läßt.... Seit dem sind so einige Knäuel Wolle entstanden und ich hab auch schon aus der selbstgesponnenen Wolle eine Weste gestrickt.

Ich empfinde das Spinnen meist als sehr meditativ, da es eine immer gleich Bewegung von Spindel drehen und Faden ziehen erfordert. Ich habe mich auch schon dabei ertappt, daß ich beim Spinnen im stehen hin und her wiege, fast so, als würde ich mich zu Musik bewegen.

Gruß,
Kahoka

[font=Comic Sans MS:bcc79dfd17]Um etwas zu bekommen, das du schon immer haben wolltest, mußt du etwas tun, das du noch nie getan hast.[/font:bcc79dfd17]

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08 Jan 2007 11:58 #2293 von Ialokin
Ich hab Spinnen richtig "gelernt" bei einer Frau, die das berufsmäßig tat, im Rahmen eines anthroposophischen Seminarjahres.

Erst nur mit der Hand, dann mit einem gegabelten Zweig, dann mit einer Spindel und am Schluß am Rad. Spinnen am Rad fand ich durchaus schwierig, müßte ich erstmal wieder üben, bevor da was brauchbares bei rauskäme. Aber es macht tierisch Spaß und ein Trancezustand (wenn man es kann und nicht mehr so verkrampft ist), stellt sich dabei sehr schnell ein.
Wer es lernen will, dem empfehle ich, die oben genannten Schritte einzuhalten, weil sich der Prozeß dann viel leichter erschließt.

*wink*
Ialokin

Die Liebe zu schenken, den Zauber zu wecken, das Leben zu feiern - das ist unser Sinn.

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16 Jan 2007 18:47 #2494 von Esmerelda
Ich spinne auch mit der Handspindel. Mir passiert es auch immer wieder, dass ich dabei die Zeit vergesse.
Nun fange ich langsam an mir Gedanken zu machen wie ich die gesponnene Wolle am besten verarbeite und vor allem als was ...

Denn bisher spinne ich um des Spinnens willen, weil es mir einfach Spaß macht, gut tut und mich entspannt.

Viele Grüße
Esme

Träume sind dazu da um zu Ende geträumt zu werden. Wenn nicht heute dann morgen!

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17 Jan 2007 06:29 #2497 von Lady of Darkness
Wie lernt man so etwas eigentlich am besten? Gibt es Vereine, Bücher, Kleinanzeigen, ... ?

Remember that you're perfect - the gods make no mistakes...

https://diandrasgeschichtenquelle.org
https://knusperhaus.wordpress.com

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17 Jan 2007 11:23 #2502 von Ialokin
> Wie lernt man so etwas eigentlich am besten?

Von jemand, der es kann. ;-)

Ich kenne keine Organisationen; aber wenn es in Bonn eine Waldorfschule gibt, können Dir die - über einige Stationen Weiterreichen - wahrscheinlich jemand nennen.

Aber einfach loslegen und rumprobieren sollte früher oder später auch funktionieren.

Ialokin

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17 Jan 2007 16:24 #2507 von Kahoka

Wie lernt man so etwas eigentlich am besten? Gibt es Vereine, Bücher, Kleinanzeigen, ... ?


Hi LoD!

Kann Ialokin nur zustimmen. Am einfachsten lernst du es von jemandem, der es kann, denn da ist dann direkt jemand da, den du fragen kannst wenn es nicht klappt und der Erfahrung mit dem (manchmal nicht ganz so leichten) Anfang hat.

So Leute findet man aber nicht nur über die Waldorfschulen. Du kannst auch einfach in Mittelalterforen nachfragen, oder auf einer der Internetseiten nachfragen, die sich mit dem Handspinnen beschäftigen.... oder in Bastelforen, oder in Handarbeitsforen, oder du gibst ne (kostenlose) Kleinanzeige irgendwo auf.....

Lieben Gruß,
Kahoka

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17 Jan 2007 17:08 #2510 von Ialokin
Ja, Mittelalter-Clans/-foren usw. sind bestimmt auch ne sehr gut Quelle, danke Kahoka. :-)

Ialokin

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