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Schamanische Erzählungen

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18 Okt 2007 15:52 #5301 von Nivien
Märchen: mir haben manche Märchendeutungen (z.B. von Verena Kast, also wohl --> tiefenpsychologisch) neue Aspekte der Märchen gezeigt, die ich so vorher nicht gesehen hatte. Anderen Deutungen konnte ich nicht folgen, z.B. Drewermanns Deutung vom Gevatter Tod, die war mir zu "christlich".

Ich würde auch behaupten, daß das Märchen auf vielerlei Art deutbar ist, je nach Weltanschauung und Absicht, und daß keine Deutung ein Märchen ausschöpfen kann. Das ist ja auch gerade das Faszinierende daran!

lg
Nivien

Jede gute Sache ist scharf. (Gurdijeff)

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18 Okt 2007 17:54 #5302 von Lady of Darkness
Der Darstellung von Ialokin habe ich nichts weiter hinzuzufügen.

:D :D :D

Remember that you're perfect - the gods make no mistakes...

https://diandrasgeschichtenquelle.org
https://knusperhaus.wordpress.com

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20 Okt 2007 14:49 #5338 von Undine
Um den Grund dieses Treads nochmal zu berühren.Ich habe mich erwischt,wie ich einem Schamanen erzählt habe,was ich gemacht habe.Und ich habe instinktiv Sachen weggelassen,Details halt.Zu Guterletzt klang es wie ein Märchen.Aber er hat mich voll verstanden.
Normalerweise versuche ich mich an den Grundsatz zu halten:die Wahrheit gegen die Welt.Aber auch bei anderen Völkern ist bekannt,das Schamanen lernen müssen,die Geschichten von der Geisterwelt richtig zu erzählen.Und mir ist das jetzt plötzlich automatisch gelungen.....

Das Problem von Hexen ist,das sie nie vor Dingen weglaufen,die sie von ganzen Herzen hassen.....

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20 Okt 2007 15:27 #5340 von scarabaea
Du hast wahrscheinlich genau das erzählt, was der Schamane wissen mußte. Die Details brauchte er nicht oder sie hätten gestört. Also hast du alles richtig gemacht.

War die Begegnung mit dem Schamanen zufällig oder hast du ihn bewußt um Rat gefragt?

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20 Okt 2007 17:36 #5343 von Undine
Nun,ich nahm an,er wüßte es besser als ich.Ich bin nur ein kleines Licht,da sollte man Leute fragen,die auf ihrem Gebiet sattelfest sind.

Das Problem von Hexen ist,das sie nie vor Dingen weglaufen,die sie von ganzen Herzen hassen.....

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09 Nov 2013 23:17 #13555 von Mountain Dreamer
Schamanische Erzählungen aus dem sibirischen Kulturraum

Im sibirischen Kulturraum wurde nach der russischen Revolution von 1917 damit begonnen, die schamanische Kultur Sibiriens auszurotten. Glücklicherweise sind uns viele ethnographische Aufzeichnungen russischer Ethnologen erhalten geblieben, die uns ein Bild der alten sibirischen Kultur vermitteln können. G.V. Ksenofontov sammelte die folgenden Erzählungen von damaligen Schamanen und veröffentlichte 1930 die Sammlung in Moskau. Im Rahmen einer Jubiläumsausgabe übersetzten Adolf Friedrich und Georg Buddruss das Werk ins deutsche. Ich stelle hier ausgewählte Erzählungen aus dem Werk vor. Dem schamanisch Praktizierenden und dem Interessierten bieten diese Erzählungen ein farbiges Bild lebendigen Schamanentums dar und sollen dahingehend wirken, daß der Schamanismus als solcher besser verstanden werden kann. Die erzählenden Schamanen zählen zu den Volksgruppen der Burjaten, Jakuten und Tungusen.

www.kondor.de/mythes/indeks.html

Schamanische Märchen www.wer-kennt-wen.de/forum/showThread/hqmf56msmnlz/

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09 Nov 2013 23:20 #13556 von Mountain Dreamer
Das Erneuern eines Schamanengrabes

Pavlov Platon - Börtö

Am Flüßchen Chaastaach liegt das Grab eines alten Schamanen namens Temir-Tscharaptschylaach, des "Mannes mit dem eisernen Mützenschirm". Der Leichnam lag in einem Sarg, der aus einem Lärchenstamm ausgehöhlt war. Man hatte den Sarg auf der Astgabel in einer großen Lärche befestigt.

Man erzählt, daß man die Knochen dieses Schamanen früher schon zweimal aufgehoben habe, da der Sarg und der Baum faulten und die Knochen zur Erde fielen.

Als der Sarg herabfiel, da schlachtete ein Schamane aus der Blutsverwandschaft des verstorbenen Schamanen drei Stück Vieh von besonderer Farbe, richtete das Ysyach-Fest her, nahm die sterblichen Überreste des Schamanen auf und legte sie auf einen anderen Baum.

Ich kann mich noch erinnern, wie die Überreste dieses Schamanen einmal aufgehoben wurden. Ich begegnete zufälligerweise unterwegs den Leuten, die hingingen, um sie emporzuheben. Sie trieben einen unverschnittenen dreijährigen Stier vor sich her. Zu dem Ritus der Aufhebung waren drei Schamanen eingeladen, von denen einer nicht kam. Sie erstachen den Stier und mußten dann das versammelte Volk bewirten.

Man erzählt, daß die sterblichen Überreste der Schamanen auch unter Pferdeopfern "aufgehoben" wurden. Man mußte einen Hengst erstechen, von schwarzer Farbe, mit weißer Schnauze und mit Beinen, die ungeschälten Birkenstämmen glichen. Bei der dritten Aufhebung müssen die Gebeine des Schamanen der Erde übergeben werden.

www.kondor.de/mythes/boertoe.html

Rykunov Osip - Insel Tojon Aryy Dschobulga, 17 Januar 1925.

Einen berühmten Schamanen bestattet man nicht in der Erde, sondern legt ihn in die freie Luft auf eine besondere Plattform, "Arangas" geheißen. Später, wenn der Arangas fault und zusammenfällt, hebt man die Knochen des Schamanen im Laufe der Zeit dreimal nacheinander mit Hilfe von drei, sechs oder neun Schamanen empor. Wenn dieser Ritus der Knochenaufhebung vollzogen ist, muß einer aus der Verwandtschaft des Schamanen sterben.

Dabei tötet man eine rotscheckige, weißschnauzige Kuh und ein Pferd von gleicher Farbe. (Der Erzähler verwendet das Wort "sylgy", das nur das Gattungskennzeichen des Pferdeviehs ohne Angabe des Geschlechtes bezeichnet. Es ist durchaus möglich, daß uch im ersten Falle das Geschlecht des Opfertieres nicht deutlich bezeichnet ist; denn bei den Jakuten bedeutet "ynach (=Kuh)" mit dem Zusatz "suösü (=Vieh)" auch häufig das Hornvieh im allgemeinen. Im vorliegenden Falle habe ich bei der Niederschrift das Wort "suösü" entweder nicht beachtet, oder der Erzähler hat es selber weggelassen. G.K.)

www.kondor.de/mythes/tojon.html
Schamanische Märchen www.wer-kennt-wen.de/forum/showThread/hqmf56msmnlz/

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09 Nov 2013 23:26 #13557 von Mountain Dreamer
Lebensbeschreibungen einiger Schamanen

Alexejev Gavriil. Insel Tojon-Aryy. 12. Januar 1925

In unserem Nasleg litt der Schamane Pjotr mit dem Beinamen Taappyn-Uola im Alter von 25 Jahren, noch vor Erlangung der Schamanengabe, drei Jahre lang an Geistesstörung. Nach Anfällen von krampfhaftem Singen verfiel er immer wieder in Gefühllosigkeit und in den Zustand der Apathie gegenüber seiner ganzen Umgebung. Man mußte ihn sogar fesseln. Nach seinen Worten wurde er der Zerlegung unterworfen. Sein Hauptgeist ist ein verstorbener Nemügin´scher Schamane. Pjotr soll mit diesem in der weiblichen Linie verwandt sein. Seine Mutter oder Großmutter oder Urgroßmutter war aus dem Geschlecht dieses Schamanen. "Deshalb ergriff er mich auch", sagte Pjotr.

Er wurde Schamane ohne Weihung durch einen anderen Schamanen. Es soll in unserem Lande keine solche Schamanen gegeben haben, die die Kraft gehabt hätten, ihn zu weihen. Seine Seele - ich gebe seine eigenen Worte wieder - zogen sie in der unteren Welt auf der zwölften Zweigetage der Schamanentanne auf. Er sagt ebenfalls, daß seine Tiermutter auf die mittlere Welt kam und seinen Körpe zerteilte.

Von seitens des Vaters und Großvaters gab es in der Familie keinen Schamanen. Nur der Onkel in der mütterlichen Linie, der Geist des erwähnten Nemügin´schen Schamanen, bekundete Familiengefühl und "fiel" auf ihn. Besagter Pjotr erzählt, Wolf und Bär seien seine Schamanengeister.

Der Sohn des Semen Töttö, ebenfalls ein Schamane, war drei Jahre in Geistesabwesenheit befangen. Sein Zustand wirkte die ganze Zeit über benommen und er litt viel. Ein Bertün´scher Schamane (lokale Benennung des zweiten Maldschegar´schen Nasleg), der Bruder des berühmten legendären Schamanen "Tscharaptschylaach", kam herbei und befiel ihn. Der Geist des lange verstorbenen Schamanen stieg auf ihn herab. Dieser Schamane war Töttö´s Oheim mütterlicherseits.

Pavel, ebenfalls aus unserem Nasleg, wurde vor fünf oder sechs Jahren Schamane. Jetzt ist er ungefähr dreißig. Auf ihn stieg der starke Geist eines Bertün´schen Schamanen herab, da dieser unter seinen Blutsverwandten keinen Menschen fand, der fähig gewesen wäre, die Schamanengabe von ihm zu empfangen. Er kam gleichsam direkt ohne Verwandtschaftsbindung vom Himmel herab. Pavel wurde sogleich, im Verlauf von sieben Tagen, zum Schamanen, wo er auch, wie erzählt wird, die Zerschneidung durchmachte und zu Hause lag. Er hatte in der Zeit seiner Krankheit einen besonderen Mann zu seiner Pflege .-

Iwan, der Sohn Grigoij´s, erkrankte mit 25 Jahren an Anfällen erregten Singens, gedrängt von verschiedenen Geistern. Das dauerte ungefähr zwei Jahre. Kam er zwischendurch zur Ruhe, so war er gegen seine ganze Umgebung teilnahmslos. Er sagt, der Geist des Onkels seiner Mutter stieg auf ihn herab und befiel ihn, der Geist eines verstorbenen Schamanen aus dem Charyjalaach´schen Nasleg (Name des dritten Maldschegar´schen Nasleg). - Nach seinen Erzählungen "sind die bösen Geister unsichtbar, nur schlechten Geruch geben sie von sich. Läßt man sie in sich ein, kommen sie ins Innere des Menschen und blähen seinen Leib auf."

www.kondor.de/mythes/alexej.html

Pjotr Danilov, Insel Tiit-Aryy. 30. Januar 1925

Im Bertün´schen Gebiet sagte vor zwei Jahren ein Mensch, er müsse bald Schamane werden. Er befahl, für sich im Walde in der Nähe einer Lichtung eine Hütte zu bauen. Das Häuschen war unmittelbar an der höchsten Lärche errichtet, wo sich eine Menge schamanischer Idole befanden, die dort nach der Seance aufbewahrt wurden. Junge, noch unverheiratete Burschen mußten es nach seiner Weisung aus ungeschälten Stämmen bauen. Dieser Mensch hieß Michail Savvitsch Nikitin. Er war ungefähr 40 Jahre alt.

In diese seine Hütte zog er dann und lag dort drei Tage. Er sagte: "Ich liege da als ein Toter und werde (von Geistern) zerschnitten. Am dritten Tage muß ich auferstehen." Für diesen Tag befahl er, einen Schamanen mit Namen Bötschükkä, den Sohn des Taappyn, zu holen, damit dieser über ihm die Zeremonie der "Aufhebung des Körpers" und der "Belehrung, Weihung" vollziehe. Man erzählte sich dabei, daß ein Mensch mit Namen Dimitrij, mit dem Beinamen Saba-Üktüür, bei ihm war, um ihm Handreichung zu tun.

Als der gerufene Schamane gekommen war, versammelte sich viel Volk bei der Hütte, das den Vollzug der genannten Zeremonie mit ansehen wollte. Ich war auch hingegangen um zuzuschauen. Der Schamane war mit der Trommel gekommen, der Kandidat aber hatte das Schamanengewand an. In meiner Gegenwart sagte der weihende Schamane nach Beschwörung und kurzem Lobpreis der Geister, deren Hilfe er sich erbat: "Jetzt steht der Sommer in voller Blüte. Wenn die Nadeln und Blätter der Bäume schon ausgeschlagen haben, dann darf man nicht die Weihung eines Schamanen vollziehen. Dafür ist die richtige Zeit nur im Frühling und Herbst!" So sagte er und brach die Zeremonie ab.

Der erwähnte Schamane schamanisiert bis heute noch auf unfertige Weise. Er vollzieht ohne Schamanenkleidung nur die einleitende Anrufung und nimmt nur kleine Geister bei unbedeutenden Erkrankungen in sich auf. (Er ist sozusagen ein ohne offizielle Erlaubnis der Schamanengeister frei praktizierender Banner von kleinen Dämonen, der nur ganz wenig mit Beschwörungen und schamanischen Riten vertraut ist. Kurz: er ist ein Schamanen-Geselle ohne Meisterprüfung. G.K.)


Nikolaj Pavlov, Insel Tojon-Aryy. Börtö

Bei uns lebt ein Mensch mit Namen Michail Nikitin, der jetzt die Vorbereitungszeit durchmacht, um Schamane zu werden. Dieser Mensch errichtete vor zwei Jahren an einem Ort namens Saasyyr-Alaas in der einsamen Taiga eine Hütte aus jungen Stämmen und lag dort einige Tage. Er nahm einen hysterischen Menschen mit Namen Saba-Uktüür-Miitää mit sich. Der sollte ihm sein Essen bereiten. Währen Michail dort lag, rief er den Schamanen Taappyn-Uola zu sich.

Ich ging hin um zuzuschauen: der Schamanen-Kandidat war bereits aus seiner Hütte herausgegangen und saß mit dem alten Schamanen zusammen. Im Walde stand eine Lärche, wo man die schamanischen Requisiten zum Opfer aufhob: Tierknochen, Schamanentisch u.a. Bei dieser Lärche war auch das Häuschen errichtet. Lärche und Häuschen waren von einem kleinen Zaun umgeben. Als Michail sich vorbereitete, Schamane zu werden, hatte er seine Verwandten gebeten, dies alles einzurichten, was sie auch taten.

Beide Schamanen saßen innerhalb der Umzäunung mit dem Gesicht der Lärche zugewandt. Der neue Schamane war im Schamanen-Kostüm, beide sangen auf schamanische Art. Wir Zuschauer saßen außerhalb des Zaunes. Der alte Schamane sang im Sitzen; der neue fiel auch ein, war aber sichtlich aufgeregt. Das alles fand um den Peterstag statt.

Plötzlich sagte der Schamane Taappyn-Uola: "Offensichtlich können wir uns nicht nach oben erheben, weil Nadeln und Blätter schon zu sehr ausgeschlagen sind. Der Herbst wird die rechte Zeit dafür sein, wenn die Erde zu frieren beginnt." Jener Mann hat jetzt allen Anschein nach den Gedanken, Schamane zu werden, aufgegeben.


Platon Pavlov, der Bruder des vorigen.

Einmal hörte ich den obengenannten Michail folgende Worte sprechen: "Meine Zeit ist noch nicht gekommen, Schamane zu werden. Meine Seele liegt in der unteren Welt und wird an der Wurzel erzogen, der Quelle der neun Geschlechter böser Geister. Jetzt kann ich erst nach drei Jahren Schamane werden."

Weiter erzählt er: "Als ich im Walde unter einem Baume lag, da verstand ich die Stimme der Bäume und Gräser. Sie sprachen auch vom bevorstehenden Tode der Menschen ... Als ich die Hütte unter dem Baume verließ, waren die Stimmen verstummt."

Nach den Erzählungen der Alten erziehen die Geister in der unteren Welt an der Quelle der neun Geschlechter böser Geister die Seele des Schamanen. Die Geister fragen ihre Zöglinge: "Seid ihr nicht zu fliegenden jungen Vögeln geworden, sind keine Flügel gewachsen, seid ihr nicht mit Flaum bedeckt?"

www.kondor.de/mythes/danil.html
Schamanische Märchen www.wer-kennt-wen.de/forum/showThread/hqmf56msmnlz

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09 Nov 2013 23:29 #13558 von Mountain Dreamer
Über das Leiden der Schamanen

ofron Sateejev, Insel Tojon-Aryy, 17. Januar 1925

Wenn einer Schamane werden soll, so muß er eine besondere Zeremonie durchmachen, die Zerschneidung seines Körpers. Geister verstorbener Schamanen, der Vorfahren des betreffenden Schamanen-Kandidaten, nehmen dies vor. Beim Vollzug der Zerstückelung stirbt der Geprüfte. Er liegt drei bis vier Tage lang auf der rechten Pritsche in seiner Jurte, er ißt und trinkt nichts. Ein Knabe, der nichts Unreines und Sündhaftes kennt, muß ihm aufwarten und ihm Speise reichen. Er gibt dem Schamanen in der Regel nur "Schwarzes Wasser". Vor dem Fenster, an dem der Kandidat liegt, bios zur Viehhürde hin errichtet man einen Zaun. Niemand und nichts - von denen, die Füße haben - soll an dem Platz, wo seine Bank steht, von außen vorübergehen. Ebenso dürfen auch in der Jurte die Leute zwischen seiner Pritsche und dem Ofen nicht hindurchgehen.

Man umwindet sein Haupt mit einem Strick, der aus weißem Haar geflochten und mit Stoffstückchen behängt ist. Jeden Tag wechselt man diesen Strick.

www.kondor.de/mythes/sateejev.html

Alexejev Gavriil, Insel Tojon-Aryy, 12. Januar 1925

Der Überlieferung nach hat jeder Schamane eine sogenannte "Tiermutter". Sie soll das Aussehen eines großen Vogels haben, mit einem Schnabel, der an einen eisernen Eisbrecher erinnert, mit hakenartigen Kletterkrallen und mit einem Schwanz von drei Schwingfaden Länge.

Die Tiermutter kommt bei der Geburt und in der Zeit der Erziehung der Schamanenseele; später kehrt sie nur noch bei seinem Tode wieder. Ist die Tiermutter wieder erschienen und hat sich dem Schamanen gezeigt, so gilt dies als Vorzeichen seines Todes. Alle schamanischen Tiermütter, so sagt man, sehen sich äußerlich ähnlich und haben ähnliche Merkmale.

Die Tiermutter geht mit der Seele dessen, der Schamane werden soll, in die untere Welt und zieht ihn dort auf den Zweigen eines Tannenbaumes auf. Die Seele eines großen Schamanen wird auf der neunten Zweig-Etage, von unten gerechnet, erzogen.

Wenn die Seele reif wird und sich selbst vorstehen kann, dann erhebt sich die Tiermutter auf die mittlere Welt. Hier zerteilt sie den Körper des Schamanen in kleine Stückchen und zerstreut sie auf allen Wegen der Krankheit und des Todes. Sie verteilt sie unter die bösen Geister. Zeichnung von Timofej Stepanov Man sagt, den Geistern jeder Art von Schaden und Unglück gehören die entsprechenden Teile des Körpers, deren Erkrankung die betreffenden Geister verursachen. Ein Schamane kann die mannigfachen Krankheiten nur dann mit Erfolg heilen, wenn sein ganzer Körper zerstreut worden ist. Die bösen Geister verteilen den Körper des Schamanen und entfernen sich.

Kleine, unbedeutende Schamanen werden nicht zerschnitten, auch diejenigen von ihnen nicht, die Schamanen wurden, indem sie Fallsucht oder Hysterie von gewöhnlichen bösen Geistern ("üör") empfingen. Nur ein großer Schamane, der in seiner Sippe eine Reihe von Schamanenvorfahren hat, wird der Zerstückelung unterworfen.

Manche Schamanen spannen einen besonderen Vorhang auf, wenn sie zur Zeit ihrer Zerlegung zu Hause liegen. Außerdem sind sie vorsichtig und enthalten sich der Speise. Sie erlauben auch den Leuten nicht, zwischen dem Platze, wo sie liegen, und dem Herdfeuer hindurchzugehen. Nur ein reiner Knabe darf ihnen Nahrung bringen. Nach der Überlieferung sonderten sich früher die Schamanen zur Zeit ihrer Zerlegung ab, bauten sich an einsamen, menschenarmen Orten ein besonderes Zelt (uras) und legten sich dort nieder.

Nach der Zerlegung des Körpers und seiner Verteilung werden, so erzählt man, alle Knochen von neuem an ihren Platz gelegt, Gelenk wird an Gelenk gefügt. Dann, so sagt man, erwacht der Schamane, als ob er geschlafen hätte. Die ganze Zerlegung und Aufteilung seines Körpers beobachtet der Schamane gleichsam mit eigenen Augen.

www.kondor.de/mythes/gavriil.html

Nikifor Danilov, 6. Januar 1925

Die Geister tragen die Seele eines Menschen, der Schamane werden muß, in die unterirdische Welt. Dort, sagt man, steht ein besonderes Haus, wo diese entführten Seelen eingeschlossen werden. Die Seele eines guten Schamanen bleibt über drei Jahre in dieser Gefangenschaft, die eines schlechten ein Jahr. In dieser Zeit verliert der Mensch selbst den Verstand und singt ohne Bewußtsein so lange vor sich hin, wie die Gefangenschaft seiner Seele dauert. Im Traume ist er in dem genannten Hause.

Diese bösen Geister (abaasylar) sind auch die Quellen der Erzeugung von Schamanen. Das beschriebene Haus gehört ihnen. Dort erziehen und lehren sie die entführte Seele des Menschen. Nach Verlauf einer bestimmten Frist, die je nach der Eigenschaft des Schamanen bemessen ist, müssen sie ihn zerschneiden und in Stücke hauen.

Die Zerschneidung des Körpers geht so vor sich: Zuerst schneiden sie den Kopf herunter und legen ihn auf das obere Wandbrett seiner Jurte. Man sagt, dieser Kopf sieht mit seinen Augen an, wie sein Körper zerhauen wird. Der ganze Körper des Schamanen wird in kleine Stückchen zerhauen und unter alle dreimal neun üör´s (Seelen gewöhnlicher Menschen, die Krankheiten verursachen) verteilt. Der Körper des besten Schamanen muß für alle bösen Geister ausreichen. Dann wird dieser Schamane alle Wege wissen, die Pfade alle Geister, die Krankheiten verursachen, und wird bei allen Erkrankungen nützlich wirken. Wenn aber sein Körper bei der Teilung nicht ausreicht und Geister ohne Anteil übrig bleiben, dann wird er diejenigen Krankheiten nicht heilen können, die von diesen üör´s verursacht werden.

Während der Zerschneidung seines Körpers liegt der zukünftige Schamane schwerkrank zuhause und kann nicht leben und nicht sterben. Man erzählt, wenn die Geister das Fleisch zerschnitten und verteilt haben, dann bekleiden sie die Knochen mit neuem Fleisch und setzen den alten Kopf an seine Stelle.

Nach den Worten des Erzählers von Semen Danilov in jakutischer Sprache aufgeschrieben.

www.kondor.de/mythes/nikifor.html

Osip Rykunov, Insel Tojon-Aryy, Dschobulga, 17. Januar 1925

Der werdende Schamane kränkelt anfangs lange Zeit. Er wird von Anfällen krampfhaften Singens erfaßt. Die Geister singen, die in ihn eingehen. Die Krankheit dauert verschieden lange, zuweilen bis fünf oder sechs Jahre. Die Geister seiner Vorfahren, längst verstorbener Schamanen, steigen herab. Der Geist eines verstorbenen Schamanen, der keine Blutsverwandten hat, wird ein Irrgeist. Manchmal findet solch ein Geist einen unglücklichen Menschen, wenn dieser gerade Lieder singt.

Wenn blutsverwandte Nachkommen da sind, dann steigt der Schamanengeist vorzugsweise auf die Nachkommen in der weiblichen Abstiegslinie (siän uruu) herab. Von den berühmten Schamanen der alten Zeit stieg, soweit bekannt ist, nur einer, der Schamane Küstäch, nicht auf seine Tochterfamilie nieder.

Bei manchen Berufenen gehen fast alle näheren Verwandten zugrunde. Der Geist des Schamanenvorfahren tötet, vernichtet, frißt sie dafür, daß sein Nachkomme seinen Anrufen sich wiedersetzt.

Bei einem großen Schamanen muß für jeden Knochen seines Körpers je ein Mensch aus der Reihe seiner Blutsverwandten als Lösegeld sterben: für die acht Röhrenknochen - acht Menschen, für den Schädel - ein Mensch. So sterben für die neun Hauptknochen neun Menschen.

Die Bestimmung, daß ein Schamane, der nach der richtigen Ordnung zerschnitten wird, nicht ohne ein menschliches Lösegeld ins Leben zurückkehrt, hat seit alter Zeit in unserer Sprache in einer Redensart Niederschlag gefunden. So sagt man nämlich von einem Schamanen: "Das ist ein großer, ein schrecklicher Mensch, dessen Namen man im geweihten Monat nicht unnütz aussprechen darf."

Mit einem solchen Schamanen darf man nicht streiten. Auch soll man ihm nicht widersprechen. Alles, was er bittet, muß man ihm geben, und alle seine Aufträge ausführen. Sonst kann er jedes Unglück hervorrufen.

Ein großer Schamane mußte sich in dem, was die Jakuten "die alte Zeit" nennen, zwangsläufig der Zerschneidung seines Körpers unterziehen. Während der Zerlegung seines Körpers mußte der Schamane außerhalb seiner Behausung im Freien liegen. Er hatte frisch geschälte Birkenrinde unter sich gebreitet. Nur einen Menschen wählt er aus seinen Verwandten aus, der ihm während der Krankheit aufwarten muß - einen reinen Knaben oder ein reines Mädchen, das noch nichts von einem Manne weiß.

Volle vier oder fünf Tage lang liegt der Schamane ohne Gefühl da; aus seinem Munde tritt reichlich weißer Schaum; aus allen Gelenken rieselt Blut. Sein ganzer Körper ist mit blauen, blutunterlaufenen Stellen bedeckt. Man sagt, er habe die Sprache verloren. Er liegt halb tot da und atmet kaum.

Man erzählt sich, daß in der unteren Welt das Fleisch des Schamanen von seinen Knochen getrennt und seine Teile auf den verschiedenen Wegen verteilt werden. Je ein Stückchen kommt auf die Abzweigung eines jeden Weges.

www.kondor.de/mythes/rykunov.html

Spiridon Samsonov, Marchin´scher Ulus, 6. März 1925

Wenn jemand Schamane werden soll, so muß er sich der Zerschneidung unterwerfen. Er weiß vorher, wann dies geschehen muß, und legt sich auf frisch-geschälte Birkenrinde oder auf die Rinde eines anderen Baumes.

Bei der Zerstückelung stirbt der Körper des Schamanen für einen Tag und ersteht wieder auf.

Zuerst sollen sie einen Kopf abschneiden und ihn in den Zwischenraum zwischen Decke und dem Hauptbalken der Jurte legen. Dann zerhauen sie den ganzen Körper in kleine Stückchen und verteilen diese unter alle bösen Geister. Wenn bei der Teilung irgendwelche bösen Geister keinen Anteil erhalten, dann werden die Beschwörungen des Schamanen gegen diese übergangenen Geister kraftlos sein, wenn diese den Leuten Krankheiten verursachen. Er kann nur solche Krankheiten heilen, die von Geistern stammen, welche Teile seines Körpers gegessen haben.

Wenn sie seinen Körper auseinandergenommen haben, legen sie die Knochen einen zum anderen aufs neue zusammen, fügen neues Fleisch zu ihnen und beleben den Schamanen wieder. Die Leute und das Vieh, von denen die Geister Fleisch für die Bildung des neuen Schamanenkörpers nahmen, müssen sterben.

Man sagt, daß das Lager und die Bettdecke des Schamanen mit dickem Blut bedeckt sind. Die ganze Kleidung, die der Schamane während der Zerschneidung trug, muß er selbst verbrennen.

Beim Werden eines großen Schamanen muß seine ganze Sippe aussterben; denn das Leben des Schamanen wird von seinen Verwandten losgekauft. Außerdem dienen die Körper seiner Verwandten zur Bildung eines neuen Schamanenleibes. Weiter erzählt man, daß die Geister aus den Leichen der Menschen im "Fluß des Todes und Verderbens" ein Wehr bauen. Sie legen dieses quer durch den Fluß und verwenden die Leichen als Pfähle.

Bedeutende Schamanen müssen die Zerlegung dreimal durchmachen, kleine nur einmal. Derjenige Schamane, der dreimal zerschnitten wird, geht beim letzten Mal in den Wald und unterwirft sich dort diesen Leiden. Er sagt dann zu seinen Angehörigen: "Baut mir eine Hütte im Wald und bringt mich dort hin". So war es nötig für die Erfüllung des ihm bestimmten Rituals.

www.kondor.de/mythes/samson.html
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09 Nov 2013 23:30 #13559 von Mountain Dreamer
Tiere in schamanischen Mythen

Die Tiermutter in der Zerlegung
Alexandr Lukin. 11. Februar 1925

Die Schamanen werden weit im Norden an der Wurzel der schrecklichen Krankheiten geboren. Dort steht eine Lärche, auf deren Zweige viele Nester in verschiedener Höhe liegen. Die größten Schamanen werden im Wipfel des großen Baumes aufgezogen, die mittleren auf halber Höhe, die kleinen Schamanen auf den unteren Zweigen.

Man erzählt, zuerst fliege ein großer Vogel, einem Adler ähnlich, mit eisernen Federn, zu diesem Baum, setze sich auf ihn und lege ein Ei. Dann brüte dieser Vogel das Ei aus. Wenn ein sehr großer Schamane ausschlüpfen soll, brütet er drei Jahre, wenn ein kleiner, ein Jahr.

Dieser Vogel heißt "Tiermutter" und zeigt sich im ganzen dreimal. Das erste Mal, wenn sie den Schamanen gebiert, das zweite Mal, wenn sein Werdegang durch die Zerlegung seines Körpers beendet wird, zum dritten Mal, wenn der Schamane im Sterben liegt.

Wenn der Schamane (seine Seele) aus dem Ei kriecht, dann übergibt ihn dieser Vogel zur Erziehung einer Geister-Schamanin mit Namen Bürgästej-Udagan, die ein Bein, eine Hand, ein Auge besitzt. Diese Schamanin bettet den Schamanen in eine eiserne Wiege um, schaukelt ihn und zieht ihn auf mit eingedickten Stücken geronnenen Blutes.

Wenn die Aufzucht in der Wiege beendet ist, wird der künftige Schamane drei schwarzen dürren Geistern übergeben, die sein Fleisch in Stücke hauen. Den Kopf des Schamanen stecken sie fürs erste auf die Spitze einer Stange. Dann streuen sie das zerhauene Fleisch wie ein Opfer nach allen Seiten aus. Drei andere Geister werfen dabei den Kinnbacken des Schamanen als Orakel für die Ursprünge aller Nöte und Krankheiten. Wenn der Orakelknochen in die normale Lage fällt, dann heißt das, von dieser Krankheit kann der Schamane die Menschen erretten. Manchmal soll es vorkommen, daß das Fleisch des Schamanen nicht für alle Leiden und Krankheiten hinreicht. Dann soll ihm zugestanden sein, aus Anlaß derjenigen Krankheiten, die nicht mit Stückchen seines Fleisches bedacht werden konnten, lediglich einmal zu schamanisieren.

Wenn bei einem Schamanen bei der Zerlegung seines Körpers ein Mangel unter seinen Knochen zutagetritt, dann müssen je nach der Anzahl der fehlenden Knochen einige seiner Verwandten sterben. Manchmal sterben bis zu neun Menschen.

Bei uns lebte ein Mann, Bologur Michail. Auch er wurde von den Geistern für den schamanischen Dienst berufen. Er sagte, bei ihm hätten fünf Knochen gefehlt, weshalb fünf Menschen hätten sterben müssen. Aber er weigerte sich, die Berufung anzunehmen, da er nicht eine solche Zahl Menschen opfern wollte.

Er selbst erblindete darauf. Einst, als er schon blind war, fällte er im Walde eine ausgehöhlte Lärche. Und da fiel irgendwoher in den hohlen Baumstumpf ein Schamanenvogel, eine Vogelgestalt aus Eisen, wie sie an dem Schamanengewand befestigt wird, und rief dreimal "Kuckuck". Michail ergriff den Vogel und bog ihm Beine und Flügel mit dem Rücken der Axt um. Dann warf er ihn in den hohlen Baumstumpf. "Deshalb", sagte er, "verstümmelten mir die Geister Arme und Beine."

www.kondor.de/mythes/lukin.html

Der Elch als Tiermutter
Stepan Michailov, 4. März 1925

Ehe ein Schamane in Erscheinung tritt, wird die Seele des Menschen, der für dieses Amt bestimmt ist, von bösen Geistern ergriffen und von ihnen so lange erzogen, bis sie sich die Eigenschaften eines bösen Geistes angeeignet hat. Während dieser Zeit ist der Mensch, dessen Seele bei den Geistern aufgezogen wird, die ganze Zeit über krank. (So ist die Krankheit des künftigen Schamanen ein Zeichen dafür, daß seine Seele bei den bösen Geistern in der Lehre ist. G.K.) Erst wenn er von dieser Krankheit gesundet ist, kann er sein Wirken beginnen. Man sagt, daß die Seele des Schamanen in einem Fall in einen Vogel verwandelt wird, im anderen Fall in ein Stück Vieh, im dritten in einen Menschen.

Man erzählt, daß es einen Baum mit vielen Wipfeln gibt. Die Schamanen aus der ganzen Welt werden alle an diesem einen Baume aufgezogen. Je größer der Schamane nach Bedeutung und Kraft ist, um so höher liegt seine Seele auf dem Baum. Das heißt, die Seele liegt dort in verschiedener Höhe. Die Schamanen selbst sagen gewöhnlich, daß als Erzieher ein Rabe erscheint, der auf den Zweigen dieses Baumes sitzt und die Seele groß zieht.

Die Tiermutter eines großen Schamanen hat das Aussehen eines großen Elches, die eines kleinen das eines Rentieres. Sie kommt, wenn der Schamane im Sterben liegt, und trägt seinen Halswirbel in den Zähnen davon.

Man sagt, der Schamane habe besondere Sehkraft, er könne nach allen Seiten sehen. Die Sehkraft, das "Feuer der Augen", wirkt bei einem großen Schamanen auf eine größere Entfernung als bei einem kleinen.

www.kondor.de/mythes/stepan.html

Ytschims Kampf mit Bölüökä-Uola
Jevdokim Vasiljev, 19. Februar 1925.

In alter Zeit wurden in der Gegend mit dem Namen Üöttääch in unserem Bappagaj´schen Nasleg, wie die Legende erzählt, zwei Schamanenbrüder geboren. Einer hieß Ytschym, der andere mit seinem orthodoxen Taufnamen Basylaj. Einst stahl Ytschym einem Schamanen vom mittleren Viljui mit Namen Bölüökä-Uola den Vorrat an getrocknetem Fisch und aß alles auf. Dies war der Anlaß für die Feindschaft zwischen ihnen.

Eines Abends sagte Ytschim, als er sich auskleidete, um zu Bett zu gehen, zu seinem Hausgenossen: "Ja, es spricht alles dafür, daß die Stunde gekommen ist, wo mein Feind Nölüökä-Uola mit mir ein Ende machen, mich 'fressen' wird. Leute, die ihr unter meiner Sonne geht, wenn ich mit ihm kämpfen werde, kommt mir zu Hilfe, einer mit einem Eisbrecher, einer mit dem Spieß! Nur haltet euch immer hinter mir und geht in keinem Falle vor!"

So sagte er, zog sich aus und legte sich hin. Aber bald schon wälzte er sich auf dem Boden und begann unter Stiergebrüll mit den Händen die Erde aufzuwühlen, wie das der Stier tut, ehe er mit seinem Gegner in den Kampf tritt. In diesem Augenblick wuchs mitten aus seiner Stirn ein Horn. Er wühlte weiter mit den Hörnern die Erde auf, grub ein Loch unter der Türschwelle und ging durch diese Öffnung auf den Hof hinaus. Die Hausbewohner beobachteten ihn und sahen, wie er allein, sichtlich zum Stier werdend, unter schwerem Gestöhn sich mit einem unsichtbaren Gegner stieß. Die Leute, erschreckt über diesen Vorgang, versteckten sich alle.

Schließlich brach er den Kampf ab, kam in die Jurte und klagte mit den Worten: "Wie konntet ihr es vor euren Augen dulden, daß mich dieser Teufelssohn niederstieß?" Nach einiger Zeit sah man, daß die ganze untere Partie seines Halses ringsum geschwollen war. Davon starb der Schamane kurz darauf.

Zwei oder drei Jahre vergingen nach dem Tode des Schamanen. Irgendwann einmal fand am See Aryylaach ein Fischfang statt. Man machte sich mit Sacknetzen ans Fischen. Unter dem versammelten Volk war auch der ältere Bruder des verstorbenen Schamanen, Basylaj.

Plötzlich sieht das Volk, wie sich ein Wind erhebt. Wirbelnd erhob sich der Schnee wie eine Säule zum Himmel. Basylaj blickte auf diesen Wind und sagte: "Bei der Spitze meiner Hörner, bei der Schneide meiner Waffen, kommt da nicht mein Hündchen Ünügäs und hat den Schädelknochen des Bölüökä-Uola im Maul? Das bedeutet: wir sind nicht hier geblieben, um herumzusitzen und uns zu ärgern wie ein Fischer vor dem See ohne Fangnetz und lange Stange!" (Eine Redewendung, um das Gefühl kraftlosen Zornes auszudrücken. G.K.)

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Die schamanische Selbstschußfalle
Pavlov Platon - Börtö

Jeder Schamane muß eine Tiermutter oder Ursprungstier haben. Es wird meist in Gestalt eines Elches, seltener eines Bären vorgestellt. Dieses Tier geht ganz für sich, getrennt vom Schamanen. Man muß es wohl am besten auffassen als die Feuerkraft des schamanischen Schauens, die über die Erde hineilt. (Es ist die Verkörperung der prophetischen Gabe des Schamanen, seine Schaukraft, die in Vergangenes und Zukünftiges dringt. G.K.). Diese Tiermutter kommt im Augenblick des Todes des Schamanen.

Man erzählt, daß jeder Schamane seine Armbrust habe, die er als Selbstschußfalle gegen andere Schamanen aufstellt. Bei dieser Armbrust soll die Frau des Schamanen als Abzugshahn dienen. (Wahrscheinlich ist die Rede von der Seele der Frau und von der Abhängigkeit ihres Lebens von diesem mythischen Bogen. G.K.) Die Kinder des Schamanen aber dienen der Selbstschußanlage als Pflöcke, an denen das ausgespannte Stellschnürchen befestigt wird. Der Elchgeist Wenn der Pfeil des Bogens daneben geht und den in Gestalt seiner Tiermutter vorbeigehende feindlichen Schamanen, dessen Fuß das Stellschnürchen gestreift hat, nicht trifft, dann müssen Frau und Kinder des Schamanen, dem die Armbrust gehört, sterben. Der Geist eines Schamanen, der größer an Wuchs und Bedeutung ist als der Besitzer der Selbstschußfalle, steigt achtlos über die Schnur hinweg; ein kleinerer Schamane aber geht unter ihr hindurch, ohne daran zu streifen (Nach den jakutischen Anschauungen jagen einander nicht die physischen Schamanen, sondern ihre Geister. In alter Zeit wurden diese jagenden Geister wahrscheinlich in Gestalt ihrer Tiermütter vorgestellt. Heute aber haben sich diese Auffassungen nur in einsamen Gegenden, deren Bevölkerung nicht nur jetzt, sondern auch in alter Zeit fern von kulturellen Zentren lebte, erhalten. Das Resultat dieses Kampfes, der ohne Wissen der Schamanen selbst geführt wird, wirkt sich auf ihr äußeres Befinden aus. Wenn eine Tiermutter tödlich verwundet ist, dann kann auch der Schamane nicht mehr länger leben. G.K.)

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Schamanische Märchen www.wer-kennt-wen.de/forum/showThread/hqmf56msmnlz

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