Offizielle Anerkennung neuheidnischer Glaubensgemeinschaften als Religion

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06 Nov 2010 22:09 #9561 von admin

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06 Nov 2010 22:11 #9562 von Ishtar
Ich würde das gerne mal wirklich zur Diskussion stellen.

Was für eine Anerkennung wollen "wir"? (Wenn wir sie denn wirklich wollen).
Brauchen "wir" wirklich eine Anerkennung als körperschaft öffentlichen Rechts? Oder wie genau soll die "Anerkennung" aussehen? Was genau stellt ihr euch darunter vor? Bitte so konkret wie möglich!

(ich muss jetzt leider erst mal schlafen gehen und schreibe meine Vorstellungen morgen nach der Weiterbildung)

BB
Ishtar

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07 Nov 2010 11:57 #9565 von ArionCGN
Hi!
Also - ich für meinen Teil kann sagen, dass ich von Außen keine Anerkennung meiner Religion brauche. Ich genieße es einfach nur, mit Menschen, die mir sehr am Herzen liegen, religiöse Momente zu teilen. Das ist sowieso im kleinen, internen Kreis und so privat, dass es nach Außen hin sowieso niemanden etwas angeht!!
Ich frage mal andersherum:
Ist das Ersuchen um Anerkennung von Außen nicht ein Hinweis darauf, dass man selbst nicht so recht weiss, ob der Weg, den man eingeschlagen hat für einen selbst der Richtige ist??
Ist das dann nicht ein bisschen so, als würde man einen Großteil seiner Verantwortung abgeben?? Ich wollte das nicht.

BB
Arion

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07 Nov 2010 13:39 #9566 von Nivien
Hallo,

also, ich stehe der Anerkennung als "Körperschaft öffentlichen Rechts" eher mißtrauisch gegenüber. Da ich dieses System nicht so gut finde, denke ich auch nicht, daß "wir" daran teilhaben/teilnehmen sollen.

Eine tolerante Einstellung aller Menschen auch heidnischen Religionen gegenüber wäre mir wichtiger.

lg
Nivien

Jede gute Sache ist scharf. (Gurdijeff)

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08 Nov 2010 20:17 #9571 von Ialokin
Huhu :-)

> Was für eine Anerkennung wollen "wir"?

Für mich geht es nicht so sehr um Anerkennung, wie darum, daß Naturreligion ein bekannter, gleichberechtigter, fruchtbarer Teil des gesellschaftlichen Lebens sein könnte und - wie ich finde - sein sollte.

Was wir, aber eben nicht nur wir, sondern IMHO auch die Gesellschaft, in der wir leben, brauchen, ist das, was bei den Kirchen unter Gemeindearbeit, Bildung usw. läuft: Kulturzentren, Treffpunkte, Akademien, Bibliotheken, offentliche Feiern. Mitsprechen, wenn Religionsvertreter gefragt werden, Sitze in Ethikkommissionen, Seelsorger, die im örtlichen Infoblättchen zu finden sind, usw.

Ich glaube, daß die Gesellschaft von den Werten, für die unsere Religion(en) stehen, profitieren kann, wenn wir auch wahrnehmbar, also im öffentlichen Raum präsent sind.

Was das in unserem Fall erschwert, ist der anti-hierarchische Aufbau unserer Religion - ohne wenigstens einen "Landesoberpriester", Pressesprecher, eine "Vorsitzende der heidnischen Kirche in Mitteleuropa" oder ähnliche Ämter ist es für die Öfentlichkeit sehr schwer zu erkennen, wer legitim für eine Religionsgemeinschaft spricht oder wer eine eher alleinstehende Meinung vertritt. Dummerweise - d.h. eigentlich glücklicherweise - scheuen die meisten von uns die durch solche Positionen geschaffenen Hierarchien wie die Pest. ;-)

Wie man aus diesem Dilemma käme, habe ich im Moment auch keine Idee.

Ein Status als Körperschaft öffentlichen Rechts kann vielleicht ein Mittel dazu sein, vielleicht würde das Gebilde, das da entstünde, uns aber auch nicht mehr vertreten, weil es sich verselbständigt.

Wichtiger wäre mir jedenfalls die Infrastruktur wie oben beschrieben.

*wink*

Ialokin

Die Liebe zu schenken, den Zauber zu wecken, das Leben zu feiern - das ist unser Sinn.

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08 Nov 2010 23:30 #9574 von Andy
Ialokin:


Das setzt allerdings eine Gewisse Homogenität und ein Struktur voraus - "Naturreligion" ist in dem Sinne so präzise wie der Versuch mit einer Cluster Bombe einen gezielten Angriff ziu fliegen oder der Begriff "asiatisches Essen"... ICh würde mich beispielsweise nicht als "naturreligiös" bezeichnen. Es bedarf schon einer genauen Definition.

Zitat: "Was wir, aber eben nicht nur wir, sondern IMHO auch die Gesellschaft, in der wir leben, brauchen, ist das, was bei den Kirchen unter Gemeindearbeit, Bildung usw. läuft: Kulturzentren, Treffpunkte, Akademien, Bibliotheken, offentliche Feiern. Mitsprechen, wenn Religionsvertreter gefragt werden, Sitze in Ethikkommissionen, Seelsorger, die im örtlichen Infoblättchen zu finden sind, usw."
Das kenne ich genauso aus England - neben Celtoi gehöre ich auch einer goddess-orientierten Rrichtung in Glastonbury an. Es gibt einen öffentlichen täglich geöffneten Tempel, auch mit seelsorgerischem Angebot - es ist immer jemand anwesend der hilft, ein Gemeindezentrum gibt es, eine "Akademie" und jede Feier ist grundsätzlich öffentlich. .Zudem bekennen sich die Mitglieder auch öffentlich zu ihrem Glauben. Auch die Medien sind des öfteren vertreten um Berichte und Reportagen für TV und Rundfunk zu erstellen - zumeist auch recht positiv. Genau das ist auch der Punkt - es gibt keine Geheimniskrämerei, so gut wie alles ist öffentlich und ganz unverkrampft. Aber wie gesagt, es ist nur diese eine Richtung, eine von vielen, für die das gilt.
Es gibt keine Gemeinsamkeiten mit anderen Richtungen - ich habe nix mit isländischem Ásatrú am Hut, mit Schamanismus verbindet mich so viel wie mit dem Islam, Wicca soviel wie ein Eskimo mit Kamelen... das darf man dabei nicht vergessen.

Ansonsten wird man immer so behandelt, wie man andere behandelt. Respekt ist dabei ganz wichtig! Und sich und seinen Glauben zu verstecken oder gar zu leugnen - egal mit welchen Konsequenzen und vor wem, daß ist für mich oberstes Gebot. Egal ob es um einen freien Tag wegen eines Festes bei meinem Chef geht, oder Freunden gegenüber.
Den nur so werden Leute aufmerksam und blicken mit den Augen auch mal in andere Richtungen. Und wenn nicht nur mediengeile und total durchgeknallte Idioten wie "Ich bin oberster Gode" Geza Gänseklein oder *würg* Thea mit Dauerpräsenz nerven, sondern Leute wie du und ich, dann klappt es auch mit dem Respekt.

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09 Nov 2010 20:12 #9575 von Ialokin
Hallo Andy :-)

Ja, die Heterogenität ist ein weiteres Problem bei der öffentlichen Präsenz.

Die Frage ist, ob es Gemeinsamkeiten gibt, die die meisten von uns verbinden. Während ich eher dazu neige, Gemeinsamkeiten zu suchen und, manchmal mit einiger Mühe ;-), auch zu finden, haben viele das explizite Bedürfnis, sich abzugrenzen.

Wer sich unter einem gemeinsamen Dach nicht wiederfindet, kann davon auch nicht vertreten werden - und dann sind wir wieder bei soviel kleinen Gruppen, daß ein Außenstehender keinen Durchblick haben kann.

Ich finde es ja toll, daß es Deiner glastonburyer (*uuuhhh dieser Genitiv fällt mir schwer*) Gemeinschaft gelungen ist, so eine Infrastruktur aufzubauen! Klingt super.

Herzliche Grüße von
Ialokin

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11 Nov 2010 08:59 #9576 von Ishtar
Hallo

Persönlich stehe ich der körperschaft öffentlichen Rechts sehr skeptisch gegenüber (vor allem wenn ich sehe, das mehrere christliche Sekten darin wiederzufinden sind). Ich würde ja eher die Meinung vertreten, Deutschland sollte sich insgesamt ein anderes "Kirchenrecht" erarbeiten und die Privilegien bzw. die körperschaft öffentlichen Rechts abschaffen.

Ialokin, du sprichst mir aus dem Herzen, bzw. hast meine Gedanken von "Was" auf den Punkt gebracht. Danke! Genauso sehe ich das auch! Und das ist die Anerkennung die ich mir wünsche. In manchen Berufen ist es zuträgtlich wenn du dich zum Christentum offen bekennst. Beim Neuheidentum ist das schwierig.
Andy das was du aus Glastonbury beschreibst würde ich mir wünschen. Kannst du etwas mehr zu den Ritualen sagen, wie diese ablaufen?

Ein Stückweit Hierarchie wird dabei geschaffen werden müssen.
Für mich wäre aber weniger die Hierarchie wichtig, als auch eine damit einhergehende Qualität.

Ich kann Erfahrungen aus der ADF mitbringen. Da kommen dann von den Mitgliedern tatsächlich solche Fragen wie: Was sagt denn unsere Priesterschaft zu Thema XY. Andererseits gibt es feste Richtlinien wie die Ausbildung der Priesterschaft auszusehen hat und diese geht länger.
Auch dort sind die Rituale öffentlich. Was mir auffällt, ist das sie eine maximale Transparenz pflegen. Man kann sogar die Kriterien nachlesen, nach denen Texte, die von Gläubigen, die ihren Weg vertiefen wollen eingereicht werden beurteilt werden. Es ist auch offen einsehbar wer alles die Ausbildung dort durchlaufen hat, was sie durchlaufen haben. Teilweise finden sich videos im Netz. Die ADF legt auch sehr viel Wert auf Wissenschaft. Einzig was mir noch fehlt dort ist eine kleine Basis an Therapeutischer Ausbildung.

Für mich gibt es Gemeinsamkeiten . Ich berufe mich dabei auch auf Gus di Zerega und Michael York hat auch ein gutes Buch über Heidentum als Weltreligion geschrieben.

Ich versuche mal zusammen zu fassen, was ihr bereits geschrieben habt und füge noch eigenen Gedanken hinzu:

Was für eine Anerkennung
  1. Naturreligion ein bekannter, gleichberechtigter, fruchtbarer Teil des gesellschaftlichen Lebens
  2. Mitsprechen, wenn Religionsvertreter gefragt werden, Sitze in Ethikkommissionen,

Wie könnte man das erreichen
  1. Kulturzentren, Treffpunkte
  2. ,
  3. Akademien, Bibliotheken,
  4. offentliche Feiern
  5. Seelsorger, die im örtlichen Infoblättchen zu finden sind
  6. ,
  7. Äußere Priesterschaft
  8. ,
  9. Ausbildung der Priesterschaft
  10. ,
  11. maximale Transparenz,
  12. Teilhierarchie

Das mit der Hierarchie sehe ich auch als Problem. Ganz ohne Vorstand o.Ä. wird es nicht gehen. Und ich mag dieses politische nicht was mitspielt. :huh: Ich befürchte es könnte dann Macht- und Profilierungskämpfe geben und so und die Konzentration auf das eigentliche könnte verloren gehen.

Ein Problem sehe ich auch in der Qualität unserer Priesterschaft, bzw. meiner Meinung laufen zu viele PriesterInnen rum und zu wegen Indianer ;)
Und leider hinkt es an der Qualität. Ich denke es geht nicht darum Leuten abzuerkennen, dass sie einen gewissen spirituellen Weg gegangen sind, mit den Göttern kommunizieren können (können alle, übrigens auch die Gläubigen Evangelen - und Trotzdem haben die einen Pastor) und Rituale im kleinen Rahmen leiten können. Aber irgendwo fehlt mir einfach die Qualität.
Ein christlicher Priester hat Jahrelang studiert, kann mindestens eine "Alte" Sprache, hat etwas von Organisationsstrukturen gelernt und ein bisschen wie Menschen ticken. (jaja, bei den Sekten nicht, aber wir sollten uns IMHO in diesem Fall mit den "Besten" messen wollen!)
Ohne jetzt jemanden zu sehr auf die Füße zu treten, 1° o. Ä. ist häufig inhaltlich nicht mehr als Katechetenunterricht.
Wer von denjenigen die sich PriesterIn nennt hat eine ausbildung in Gesprächsführung? Der Psychologische Berater nach HPG wäre für mich persönlich das Minimum, oder z.B. Basis 1 in Systemischer Therapie.

BB
Ishtar

PS: Mich stört, dass in der großen Bücherei, die eine sehr großzügige Esoabteilung hat unter Religion keine Neuheidnischen Bücher zu finden sind. Dabei meine ich natürlich keine Bücher die sich mit dem Hexenhandwerk befassen. Habe schon mit dem Gedanken gespielt, mich mit der zuständigen Person einmal zu unterhalten und vielleicht ein paar Bücher vorzustellen.

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12 Nov 2010 09:49 #9586 von Ialokin
Hallo Ishtar :-)

Stimme Dir zu, eine nachvollziehbar qualifizierte Priesterschaft wäre auch hilfreich.

*wink*
Ialo

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12 Nov 2010 15:20 #9590 von ArionCGN
OK..... und wer setzt die Maßstäbe, wer nun qualifiziert ist und wer nicht??
Dürfen es dann nur die Leute mit Abitur sein, die das Recht haben, "Priester" zu werden??? Oder die Leute, die für bestimmte Kurse viel Geld bezahlen???
Messen wir Qualifikation nur in bestandenen Abschlüssen oder auch nach dem, was jeder Priester wirklich kann?? Ich meine, nicht jeder christliche Priester ist trotz absolviertem Studium ein guter Priester!!!!
Wenn jetzt wieder nur ein bestimmter Anteil an Gläubigen Priester "sein darf", dann werden wir ganz schnell wieder dahin kommen, dass die Leute ihre Selbstverantwortung abgeben..... wenn ein Priester etwas gesagt hat, muss er es ja wissen, denn schließlich ist er ja wesentlich höher und besser qualifiziert, als man selber... man braucht dann nicht genauer darüber nachzudenken.... umso schlimmer ist es dann, wenn der Priester mal daneben gelegen hat oder auch mehr als "mal".... da nutzt auch die beste therapeutische Ausbildung nichts - es gibt ja nicht nur gute Therapeuten!!!

Ich bemerke, dass wir innerhalb unserer jetzigen Systeme schon gegen das Stigma der Infabilität ankämpfen müssen. Trainees oder Anwärter stellen einen als Hohepriester auf ein Podest und alles, was man macht, ist toll. Irgendwann kommt dann der Punkt, dass die Trainees zu Initianten werden und ab dann irgendwann erkennen, dass ihre Hohepriester auch nur Menschen sind mit Stärken und Schwächen. Jetzt stelle man sich vor - die "Ansprüche" einiger weniger eher intellektuell orientierter Menschen werden über die der praktisch Orientierten gestellt und die Nicht-Initiierten, die Nicht-Priester und Anwärter gucken von einer noch viel tieferen Warte zu einem empor..... wie groß ist die Enttäuschung erst dann!!!!

Was sich erstmal mit großen Worten wie Qualifikation großartig anhört, ist m.E. eine Stolperfalle, bei der sich das Heidentum mehr schaden als nutzen wird.

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