"Heidnische" Beerdigung

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06 Feb 2010 19:10 - 06 Feb 2010 19:11 #8956 von Morgenstern*
Hallo zusammen,

wie ihr vielleicht schon in meinen Texten gelesen habt, arbeite ich als Trauerbegleiterin ehrenamtlich in einem Bestattungsunternehmen.

Nun wurde ich gefragt ob ich mir auch einen Job als Trauerrednerin für heidnische Beerdigungen zutrauen würde.

Ich würde schon... nur leider ist es schwer sich in diesem Bereich fortzubilden.
In den Seminaren der Trauerreder/Seesorger geht es vom Grundsatz hauptsächlich um christliche Bestattungen.
Ab und zu gibt es was über anderere anerkannte Konfessionen wie z.B Judentum,Baptisten oder Moslems.
Aber die haben eh ihre eigenen Trauerredner aus der jeweiligen Religiösen Gemeinschaft.
Ganz atheistisch ist auch nicht das richtige.

Also bin ich selbst am Informationen zusammen suchen ...

Welche alten Bräuche gibt es hierzulande um die Beerdigung?

Wie würdet ihr als Heiden/Naturgläubige gerne bestattet werde?

ich freu mich über jeden Idee und Anregung die ich bekommen kann.

lieben Gruß
Morgenstern*

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Letzte Änderung: 06 Feb 2010 19:11 von Morgenstern*.

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07 Feb 2010 01:23 #8960 von Godwin
Vor langer Zeit gedachten viele mehr mit Respekt, wenn ein Mensch erstmals das Licht dieser Welt erblickt, dann stirbt im selben Augenblick irgendwo ein anderer. Ein Mensch stirbt und zur selben Zeit wird ein gesundes Kind geboren. So sei letztendlich beides Grund zur Hinwendung, zum feiern. Ein sogenanntes Brandgrubengrab in einem kleineren Rundhügel kann an eine vielbedeutende Rose erinnern. Ein Hagebuttengewächs wäre z.B. auch eine, nach älterem Verständnis. So einen Rundhügel kann man mit als Tag- und Nachtrose sehen, sogar als Sonnen- und Mondrose. Vorüber ziehen wechselnd Jahre, Wetter, Mond und Sonne. Darüber funkelt der Sternenhimmel. Dort himmelwärts, nicht in irgendeinem anderen Reich, könnte ich mir vorstellen, dereinst zu weilen. Mir würde es lieblich erscheinen, so auch im weiteren Kreis mit meinen lieben Hinterbliebenen verbunden zu bleiben, wieder zu werden. Nachfolgend bildlich dargestellte Ansichten von Hügelgräberfelder scheinen mir ganzheitlich auch in seitlicher Form wie Rosen angelegt worden zu sein.
www.landschaftsmuseum.de/seiten/Lexikon/Naturpfad/Pfarrh.htm

daten2.verwaltungsportal.de/dateien/seit...stadt_falkenberg.pdf (Seite 6) mfg

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Weilet, lahret, tanzet und habet Wohl
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07 Feb 2010 08:46 #8962 von Morgenstern*
Hallo Godwin

danke für diese Interessante Beschreibung.
Ja, die Gestalltung des Bestattungsplatzes hat auch eine besondere Bedeutung.

Leider in in D. so ziemlich alles reglementiert. Wir haben ja den Friedhofszwang.
Aber auch in diesem Rahmen müsste es Lösungen geben, die einem gefallen könnten.

Im Heidnischen Bereich nimmt die Bestattung in einem Friedwald immer mehr zu.
Wobei ich auch nichts gegen einen schönen normalen Friedhof hätte, wenn meine Angehörigen das brauchen.
Allerdings bitte ohne Kreuz und Engelchen auf meinem Platz.
So ein kleiner Steinkreis wäre schon was schönes...


Zu dem Werden und Vergehen habe ich wundervolle Erfahrungen gemacht.
Als mein Opa Väterllicherseits und die Mutter meiner Mutter starben, war ich beide Male schwanger.
In diesem Zustand nimmt man den Welchsel des Lebens ganz bewusst war.

lieben Gruß
Morgenstern*

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07 Feb 2010 16:47 #8966 von Godwin
Reglementierungen für Friedhof- oder auch Friedwaldzwänge können auch in Deutschland umgangen werden.
weg4u.de/00_so-geht-das.htm mfg

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09 Feb 2010 09:30 #8971 von Morgenstern*
Hi, Godwin,

ja der Weg über die Niederlande ist inzwischen auch vielen Bestattunghäuser bekannt und wird - unter der Hand- auch angeboten.
Den meisten Angehörigen ist es allerdings zu difus und zu kompliziert.
Ich persönlich kenne nur eine, welche die Urne ihres Mannes zuhause stehen hat.

Es bedarf einfach mehr Aufklärung und mehr Nachfragen von Seiten der Angehörigen, damit diese Gesetzte irgendwann mal geändert werden können.

lieben Gruß
Morgenstern*

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09 Feb 2010 14:06 - 09 Feb 2010 16:27 #8974 von Godwin
Derlei Möglichkeiten werden in Deutschland baw. gesetzlich nicht erlaubt, bleiben offiziell illegal, ordnungswidrig, auch um weiterhin Macht ausüben und viel Geld verdienen zu können. Daher wird es vorraussichtlich weiterhin kompliziert bleiben. Das ist eine Schande. Mir ging es bei dem Hinweis, der Quellenangabe , mehr um die Freiheit zu alttraditionellen Bestattungen, als darum - eine Urne daheim aufzubewahren. Letzteren Wunsch würde ich aber ebenso unterstützen. mfg

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20 Aug 2010 18:16 #9307 von Ishtar
Ich finde die Regelung in Deutschland diesbezüglich auch ziemlich unmöglich. Glücklicherweise kommt zwar noch der Friedwald hinzu, aber sehr viel mehr Möglichkeiten gibt es nicht. Ich kenne aus der Schweiz eine Druidin, die die Urnen ihrer Eltern im Garten unter einem Apfelbaum hat. Aus Stahl hat sie zwei Kronen gefunden, eine mit Zacken und eine gebogen und diese über die Urnen darüber gestülpt, so dass man auf den ersten Blick gar nicht merkt, dass es Urnen sind. Sie meinte den Garten habe sie mit dem Erbe angelegt, also sei es nur fair. Den Apfelbaum finde ich auch toll wegen der Bedeutung.

BB
Ishtar

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22 Aug 2010 11:52 #9308 von Mairi
Hallo ihr Lieben,

Bis jetzt gefällt mir die Idee mit dem Friedwald noch am besten von allen legalen. Dass die Asche unter einen Baum verstreut werden kann, der im eigenen Garten steht ist natürlich viel schöner.

Imposant ist die (vermeintlich) nordische Feuerbestattung auf dem Schiff. Ich kenn das nur von Filmen und hab keinerlei Ahnung, ob das historisch belegt ist. Weiß da jemand was?

Ich denke für dich ist es wohl erstmal wichtig, wie die Trauerfeier überhaupt gestaltet werden könnte? Ich fände es schön, wenn in der Trauerfeier auf den Glauben des oder der Gestorbenen eingegangen wird. Dazu muss man dessen Ansicht aber erst einmal herausfinden, denn jeder ist da ja anderer Meinung. Aber z.B. wäre es schön, auf das Sommerland hinzuweisen, in das der Verstorbene sich jetzt begibt, außerdem auf etwaige Götter, die ihn begleiten. Dann auf die Varianten: 1. Verweilen im Sommerland, 2. Rückkehr durch Wiedergeburt, 3. Hilfe als außerkörperliches Wesen. Auch wichtig und schon erwähnt: der Tod ist ein Neubeginn. Auch der Übergang des Körpers in den Kreislauf des Lebens als Materie ist wichtig, mE. Dann gehört in die Trauerrede unbedingt die "Laufbahn", was hat der Verstorbene erlebt, mit wem? Was war ihm wichtig? Und schließlich auch für die Trauergemeinde: Wie können sie Kontakt aufnehmen, z.b. durch Gespräche mit dem Verstorbenen, Samhain-Feier usw. Das ist aber alles ein schmaler Grat, den man hier betritt, da wie gesagt die Ansichten im Heidentum sehr viel vielseitiger sind, als z.B. im Christentum. Schön fänd ich's auch, wenn die Gäste nicht dazu gezwungen werden zu trauern durch schwarze Kleidung usw....ich empfand das immer als furchtbar und wöllte das auch nicht auf meiner Beerdigung. Es ist doch schön, dass da einer von uns seinen Weg für dieses mal abgeschlossen hat und den nächsten Schritt wagt. Wenn wir in die Uni kommen, z.B., feiern wir doch auch. ;) Also von mir aus: alles schön bunt, jeder wie er Lust hat, viele Blumen, aber auch Symbole des Todes wie Knochen oder so fänd ich gut...kommt halt immer auf die Trauergemeinde an und die Verwalter des Friedhofs....

Hoffe, ich konnte Dir bisschen weiter helfen,
Liebe Grüße,
Meadhan-Latha

Thig crioch air an t-saoghal ach mairidh gaol agus ceòl.

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22 Aug 2010 15:57 - 22 Aug 2010 15:58 #9310 von Miakoda
man kann auch etwas was dem Verstorbenen wichtig war (z.B. Tagebuch, das eigene Buch der Schatten) verbrennen und es ihm so nachschicken, oder auch ein Loslaß Ritual zelebrieren, in dem man ein Band durchscheidet, und ihn so in die Anderwelt entlässt.

Lieben Gruß Miakoda
Letzte Änderung: 22 Aug 2010 15:58 von Miakoda.

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22 Aug 2010 16:50 #9311 von Andy
Andy antwortete auf "Heidnische" Beerdigung
@Meadhan

Schiffsbestattungen hat es gegeben - vielleicht nicht so wie in den Filmen, wo das brennende Langschiff auf das Meer hinaustreibt...
In Südnorwegen beispielsweise wurden prunkvolle Langschiffe samt unglaublich schönen Beigaben unter Grabhügeln gefunden - ein schönes Beispiele sind das Gogstadt-, Tune- und Oseberg-Schiff welche heute im Wikingerschiffsmuseum in Oslo besichtigt werden können. Die Schiffe wurden allerdings nicht verbrannt... was so dekorativ aussieht, stammt wohl aus einer Schilderung des Beowulf-Epos.

Ein weiteres Beispiel sind die umwerfenden Funde von Sutton Hoo in England. Hier wurde unter einem Grabhügel ein Langschiff gefunden zusammen mit reich verzierten Grabbeigaben - der gefundene Helm ist einzigartig...

Oft wurden dem oder der Toten auch untergebene mitgegeben - es wurden Diener, Mägde, Knechte usw. geopfert und mit ins Grab gegeben. Eine sehr ausgiebige Schilderung über die Bestattung eines reichen Rus entstammt der Feder Ibn Fadlans, eines arabischen Reisenden der Augenzeuge einer solchen Bestattung wurde.
Von Menschenopfern und anderen Beerdigungsriten berichten auch die Eddas - z.B. in der Prosa-Edda das Fragment rund um Sigurd, der mit Mägden und einigen Kindern die geopfert wurden beerdigt wurde...

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