Geburtsbericht - wo bleibt der Glaube in der Krise

Mehr
21 Mai 2011 20:51 #10545 von Ishtar
So, es folgt der Geburtsbericht:

Das Krankenhaus habe ich ausgesucht, weil sie dafür bekannt waren sich Mühe für eine möglichst natürliche Geburt zu geben. Ich hatte mich gegen eine Belegshebamme entschieden und nach längeren Überlegungen auch gegen eine Doula (böse Selbstüberschätzung :blush: )

Vorbereitung:
Vornehmlich mit Hypnose und Pfadarbeiten und eingehendes Studium darüber wie uns unser eigenes Hormonsystem bei der Geburt unterstützt. Die Pfadarbeiten beinhalteten "die sich öffnende Blume", Vorstellung von Weichheit, Umgang mit Schmerz durch die Speicherung des Gefühls "ins kalte Wasser steigen" (dabei habe ich mir den Holleteich vorgestellt).
Ein aus mesopotamien überliefertes Gedicht zur Befreiung der Glieder bei der Geburt auswendiggelernt und einen Segen überlegt. Zur Sicherheit bin ich zur PDA Infostunde gegangen - nur für den Fall der Fälle, dass etwas schief gehen würde, aber eigentlich war das für mich nur eine Notfalllösung.......

Mit dabei:
Laptop mit Trommelklängen, eine Sheila-Na-Gig Statue (selbst gemacht), eine selbst gemachte Geburtskerze mit Geburtsgöttinnenbild, ein gesegnetes Geburtstuch, meinen Ritualbeutel und eine Plastikrose (wusste nicht, ob ich eine echte mitnehmen durfte).

Um 3 Uhr morgens ging es mit einem hohen Blasensprung los.
um 4 waren wir im Krankenhaus.
Die Braunüle wehrte ich ab "ich will möglichst natürlich gebären", dann hing ich über der Toilettenschüssel (niemand hat mir gesagt, dass sich Übergeben dazu gehört) und als ich rauskam war mir immer noch so schlecht, dass ich nicht mehr wegen der Braunüle protestierte.
Die Wehen waren schwach, nichts was ein bischen "liegende acht-tanzen" nicht lösen konnte.
Um 16 Uhr wurde beschlossen, dass man mit Prostaglandin die Wehen verstärken würde. Dann ging es Wehentechnisch los......
Atemtechnik - wirkungslos. Chant (I'm under protection divine mother's grace...) ging gut in den "Pausen" wo ich mich sehr gut entspannen konnte und dank der gelernten Techniken viel Lob kriegte (wahrscheinlich loben die Hebammen aber generell viel ;) ). Während den Wehen war statt Atemtechnik "Lascia ch'io Ppanga" und "Moonlight" aus Cats singen angesagt (immerhin konnte ich so meinen Atem kontrollieren).
Nach mehreren Stunden mit immer stärkeren Wehen dann um 23 Uhr die Enttäuschung: Die Wehen waren nicht Muttermundwirksam gewesen :( .

Weitere Weheneinleitung mit Oxytocin wurde geplant. In meinem Kopf ging ab: "wir haben bald die 24h wach erreicht, die Schmerzgrenze sinkt somit zusätzlich und die Wehen unter dem künstlichen Oxytocin gelten als deutlich schmerzhafter" - also verlangte ich eine PDA. Wehenhemmer rein. Das PDA Team war sehr gut aufeinander eingespielt und ich habe mich sehr wohl gefühlt. Oxytocin rein. Als mir die Hebamme sagte, dass die PDA entfernt wird in der Austreibungsphase, hielt ich sie für verrückt, weil ich nicht wusste, woher ich die Kraft finden sollte. Ich nickte zwischendurch kurz weg, aber es war nicht sehr erholsam, da mein Körper am Arbeiten war. Aufgeweckt wurde ich ca. um 8 indem man mir Sauerstoff gab und Wehenhemmer zum zweiten. Die Frage wie es dem Kind ging wurde für ein paar Schrecksekunden nicht beantwortet. Danach wurde mir gesagt, seine Herztöne seien gefallen :ohmy: Leider war das Köpfchen immer noch wegdrückbar. Beim Versuch den Wehenhemmer wieder zu entfernen gab es kurz wieder Probleme. Ich sah den Arzt an und meinte "Jetzt kommt die Kaiserschnittberatung". Arzt nickte. Es war zu dem Zeitpunkt eine Erlösung. Ich wollte nur noch, dass es fertig war und mein Kleiner gesund draußen. "Scheiß auf natürlich Geburt!" Weil die PDA gesetzt war, ging es sehr unkompliziert, ich wies meinen Mann an, dass er den Kleinen auf den nackten Bauch legen musste. Er war es auch, der ihn als erster wickelte. Immerhin gab es keine Nachgeburt und ich schoss mich an dem Tag mit Schmerzmitteln ab. Wir waren beide so fertig, dass wir größtenteils nur schliefen (er häufig auf Papas Bauch, damit Mama keine Angst haben muss ihn im Schlaf zu erdrücken), bis auf ein paar Stillpausen. Milchname? Ging irgendwie unter. Freuen - erst nachdem ich geschlafen habe, da war zu viel Erschöpfugn für andere Emotionen. (Irgendwie fehlte halt die Endorphinausschüttung zum Schluss).
Das Stillen lief übrigens auch erst zuhause mit "meiner" Hebamme gut.

An Segen oder Ähnliches war nicht zu denken in den ersten Tagen und danach hatte ich eine Nachbarin im Zimmer. Zuhause war erst auch die Gewöhnung an die neue Situationen vorrangig und ich fühlte mich nicht "mittig" genug.

Die Segnung fand ca 4 Monate später statt.

Probleme mit der Verarbeitung des Kaiserschnitts hatte ich keine, die Alternative wäre schließlich schlimmer gewesen. Es entsprach halt mehr den Mythologien der Pflanzer. Mein Kleiner war bestimmt auch froh draußen zu sein und Papa hat sich um die gute Atmosphäre gekümmert.

@Meadhan Latha
Geteiltes Leid ist halbes Leid?
Ich glaube es ist nicht schlimm einen Segen danach zu machen ;-)
Kann man zu viel gesegnet werden in seinem Leben?

@Roxane
Das klingt doch nach einer schönen Idee mit dem Apfelbaum. Bestimmt kannst du einen Segen immer noch nachholen, auch wenn dein Kind evt. schon ein Mitspracherecht haben sollte, ob es das möchte. Mit 7 Jahren ist ansonsten auch ein typische Übergangsfest-Alter.

Gibt es keinen Stammtisch mit netten Leuten in deiner Gegend, wo es jemandem gibt den du Fragen könntest?

BB
Ishtar

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
22 Mai 2011 20:17 #10546 von Robin
Jetzt kommt von euch so viel Interesantes und Beruhigendes, aber was bitte ist ein Milchname? Das höre ich jetzt zum ersten Mal.

Liebe Grüße, Robin

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
25 Mai 2011 06:35 #10547 von Ishtar
Hallo Robin

ich poste mal einfach einen Link: Milchname Wikipedia

BB
Ishtar

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
28 Mai 2011 13:00 #10552 von Ialokin
Wozu braucht man dann eigentlich einen Milchnamen?

In unserer Familie stand der Vorname, bzw. die zwei, wenn Mädchen/Junge noch unklar war, immer schon deutlich vor der Geburt fest. Und wenn man den richtigen Namen schon weiß, kann man den ja auch benutzen, oder?


Ialokin

Die Liebe zu schenken, den Zauber zu wecken, das Leben zu feiern - das ist unser Sinn.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
05 Jun 2011 19:49 - 05 Jun 2011 19:50 #10601 von Vanessa
Grüß Euch !
Also, bei uns stand der Name ziemlich früh fest, darum haben wir über einen Milchnamen gar nicht nachgedacht.
Ich denke auch, dass sich die Ungeborenen durchaus schon mitteilen können, eine Freundin z.B. hatte sich für ihr Kind einen Namen ausgesucht und hat im Traum dann "bescheid bekommen", dass das nicht der richtige Name ist.

Schönen Tag noch, Vanessa

Eine Kuh,die rückwärts läuft, macht " HUM " .
Letzte Änderung: 05 Jun 2011 19:50 von Vanessa.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Ladezeit der Seite: 0.166 Sekunden