Werte- und Normenunterricht

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20 Sep 2011 13:54 #11119 von Udjat
Werte- und Normenunterricht wurde erstellt von Udjat
In Niedersachsen gibt es regulären Religionsunterrucht ab der 5. Klasse. Meine Kinder sind beide in der 6. Klasse. Wer Religion abwählt, muss in den Werte und Normen Unterricht, sofern dieser angeboten wird. An sich ist das OK, wenn das nicht spätestens ab der 7. Klasse ein verkappter christlicher Unterricht wäre. Man muss alles lernen über die Bibel, das Mensch und Gott sein von Jesus etc. Natürlich auch im Vergleich zu den anderen Weltreligionen....

Dieser Ersatzunterricht wurde 1974 auf Wunsch der Kirchen eingerichtet, damit sich nicht soviele Schüler vom Reli abmelden. Soviel zu unserem säkularem Staat!

Nun fällt, wegen Lehrermangels, dieses Halbjahr der Reliunterricht aus. Konsequent, wie ich bin, habe ich der Schule mitgeteilt, dass ich dann die Kinder auch nicht in den Werte und Normenunterricht schicke, da die Verpflichtung ja nur gegeben ist, wenn die Schule Reli unterichtet. Meine Kinder wollen da sowieso nicht hingehen, auch weil sie eh schon soviel um die Ohren haben und auch lieber Sport-AGs in der Zeit machen wollen.

Die Schule war empört und besteht darauf, das die Kinder trotzdem verpflichtet sei in diesen Unterricht zu gehen, da der Reli-unterricht ja im 2. Halbjahr trotzdem stattfinden soll.

Ich halte sowohl Religionsunterricht als auch diesen Ersatzunterricht als verfassungsrechtlich sehr bedenklich und unpassend. Religion gehört für mich nicht in die Schule. Höchstens in den Geschichts- und Gesellschaftsunterricht.

Ich will das aber nicht unbedingt auf dem Rücken meiner Kinder austragen. Anderseits haben die auch ein Recht darauf, sich von dem Scheiss abzuwenden.

Irgendeine Idee, wie ich mit der Situation am Besten umgehe?

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20 Sep 2011 15:05 #11120 von Athena
Hi Udjat,
erstmal ich verstehe deine Frustration und stimme dir zu dass Religion nicht in die Schule gehoert !!
Mein Sohn ist erst 3 1/2 aber ich werde auch mit Klauen und Zaehnen kaempfen (wenns sein muss) dass er nicht christlich indoktriniert wird. :angry:
Da deine Kinder ja schon etwas aelter sind, schlage ich folgendes vor:
frage sie erstmal um ihre Meinung - wollen sie dass Papa da ein grosses Fass aufmacht? - oder wollen sie lieber einfach zu diesen Stunden hingehen (nach dem Motto zum einen Ohr rein zum anderen raus)?
Du moechtest ja sicherlich nicht dass deinen Kindern dein Protest (wie berechtigt auch immer) peinlich ist und sie vielleicht sogar hinterher sauer auf dich sind.
Wenn aber deine Kinder deine ansicht teilen und sich diesem verkappten christlichen "Normenunterricht" nicht unterwerfen wollen, dann wuerde ich empfehlen einen Termin mit der Schulleitung zu vereinbaren und dort freundlich aber bestimmt deine Position erklaeren.
Als ich noch Schuelerin war (jahrzehnte her lol) wurden die Schueler die aus irgendeinem Grund nicht an Klassenstunden (wie z.b. Schwimmen) teilnehmen konnten fuer die Zeit in andere Klassen gesetzt.
Das koenntest du ja als Loesung der Schulleitung vorschlagen.
[Klaer es aber vorher auch mit deinen kids.]
Viel Glueck und lass uns wissen wie's laeuft.

PS *Udjat* hoert sich fuer mich maennlich an, aber falls du eine Frau bist und ich das falsch verstanden habe entschuldige bitte. :P

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20 Sep 2011 18:01 #11124 von Udjat
Man merkt, das Du noch nicht viel Kontakt zu Lehrern hattest.
;)
1. Ein Lehrer hat immer Recht
2. Ein Lehrer weiß es immer bessser
3. Eltern haben einfach keine Ahnung was das Beste für Ihre Kinder ist, denn sie haben das ja nicht studiert!

Fakt ist: wenn Religion angeboten wird und es auch stattfindet, MÜSSEN meine Kinder zu "Werte- und Normen" gehen, sofern es angeboten wird, da es dann ein Pflichtfach ist.
Wird Religion nicht angeboten, brauch man auch nicht zu Werte und Normen gehen. (Ausser man wohnt in Berlin, wo "Ethik" inzwischen das Pflichtfach ist).

Die Frage ist also: Wir Religion nur in einem Halbjahr angeboten, müssen meine Kinder trotzdem das ganze jahr hingehen?

Meine Kinder wollen mit dem Christen-kram nix zu tun haben. Sie haben sich lange geweigert in Kirchen zu gehen. Ich habe sie dann überzeugen können, das es wäre wie ägyptische Tempel besichtigen.

Meine Tochter will gehen, wenn es nicht anders geht damit sie sich nicht den Notendurchschnitt versaut.
Mein Sohn will auf keine Fall hin!

Geht er nicht hin, muss ich wohl schlimmsten Fall Geldbuße zahlen (Da es als Ordnungswidrigkeit gilt, wenn man seine Kinder nicht zur Schule schickt) und mein Sohn wird für diese Halbjahr dann eine 6 bekommen.
Was ja in der 6. Klasse auch nicht sooo dramatisch wäre, da er sonst ja ganz gut ist. Er würde dann in eine Sport AG gehen in dieser Zeit. (Wäre noch die Frage, ob es tatsächlich eine Ordnungswidrigkeit darstellt, da mein Kind ja in einen anderen Unterricht geht, also nicht schwänzt.)

Befreien lassen kann man die Kinder nur aus schwerwiegenden Gründen, wie Gesundheit, Tod in der Familie, etc.

Ich bin übrigens eine Mama

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21 Sep 2011 06:56 #11125 von Athena
Hi Udjat,
(nocheinmal entschuldigung dass ich dich faelschlich fuer einen Mann gehalten habe)

Udjat schrieb:

Man merkt, das Du noch nicht viel Kontakt zu Lehrern hattest.
;)
1. Ein Lehrer hat immer Recht
2. Ein Lehrer weiß es immer bessser
3. Eltern haben einfach keine Ahnung was das Beste für Ihre Kinder ist, denn sie haben das ja nicht studiert!


doch leider habe ich genau diese Erfahrung gemacht (noch gar nicht so lange her) und zwar im privaten Bereich mit einem Maedel von der ich glaubte dass sie meine Freundin waere... 7 Jahre juenger als ich, keine Mutter selber, gerade im Referatjahr fuer Realschule Sekundarstufe I - weiss aber natuerlich alles besser wenns um kleine Kinder geht und ich mache ja alles falsch in der Erziehung meines eigenen Kindes...

Von daher stimme ich dir zu mit den Lehrern reden hat wenig Sinn - deshalb wuerde ich mich direkt an die Schulleitung wenden, vielleicht auch noch hoeher.

Prinzipiell kann dich niemand zwingen deine Kinder gegen dein religioeses Empfinden in einer anderen Religion zu unterrichten. Das ist religioese Diskriminierung und verstoesst gegen Europaeisches Gesetz!
(Stell dir den Aufschrei christlicher Eltern vor wenn ihre Kinder zwangsweise im Heidentum unterrichtet wuerden !!)

Da deine Kinder alt genug sind ein eigenes religioeses Verstaendnis zu haben und dieser "was-auch-immer-normen-religion-unterricht" gegen ihr Verstaendnis und Empfinden verstoesst und sie klar geaussert haben sie wollen da nicht dran teilhaben,
wuerde ich das dann als Mutter auskaempfen;
- und ich wuerde auch keinerlei Geld- oder andere Strafe akzeptieren solange ich noch eine Instanz hoeher gehen koennte (sprich Europaeischer Gerichtshof).

Religionsfreiheit ist in Deutschland -zumindest theoretisch- in den Grundrechten festgelegt - es ist wert dafuer zu kaempfen !!

Viel Glueck !

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22 Sep 2011 07:02 #11127 von Mairi
Bei uns gab es zum Glück immer Ethikunterricht...da waren die Relischüler einfach in der Minderheit. Aber ich bin in meiner Schulzeit immer gut gefahren mit hingehen und zum einen Ohr rein, zum anderen raus....ich hatte auch so meine Fächer, die ich sinnlos fand...

Versucht doch einfach, diesen Werte- und Normenunterricht wie Physikunterricht oder ähnliches zu betrachten. Da steht einer vorn, der erklärt dir was, das lernst du auswendig, pinselst es in der Arbeit hin und hast deine Ruh. Du musst es doch nicht glauben oder dich davon angegriffen fühlen.

Ich finde es generell bedenklich, wenn Heiden einen tierischen Hass gegen Christen haben. Na klar haben die Scheiße gebaut, aber welche Religion hat das nicht? Auch Heiden haben christliche Missionare gekocht usw. Und was vor 500 Jahren war, war sicher Scheiße und na klar sollte man Anteil nehmen. Aber dafür kann weder ich was, noch der Pfarrer der mir heute gegenüber steht. Wer Toleranz und Respekt fordert, muss das auch in gleichem Maße an Andere weitergeben, egal, welcher Religion.

Das soll kein Aufruf zum Duckmäusertum werden, ja, man sollte das Maul aufmachen, aber vorher halt mal Kosten und Nutzen abwägen. Viele Kinder werden dann hinterher schikaniert von den Lehrern und erhalten generell schlechtere Noten. Leider haben die aber immer noch Einfluss auf die Zukunft. Lehrer sind nun mal so, wie ihr sie beschrieben habt. Ich war an einer recht toleranten Schule und selbst wir hatten Lehrer, die nach Gesicht bewerteten (und das auch offen zu gaben).

Wenn du etwas unternimmst, dann rate ich Dir:
1. Suche Dir andere Eltern und evtl. auch Lehrer, die deiner Meinung sind.
2. Geh direkt zur Schulleitung.
3. Zieh, wenn nötig, die Presse mit rein. (Aber bitte was seriöses XD)

Abschließend noch ein Zitat meines Vaters, der uns ganz gut durch die Schule geboxt hat und gegen die Dummheit der Lehrer verteidigt:

"Lehrer ist kein Beruf, sondern eine Diagnose." ;D

Thig crioch air an t-saoghal ach mairidh gaol agus ceòl.

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22 Sep 2011 10:43 #11130 von Udjat
Hallo Meadhan_Latha

Wir schieben keinen Hass gegen Christen. das verstehst Du falsch. (Abgesehen davon, das ich grundsätzlich nichts von monotheistischen Religionen halte.)

Was uns gegen den Strich geht, ist die ständige Missionierung und die Bevormundung durch die Kirchen. Für einen Staat mit angeblicher Trennung von Staat und Kirche, wird hier aber wirklich viel zusammen gemauschelt. Das fängt mit der Kirchensteuer an, geht über den Reli-unterricht in der Schule bis dahin, das die Gehälter der Bischöfe vom Staat bezahlt werden.
Oder eben, das der Papst im Bundestag redet.

Man muss diese Zwangsindoktrinierung nicht einfach hinnehmen. Ich kann nicht tolerant gegenüber Intoleranz sein.

Andere Eltern hier zu finden, die ihre Kinder nicht in den Reli-unterricht schicken ist schwierig. Denn ausser meinen Kindern sitzen nur noch ein paar Moslems mit im Werte- und Normenunterricht. Und da wollen die Meisten eher einen Islamunterricht haben. Wir leben in einer sehr christlichen Nachbarschaft. Nix für Heiden eigentlich. Von daher bringt dieser ganze Alarm wohl nichts.

Danke aber für Deine Vorschläge

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28 Sep 2011 11:57 #11132 von Lady of Darkness
Ist wahrscheinlich abhängig von den einzelnen Schulen/Lehrern, aber den "Werte und Normen"-Unterricht an meiner Schule fand ich ganz prima. Natürlich wurden unter anderem auch christliche Werte und Ansichten gelehrt, schließlich leben wir in einer christlichen Gesellschaft, aber andere Religionen kamen auch vor, und je älter wir Schüler wurden, desto stärker lag der Fokus auf Philosophie und genereller Ethik.

Die Frage ist ja, inwiefern der Unterricht (oder die Verweigerung des Besuchs) deinen Kindern schadet. Zum einen werden sie durch diese aggressive Verweigerung natürlich "anders" - das kann ein Vorteil sein, ist aber, gerade für Kinder, auch schwierig. Zum anderen - wie sollen sie sich beizeiten ein eigenes Urteil bilden, wenn sie keinen Überblick über alle spirituellen Möglichkeiten haben?

Einmal im Ernst, es ist ja erst einmal nicht schlimm, wenn man über das Christentum bescheid weiß, und diverse Punkte in ihrem "Wahlprogramm" sind ja auch nicht schlecht. Das, was in der sechsten Klasse als unterrichtenswert betrachtet wird, ist jetzt auch noch nicht soo kontrovers.




Und ein kleiner Gedankenpups am Rand: Wenn muslimische Eltern sich so stark gegen christlich geprägten Nicht-Religionsunterricht wehrten, bräche sofort in den Medien die Panik wegen drohender "Parallelgesellschaften" aus...

Remember that you're perfect - the gods make no mistakes...

https://diandrasgeschichtenquelle.org
https://knusperhaus.wordpress.com

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01 Okt 2011 08:57 - 01 Okt 2011 09:34 #11137 von eald
Hi Udjat, zu deiner Eingangsfrage: Wende dich diesbezüglich doch einfach an dahingehend vermutlich versiertere Anwälte. ;) Seiens nun vielleicht deine Haus- und Hof-Juristen, oder sei es auch 'nur' die öffentliche Rechtsberatung die es mancherorten gibt, oder die (kostenpflichtigen) Anwaltshotlines oder Internetonlineanlaufstellen. Denn da das Schulgesetz hierzulande ja Länder- und nicht etwa Bundessache ist, brächte es vermutlich ja nicht mal was wenn ich dir etwa DIE hamburger Antwort und Lösung aller Probleme gäbe und du wohntest aber vielleicht 3 Km jenseits der Grenze in Niedersachsen - wo halt wieder andere Schulgesetze wo gölten.

Zum Thema selbst kann ich nur sagen das ich, lang ists her, in der Schule vom Religions- zum Ethikunterricht wechselte, weil ich schon da wusste: Mr. J. isset nicht, mich betreffend. Habe dann aber nach einem halben Jahr um meine Rückversetzung gekämpft weil in dem Unterricht - nein, der Ethik'unterricht' da war kein Unterricht sonder ein bloßes "besser die Schüler schmeissen hier mit Papierfliegern rum, als das sie auf dem Schulhof draussen etwa was anstellten", nun ja.

Nun war in meinem Wohnort, in der Schule der Reli-Unterricht zugegebenermaßen schon sehr ... moderat. Aber selbst wenns härter wäre: Im Reliunterrich hab ich immerhin was über Religion(-en) gelernt und mal andersrum gedacht: Wenn deine Kiddies da schließlich rauskommen und immer noch keine Konvertiten sind, dann kannst du sicher sein das die sich so schnell auch keinem Buchclub anschliessen, den Weg durch eine gutbesuchte Fußgängerzone finden - ohne - nachher in drei Plüschtierschutzorganisationen mehr drin zu sein, ausser sie wollten es selbst, etc.

Will sagen, und wenn's nur der Allgemeinbildung gilt? Denn ich finde nichts schlimmer als die Leute die was wo gegen haben, von dem sie gleichzeitig aber nichts wissen. :huh: Sei es z.B. gegen den Islam, weil sie meinen, dass was abends in den Nachrichten über islamistische Anschläge wo kommt "der" Islam wäre, oder Menschen die die beim Wort Heiden gleich die Sektenbeauftragten und den Tierschutz anrufen weil sie wen Katzen nachts auf Friedhöfen Opfernden da grad vor sich wähnen usw.

Es schärft imho die Rhethorik, und zwingt dazu selbst zu reflektieren ob, und wenn ja warum, diese Aussage nun vielleicht stimmt oder aber hinters Licht bloß führen will oder etwa bloß behauptet ohne aber zu belegen usw. usw.

Ich zumindest bin rückblickend sehr froh auch um den Unterricht und at Allgemeinbildungsaspekt: Ich bin auch sehr froh alle Unterrichte in der Schule besucht zu haben (auch den Sportunterricht :blush: ), hat mir doch jedes davon etwas mehr Einblick in das allgemeine Grundbild dessen gegeben, was so um mich her geschieht.

Das aber nur als Gedanke, ist doch auch mir klar das der Terminplan der Kinder heuer sehr viel dichtgepackter ist, denn noch anno dazumal.

eald
Letzte Änderung: 01 Okt 2011 09:34 von eald. Begründung: πsah

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