Bildungschip

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23 Aug 2010 16:43 - 23 Aug 2010 16:45 #9318 von Ishtar
Bildungschip wurde erstellt von Ishtar
Hi Zusammen

Bildungschip in aller Munde? Vielleicht.....

Hier ein paar Schlagsätze dazu, zusammengetragen aus unterschiedlichen Zeitungen mit unterschiedlichen Blickwinkeln (sie spiegeln nicht unbedingt meine persönliche Meinung!):
  • Angst vor Bewegungsprofil der Kinder - Abwegig weil auch aus Städtekarten sowas nicht gemacht wird
  • Soll Zahlungsmittel sein
  • Es muss neu berechnet werden, was ein Kind zum Leben benötige, Materiell genauso wie an Bildung, Nachhilfe, Turnverein, Musikschule
  • Streit der Ministerinnen von der Leyen und Schröder - Profilierung, eigene Akzente setzen, wessen Ressort ist es überhaupt?
  • mutiger Schritt nicht einfach mehr Geld zur Verfügung zu stellen
  • Zuständigkeit bzw. woher Mittel? Agentur für Arbeit vs. Städte - lokal weiß man besser woran es fehlt (?)
  • Modellprojekt Chipkarte für bedürftige Kinder seit 2001 in Stuttgart, Familiencard. Ermöglichst günstige Besuch von Schwimmbädern, Museen, Theatern. Stuttgarter Familien mit 3 Kindern und Familien mit bis zu 60 000 € Bruttojahreseinkommen erhalten sie - leider keine Studie gefunden welche Effekte diese hat
  • Bildungschip würde als Hartz-IV Empfänger ausweisen = diskriminierung - Bildungschip für alle?
  • mangelt es den Kindern wirklich an Tierparkbesuchen?
  • Über Inhalte zu denen der Chip Zugang ermöglichen soll wird weniger gesprochen
  • ist es nicht eher erforderlich eine langfristige und kostenaufwendigere Aufgabe, um Kinder aus finanziell rückständigen Elternhäusern Bildungsgerechtigkeit zuteil werden zu lassen?
  • Bildungschip = Bevormundung - aber gerade deswegen keinesfalls falsch (Bildungsbereich Bevormundung völlig normal, Schulpflicht, Inhalte....)
  • Positiver Kern: Hier wird Geld bereitgestellt, das ausschließlich, ohne Fragezeichen, ohne Einschränkung Kindern zugute kommt.
  • auch unter gut verdienen Eltern sind welche, die lieber zigaretten bezahlen als Nachhilfe ihrer Kinder
  • bei den Eltern die kindergeld kassieren ebenfallse ein Teil auf Bildugnscards, damit wäre Chip kein Unterschichten-Merkmal

Quellen:
Hamburger Allgemeine, FAZ, Spiegel Online

Und jetzt persönlich:
Was denkt ihr?
Letzte Änderung: 23 Aug 2010 16:45 von Ishtar.

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23 Aug 2010 19:22 #9327 von eald
eald antwortete auf Bildungschip
Ishtar schrieb:

Und jetzt persönlich:
Was denkt ihr?

Wäre es im Sinne eines kinderbezogenen bedingungslosen Grundeinkommens aufgezogen - also quasi was die Stuttgarter gemacht haben, die das ja allen und nicht nur den sozial schwachen Kindern zugestanden - ich würde es wohl gut heissen. Einige der Kritikpunkte wären damit ja schon im Vornherein behoben - wie z.B. die Stigmatisierung gewisser Kreise.

ist es nicht eher erforderlich eine langfristige und kostenaufwendigere Aufgabe, um Kinder aus finanziell rückständigen Elternhäusern Bildungsgerechtigkeit zuteil werden zu lassen?

Nun ja, das Wirken in einer Richtung, enhebt ja nicht vor der Verantwortung in allen anderen Belangen, ist es nicht so? ;)

Das sind aber generelle Überlegungen jetzt. Das was die von der Leyen da umzusetzen versucht ... indes, es bereitet mir eher Magengrimmen. Eben weil es nicht bedingungslos alle berifft und Vorgaben/Zwänge (wenn ich nicht irre) da in einer Art Einfluss möglicherweise in die Entscheidungsfreiheit Dritter nimmt, die mir schlicht und ergreifend nicht ganz geheuer ist.

:huh: eald

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24 Aug 2010 10:35 #9331 von Robin
Robin antwortete auf Bildungschip
Ich habe zwei Geschwister. Wir haben damals einen Familienpass unserer Stadt gehabt (vermutlich wie die Family Card ;) ). Damit konnten wir günstiger ins Schwimmbad, in die Museen und kriegten bei VHS etc, Rabatte. Meine Eltern haben nicht schlecht verdient, es war einfach aufgrund der Kinderzahl. Grundsätzlich mag ich das Konzept sehr und würde es jeder Stadt emfehlen. Wenn ich nämlich überlege, dass ich heute mit meinem Sohn NICHT regelmäßig ins Schwimmbad gehe, weil das nämlich in meinem Augen unverschämt teuer geworden ist (man ist ja offiziell ein Spaßbad, und schreibt immer noch rote Zahlen), dann frage ich mich, wie meine Eltern das heute machen würden. Wir haben das jedenfalls immer gut genutzt.
Dass der Staat auf diesem Wege kontrolliert, was denn Kinder alles so treiben, halte ich schon für ein bisschen paranoid in einer Zeit, in der jeder zweite freiwillig mit einem Haufen Kundenkarten von dm, Kaufhof, Aral etc. in der Tasche herumläuft, die genau den gleichen Zweck erfüllen.

Liebe Grüße,

Robin

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24 Aug 2010 11:34 #9332 von Andy
Andy antwortete auf Bildungschip
Als Computerfreak aus Hobby, Leidenschaft und Beruf seit 28 Jahren raufe ich mir die Haare wenn ich alleine schon das Wort "Chip-Karte" höre! Dies blöde von der Leyen und ihre Lakaien haben höchstwahrscheinlich nicht den blassesten Schimmer, was für ein gewaltiger und kostenintensiver technischer Aufwand hinter so einem Ding steht!

Es muss ein landesweites Netz an Rechnern, Servern und Terminals geschaffen werden, es muss eine Verwaltungssoftware geschrieben werden, es muss eine Software für die Karte geschrieben werden, es muss Software für das Lesegerät her, es muss Software für die Endstellen her - also dort, wo die Karte zum Einsatz kommt. Auch müssen dann doch tausende von Terminals ausgegeben werden, die in entsprechenden Einrichtungen auch noch mit einer Datenleitung versehen werden müssen. Zudem müssen tausende von Sachbearbeitern (die heute schon überfordertsind und teilweise den IQ eines Toastbrotes vorweisen) in das neue System eingewiesen werden. Es müssen eigens dafür Systemadministratoren eingestellt werden und und und. Aber wir in Deutschland hamm's ja!

Dann muss noch die Sicherheit der Karten gewährleistet werden - heutige Kartensysteme kann ich prima mit handelsüblichen Lesegeräten kopieren. Selbst der ach so tolle, ach so sichere neue Personalausweis mit Chip ist vor wenigen Tagen vom CCC geknackt worden.

Und bitte was macht der Student der Nachhilfe gibt?!? Der rennt sicher nicht mit Lesegerät herum - auch viele andere Vereine und dergleichen werden sich hüten.

Es wieder mal so typisch Deutsch! Warum werden nicht einfach die H4 Sätze für Kinder erhöht und damit basta. Als ob der überwiegende Teil der H4-Empfänger das Geld für Alkohol, Glücksspiel, billigen Sex oder Drogen ausgeben würde... Es würde sogar reichen, ALG 1 für 2 Jahre und nicht wie bisher nur 1 Jahr zu zahlen.

"Familienpass" würde doch reichen! Für alle Familien!

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24 Aug 2010 18:23 - 24 Aug 2010 18:24 #9333 von eald
eald antwortete auf Bildungschip
Hi Andy,

[...] raufe ich mir die Haare wenn ich alleine schon das Wort "Chip-Karte" höre!

kann es sein das du dich eben daran gerade aufhängst?

Ich meine, du schreibst lange und ausführlich wider die Chipkarte und endest dann, mich verwirrend, mit den Worten:

"Familienpass" würde doch reichen! Für alle Familien!

Ab davon, das ja auch ich sowas für alle preferierte, weil m.E. damit tatsächlich die Kinder "bildungsfernerer" Familien besser ereicht werden könnten, wieso meinst du das mit nem "Familienpass" für alle nicht die gleichen Probleme aufkämen?

Oder meinst du mit "Familienpass" irgendwas noch ganz anderes grad? :dry:
Letzte Änderung: 24 Aug 2010 18:24 von eald.

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24 Aug 2010 19:50 #9335 von Andy
Andy antwortete auf Bildungschip
Hi Eald,

ich bin sehr dafür Bildung/Nachhilfe und Angebote wie Sportvereine oder Musikunterricht wirklich allen Familien zugänglich zu machen, besonders den Einkommensschwachen.

Aber warum um alles in der Welt muss das mit so einem gewaltigen Aufwand geschehen, wenn es doch wesentlich einfacher und mit viel weniger Bürokratie ginge? "Familienpass" ist jetzt nur ein Beispiel... halt ohne den ganzen technischen Aufwand der etliche Millionen Euro verschlingt und dann doch nicht funktioniert. Eine einfache Erhöhung der Sätze für Kinder und Heranwachsende würde doch ausreichen. Aber nein, die Augen müssen ja durch den Hinterkopf operiert werden...

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24 Aug 2010 20:18 - 24 Aug 2010 20:22 #9337 von eald
eald antwortete auf Bildungschip
Ah okay, :side:
danke auch für die Antwort!

Das "wie" ist mir bei der Betrachtung" ehrlich gesagt schnurz. Wenn das ohne Chipping geht - um so besser.

Einzig nur das Erhöhen gewisser Sätze, kann auch eben bedeuten das die Familie halt drei statt nur zweimal gemeinsam zu McDoof geht - was auch gut für den Familienzudsammenhalt wohl sein mag.

Was mir an der Idee (Stuttgarter Modell etc.) gefällt ist eigentlich der Gedanke das da eine gewisse Aufwendung angeboten wird, die nur für gewisse kulturelle/gesellschaftliche Happenings taugt und die man halt dafür nutzen kann oder eben nicht.

Denn ehrlich: Wenn ich knapp bin geb ich kein Geld für'n Museumsbesuch aus. Wenn ich nicht ganz so knapp bin spar ich lieber für meinen nächsten Irlandurlaub statt etwa ins Theater zu gehen.

Hätte ich aber ein Freiticket mit dem ich halt entweder ins Theater gehen oder es halt lassen kann ... ich ginge dann wohl. Ich denke mit den sogenannten "bildungsfernen" Familien ist's ähnlich, und das nicht unbedingt weil die Eltern dafür Drogen und Alk nur kaufen.

Der Gedanke aber ging aber bei ner bloßen Beitragssatzerhöhung wohl unter. Alleine das fänd ich daran schade. Den Rest von von der Leyen mag ich auch nicht. Das aber ... :silly:

Bye ^^ eald
Letzte Änderung: 24 Aug 2010 20:22 von eald.

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25 Aug 2010 12:31 #9338 von Andy
Andy antwortete auf Bildungschip
HI Eald!
Hmmm... verstehe deinen Ansatz und bin eigentlich einverstanden.
Es ist natürlich wichtig, daß die Leistungen auch dafür eingesetzt wird wofür sie gedacht sind. Sonst macht es natürlich keinen Sinn.

ABER: "Bildungsferne" Leistungsempfänger wo der Fernseher 18 Stunden am Tag mit dem was RTL2 und SuperRTL hergibt vor sich hinflimmert, wo es kein einziges Buch abgesehen vom Telefonbuch gibt und der Rechner ausschliesslich für Ballerspiele und Interntchats genutzt wird - die wird man auch mit einem für sie kostenlosen Angebot nicht dazu bewegen können, sich oder ihre Kinder plötzlich für kulturelle Einrichtungen und (Weiter-)Bildung zu interessieren. Da ist dann Hopfen und Malz verloren... auch bei den Leuten die dann 3x zu MacDoof gehen würden statt 2x...leider. Aber ist denn Anteil an Leuten, die in der Tat so handeln wirklich sooooo riesig um so einen Aufwand zu rechtfertigen?

Ich finde es generell ätzend, wie immer mit Klischees um sich geworfen wird, wenn es um H4-Empfänger geht!!! Alles besoffene, arbeitsfaule, ungebildete, ungepflegte Deppen die einfach nur in den Tag hineinleben auf dem Sofa sitzen, Bier trinken, sich am Hintern kratzen und gegeseitig entlausen... ICH bin auch H4-Empfänger bzw. erhalte ALG2 mit Zuschlag. Ich bin seit 1.5 Jahren arbeitslos - aufgrund der Wirtschaftskrise. Ich finde einfach keinen Job zur Zeit - ich bin Grafikdesigner und habe zuletzt als ArtDirector in einer Werbeagentur gearbeitet. Ich habe mich auch für Verkäufer-Jobs in Appleläden und dergleichen beworben, oder für Bürotätigkeiten - nur da will mich keiner wegen Überqualifizierung. Und viel Werbeangeturen kämpfen ums Überleben... Ich spucke deshalb immer Gift und Galle wenn Politik und Medien ALLE H4-Empfänger über einen Kamm scheren. Es ist schon schwer genug, von etwa 870 Euro zu leben und davon auch noch Miete zu zahlen... wenn ich bedenke, was ich vorher verdient habe...

Beitragserhöhung: In Form einer quartalsmässigen Sonderzahlung über die Rechenschaft gegenüber dem Amt erbracht werden muss reicht doch völlig aus. Oder aber schnelle, unbürokratische Soforthilfe wenn es um Vereine, Nachhilfe usw. geht. Anmeldebestätigung zum Amt bringen, dann gibt's umgehend Extrageld für diesen Zweck bis zu einem gewissen Maximalbetrag. Dann würde sich auch niemand "abgestempelt" fühen, wenn man erst einen Pass/Chipkarte oder so vorlegen müsste.

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25 Aug 2010 18:47 #9340 von eald
eald antwortete auf Bildungschip
Hi Andi,

hab selbst recht lange auch schon Hartz4 bezogen und bin der Letzte der ALGII-Empfänger und bildungsferne Bevölkerungsschichten unter einen Hut packen würde.

Auch glaube ich nicht, das bel jenen die keine Bücher zuhause und was du da sonst noch aufzähltest Hopfen und Malz verloren ist. Auch dort greifen verschiedene Projekte - undsei's auch nur in Einzelfällen.

Wollte also nirgends den Einen das Andere unterstellt haben, noch seh ich da aber auch nirgends von vornherein null Chancen. :)

Aber wenn du jetzt den Rest von von der Leyens Plan (Karten resp. Unterstützung nur für ALGII-Familien usw.) meinst - da sagte ich ja schon, dass mir ab der Idee als solcher recht wenig da wirklich sonst zusagt.

Regards and best wisches: eald :blush:

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