Wie "outet" man sich als Heide/Hexe?

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24 Nov 2006 14:00 #1593 von Lina
Hallo Zusammen!

Ich habe nun schon vor 6 Jahren angefangen mich mit Heidentum / Hexen zu befassen und vor ca. 2 Jahren für mich selbst festgestellt, dass der alte Weg für mich persönlich der Richtige ist. Ich feiere die Jahresfeste, habe mir einen schönen "Platz" zurecht gemacht und binde auch ansonsten die Magie in mein Leben ein.

Nun ist es aber so, dass meine Familie ( und besonders meine Mutter) recht gäubig ist und ich auch in einer sehr Katholischen Gegend wohne. Bisher habe ich (außer meinem Mann) niemandem von meiner Religion erzählt, weil ich mir auch erstmal selbst über alles klar werden musste (eine Religion wechselt man ja nich mal eben schnell wie ein paar Socken). Aber irgendwie komme ich mir jetzt sehr heuchlerisch vor.

Das Problem ist nur, dass meine Mutter wahrscheinlich einen Heulanfall (oder schlimmeres) bekommt, wenn ich ihr erzähle das ich aus der Kirche ausgetreten bin und nun als Heidin/Hexe lebe. Desweiteren habe ich auch Angst, wie denn die Umwelt (Verwandte, Bekannte, das Dorf...) auf soetwas reagiert.

Wie ist das denn bei Euch gewesen, habt Ihr Eurer Familie / Bekannten von Eurer Religion erzählt? Wie haben Sie reagiert?
Wie geht Ihr überhaupt mit Eurer Religion um? Ich meine klar bindet man das ja nicht jedem auf die Nase, aber was macht Ihr wenn Ihr darauf angesprochen werdet oder sich Gesprächsthemen um solche Themen drehen? Werdet Ihr evtl. sogar von Leuten "geschnitten"?
Habt Ihr irgendwelche Tips wie ich es miener Mutter "schonend beibringen" kann?


Vielen Dank für Eure Antworten!
Liebe Grüße,
Lina

P.S. Ich weiß das klingt jetzt für einige von euch sicherlich überängstlich, neurotisch und dumm, aber ich fühle mich nunmal wirklich in einer Zwickmühle und es würde mir wirklich helfen zu wissen, wie andere Heiden/Hexen/Schamanen etc. mit dieser Thematik umgehn.

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24 Nov 2006 16:21 #1596 von Ialokin
Huhu Lina :-)

Deine Frage ist keineswegs überängstlich oder neurotisch, sie ist sehr berechtigt.

Das ist immer schwierig.
Zunächst mal: Es gibt keinerlei Verpflichtung, jemandem davon zu erzählen.

In meiner Umgebung ist Religion größtenteils Privatsache, d.h. ich rede überhaupt nur mit denen darüber, die irgendwie 'ne ähnliche Wellenlänge haben, die andren geht's schlicht nichts an.

Bei nahen Verwandten ist es eine andere Frage: Möchtest Du Du selbst sein - oder möchtest Du in ihrer Gegenwart immer ein bißchen mehr das sein, was sie von Dir wollen, als das, was Du bist? Wie ist das in anderen Lebensbereichen: Ziehst Du Dich anders an als sonst, wenn Du Deine Mutter triffst?

Ein Heulanfall ist nichts schlimmes. Auch kein Monat voller schlechter Laune oder Nachdenklichkeit. Jedenfalls längst nicht so schlimm, wie sich selbst zu verleugnen.
Auf der andren Seite, ein grundsätzlich zerrüttetes Verhältnis wäre sicher nicht erstrebenswert - evtl. nötig, aber nicht unbedingt, hängt davon ab, wieviel ihr miteinander zu tun habt usw.

Was oft ein Weg ist: Zäume das Thema nicht über das Stichwort "Religion" auf, sondern einfach darüber, was Du tust. Z.B. daß Du Feste feierst, in denen Du die besondere Qualität der Jahreszeiten würdigst - und wie Du eben sonst Deine Weltanschauung in Deinen Alltag einbindest.

In jedem Fall, viel Glück und allmählich sich entwickelnde Klarheit über den richtigen Weg. :-)
Ialokin

Die Liebe zu schenken, den Zauber zu wecken, das Leben zu feiern - das ist unser Sinn.

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25 Nov 2006 15:30 #1600 von Lady of Darkness
Ich mache kein Geheimnis daraus, wer oder was ich bin. Ist allerdings vielleicht auch eine andere Sache, mich halten eh schon alle für verrückt. Wenn dem bei dir nicht so ist, kann ich mir schon vorstellen, dass man sich da so manche schlaflose Nacht mit bereitet ...

Zunächst einmal die traurige, aber tröstliche Erkenntnis: In deinem Wohnort wird es, selbst wenn jemand es merkt, sich kaum jemand dafür interessieren. Ich meine, kaum einer kann etwas mit dem Begriff "Hexe" resp. "Heidin" anfangen, und solange du nicht in schönster LadyGodiva-Manier nackend auf einem Pony durch den Ort tobst, werden alle ihr Weltbild schön sauber halten. ("Good news to you, Mrs. Robinson ..." *sing*)

Mit der Familie ist es a bisserl anders. Aber du musst ihnen ja nicht die ganze Packung auf einmal verpassen (wenn du es ihnen denn sagen willst). Ialos Methode ist wohl eine ganz praktische.

Ansonsten - inwiefern "heuchelst" du denn? Beim Tischgebet oder so? Oder in Gesprächen? Oder ... ?

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26 Nov 2006 14:14 #1619 von Lina
Hallo Ialokin und Lady of Darkness!

Vielen lieben Dank für Eure Antworten, das hilft mir wirklich sehr!
Vor allem Ialokin's Vorschlag finde ich echt gut, ich denke so würde es meine Familie wirklich besser annehmen. Danke nochmal!

@ Lady of Darkness: Was das Thema heucheln betrifft, nein es geht nicht um Gespräche oder Tischgebet oder sonst was. Es ist mehr so eine kleine innere Stimme die meint, das ich eben mal langsam damit herausrücken sollte.


Liebe Grüße,
Lina

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27 Nov 2006 07:58 #1624 von Lady of Darkness
Dann leb einfach, was du für richtig hältst, ohne dich zu verstellen. Irgendwann kommen die anderen schon dahinter, worum es geht.

(Das mache ich in allen Lebensbereichen so. ;) )

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28 Nov 2006 10:46 #1651 von zero
oje, ich weis was du meinst lina.
das ist so als ob du dein leben lang in die kirche gegangen bist, in einem kaff in dem dich alle kennen. und dann gehst du eines tages wieder hin und sagst: hi leute ich bin ne hexe!
die würden dich steinigen!
ich könnte meiner einen freundin auch nichts von meinen taten erzählen, ihr dad hat mich sowieso schon als "teufelsanbeterin" abgestempelt. er hat garkeinen grund dazu. nur weil ich schwarze fingernägel hab und viele ringe...es ist einfach nur unwissenheit.
ich denke die liebe deiner mutter ist stärker als alles was du ihr erzählst. außerdem schließe ich mich an wenn die anderen hier im forum sagen das du es ihr gaaanz schonend beibringen musst. wenn du willst. sie wird es verstehen, ist schließlich deine mom!

ich wünsche dir das du das tust was für dich das beste ist!!
b.b.

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28 Nov 2006 12:54 #1652 von Baldur
Also das genialste Outing, das kam von meinem kleinen Bruder (Er ist 13 Jahre jünger als ich) als er etwa 5 Jahre alt war. So kam meine Mutter, selbst aus der evangelischen Kirche längst ausgetreten, auf die glorreiche Idee die weihnachtsmette am 24.12 abendes um 20 Uhr zu besuchen. (So etwa weil das meine Oma auch gemacht hat) Nagut, so sind wir eben alle da hingetschwerkelt um uns den Weihnachtsgottesdienst "live" reinzuziehen. (der Mutter zu liebe halt) Als wir in die Kirche kamen hatte die Mette schon angefangen und alle blickten schweigend vor scih hin .... Ruhe, Dunkelheit .... als plötzlich die helle Stimme meines kleinen Bruders die Stille durchbrach: " Mensch Mama, in der Bude waren wir aber noch nie !" :D

- Du kannst mir keine Angst machen, ich habe Kinder -

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29 Nov 2006 07:25 #1666 von Ishtar
Hallo Lina

Ich denke auch, dass Religion privatsache ist. Manche Leute haben in ihren heidnischen Leben manchmal Phasen, in denen sie allen erzählen wollen, dass sie jetzt Hexe / Heidin sind. Ja, kann man machen. Wenn mir jemand erzählt er/sie sei eine Hexe frag ich eh nach, was entsprechende Person unter dem Weg versteht, weil es da wiederum sehr viele Unterschiede gibt :wink:
Ich denke, es ist nicht dringend notwendig ihnen so direkt davon zu erzählen. Sollte mal das Gespräch auf Religion kommen kannst du ja vielleicht sagen "ich glaube dass es auch ..... " und dann evt. etwas von deinen Vorstellungen äußern. Ist halt die Frage, wasdu willst und in wieviel Konfrontation du evt. gehen willst.
Eines der Gründe, warum sich die Heiden "so leicht" konvertieren ließen war, dass in den meisten heidnischen Traditionen andere Götter auch respektiert werden. Die Römer z.B. habe häufiger versucht lokale Götter mit ihren Gleichzusetzen um sie zu verstehen. In gewisser weise haben sie andere lokale Gottheiten als lokale Manifestationen ihrer eigenen gesehen, oder manche auch "importiert". Ebenso der Shintoismus - eine der wenigen Naturreligionen die zur Weltreligion gezählt wird (oder zumindest häufiger in entsprechenden Büchern auftritt) kann wunderbar neben anderen Religionen existieren, viele Japaner sind sogar Shintoiste und Buddhisten.

Bei mir persönlich war es so, dass ich irgendwann in meiner Teenagerzeit es meinen Eltern unter die Nase rieb. Wobei lange davor muss meiner Mutter der Altar aufgefallen sein, aber es wurde nichts gesagt, sondern ich erhielt nur ein Buch zu lesen über Sekten. Ich weigerte mich irgendwann in die Kirche zu gehen (meine Mutter ging sowieso nur an Weihnachten oder wenn etwas schlimmes geschehen war) und irgendwann verkündete ich bei meiner Tante innerhalb einer Diskussion in Bezug auf das Christentum, dass ich keine Christin sei. Es kam dann zu einer einmal getauft-immer getrauft Aussage, mit der sie mich dann abtan. Irgendwann in Hamburg als mein damaliger Freund und zukünftiger Mann etwas erwähnte (ich sei an einem Ritual o. Ä.) kam dann raus, dass meine Mutter leicht geschockt war, dass diese "Phase" immer noch nicht vorbei war. (ich denke, sie verschloss einfach die Augen). Ich glaub, mittlerweile hat sie sich abgefunden.

BB
Ishtar

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02 Dez 2006 16:05 #1721 von Wolfskatze
Ich halte es so, wer nachfragt, weil ich entsprechende Anhänger trage oder Literatur liest, der Person sage ich es. Ein Geheimnis daraus mache ich nicht. Aber wenn niemand da nachfragt, dann binde ich es halt nicht den Leuten auf die Nase, von wegen, duhu, ich bin eine Hexe, schick ne.

Meine Mutter weiß es, will aber davon nichts wissen, also reden wir nicht mehr darüber (was ich schade finde, da hier Vorurteile die große Rolle spielen). Aber man kann halt eben nicht alles haben.

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04 Dez 2006 20:38 #1762 von Angel
Hi Leute,

mal ne andere Frage.. warum soll man aus der Kirche austreten, nur weil man auch an andere Dinge (Wicca-Religion) glaubt? (Ok, wenn man gar nix mit dem Christentum anfangen kann erübrigt sich die Frage und man spart die Kirchensteuer. :wink: )
Also ich z.B. glaube an Wicca und die Naturreligion und beschäftige mich viel damit. Ich denke schon, dass ich eine Hexe, oder etwas in der Art bin :gruebel: .
Ich glaube nicht an das Christentum oder an Gott, so wie die Kirche es uns verkaufen will.
Allerdings glaube ich an den Mann der den Ursprung des Christentums darstellt und bewundere ihn für seine Taten. Schon deshalb kann ich dieser Religion nicht ganz den Rücken zukehren, da Christus eine Art Vorbild ist.
Ich denke für mich ist ne gute Mischung aus beidem das Richtige. :mrgreen:
Somit komme ich nicht in Konflikt irgendwem irgendwas sagen zu müssen. Und wenn se mich nerven kriegen se halt ganz direkt auf die Nase gebunden "Tja, ich bin eben ne Hexe." :mrgreen:

Und schließlich sind Heiden/Hexen anderen Göttern ja auch aufgeschlossen und respektieren sie. :-)

Liebe Grüße

Dein Herz ist frei... habe den Mut ihm zu folgen

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