Athene / Neith

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18 Jun 2007 12:35 #4449 von Aufania
Aufania antwortete auf Athene / Neith
Hallo Frederik,
hallo Ishtar,
bei Athene assoziiere ich die Erfindung des Rades, die Erfindung der Töpferei usw., also eher Symbole einer gut funktionierenden Hochkultur. Ihr Symbol, die Eule, ist ja auch das Symbol der großen Göttin selbst, was ja Hinweis genug ist.
Dass sie Kriegsgöttin wurde hängt doch vielleicht eher mit den in Griechenland zu dieser Zeit real exisitierenden Verhältnissen zusammen, nämlich, dem Zusammenprall zwischen matriarchalen indigenen Einwohnern und einwandernden patriachalen Stämmen. Unser Bild von Pallas Athene ist doch ein sehr sehr spätes aus "klassisch" griechischer Zeit.
Liebe Grüße
Aufania

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18 Jun 2007 13:59 #4452 von Ialokin
Ialokin antwortete auf Athene / Neith
> Unser Bild von Pallas Athene ist doch ein sehr sehr spätes aus "klassisch" griechischer Zeit.

Ich kenn mich da nicht so gut aus, aber ist unser Götterbild nicht hauptsächlich homerisch - und lebte(?) Homer nicht lange vor der klassischen Zeit? Oder bring ich da was durcheinander.

Ich kenne Athene vor allem als Göttin der Weisheit und des praktischen Verstandes (insofern auch der Bezug zur Handwerks-Stifterin passen würde).
Sie ist - für mein privates Gefühl - schon ein bißchen eine "Kopfgeburt", Mythenbilder sind ja oft ziemlich sprechend. ;-)

Ialokin

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21 Jun 2007 09:13 #4508 von Aufania
Aufania antwortete auf Athene / Neith
Homer lebte kurz vor der klassischen Zeit, die klassisch-griechische Zeit fängt so ab 500 an und endet ungefähr mit Alexander d. G..
Unsere Schulbuch-Vorstellung von den griechischen Göttern ist eher aus der Spätzeit der Klassik, da die quellenmäßig ergiebig ist. Da sind viele Mythen schon sehr verdreht, was ja unschwer am allgemeinen Durcheinander der griechischen Mythologie abzulesen ist.

Bei Homer (dessen Lebensumstände und Identität mit Fragezeichen gekennzeichnet sind) wird Athene z. B. noch als die "eulenäugige" bezeichnet, die Augen der Eule (bzw. die abstrahierte liegende acht) sind ein zentrales Symbol der Großen Göttin.

Die Mythenforschung ist mittlerweile sehr viel weiter und geht davon aus, dass Athene die "Kriegsgöttin" in späteren Jahren angehängt wurde, als eben Krieg war und sie sozusagen zur lokalen Stadtstaatengöttin/Beschützerin der Stadt Athen aufstieg, wenn das nicht eher ein Abstieg sein sollte ;-).

Liebe Grüße
Aufania

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21 Jun 2007 10:32 #4512 von Ialokin
Ialokin antwortete auf Athene / Neith
Danke, Aufania, für die historische Einordnung.

Die Eulen stellen in mir den Bezug zur Weisheit her (weiß nicht, welcher Mythe das entstammt, hab zu viele gelesen) - und damit zum Sophia-Begriff, der wiederum eine Quelle der christlichen Vorstellung vom Heiligen Geist ist. In manchen westlich-esoterischen Kreisen gilt es als selbstverständlich, daß die ganzen gotischen Marien-Kathedralen eben nicht Maria, sondern (sie heißen ja meist "unserer lieben Frau" oder ähnlich) dem weiblichen Teil der Trinität gewidmet sind, welcher gleichgesetzt wird mit der griechischen Sophia (also Weisheit) und als ursprüngliche Form des heiligen Geistes gilt. Wovon Athene dann ein Aspekt wäre. ;-) Aber das ist natürlich immer noch eine christliche Sicht.

Für mich sind wie gesagt die Eulen und das aus Zeus Kopf(!) geboren sein die entscheidenden Aspekte - aus der Sicht des Geschichtenerzählers, bzw. -hörers (und das ist die Sicht, die für mich der "inneren Wahrheit" am nächsten kommt).

*wink*
Ialokin

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22 Jun 2007 10:26 #4531 von Aufania
Aufania antwortete auf Athene / Neith
Hallo Ialokin,

die Weisheit wird der Athene zugeordnet und auch die Eule, somit stellt sich die Verbindung Eule/Weisheit von selbst her. Es war aber wohl auch in der Tat so, dass Athen zu dieser Zeit voll von Eulen war.

Athene (Weisheit/Handwerk/Künste) ist zusammen mit der abgespaltenen Artemis (jungfräuliche Göttin) und der abgespaltenen Aphrodite (Liebesgöttin) die Triade der großen Göttin.

Die uralte - vorolympische - Athene wurde geboren am libyschen Tritonsee und ist damit mit der ebenfalls aus Libyen stammenden Neith sozusagen identisch.

Im klassischen Zeitalter der olympischen Götter hat sich nun der Mythos gewandelt: Nun war Metis (Göttin der Weisheit) von Zeus in ihrer Schwangerschaft mit Athene verschlungen worden. Als Zeus am See Triton in Libyen wandelte gebar er Athene aus dem Kopf, diese bekam nun das Attribut "Weisheitsgöttin" aber nicht als selbstständige Göttin sondern als Tochter des Zeus.

Abzulesen an diesem Mythos ist die Eroberung Griechenlands durch patriachale Völker (es herrschte damals kein gut Kirschenessen dort zwischen den Geschlechtern). Und in der Folge musste natürlich sowohl die Weisheit ursprünglich männlich sein (aus dem Kopf geboren) als auch die Geburt selber (funktionierte leider nur per Kopfgeburt). Metis als Mutter verlor die Bedeutung, die ging über auf den Vater: Zeus. Die alte Weltordnung der Pelasger (so hießen die zuvor dort lebenden matrichalen Stämme) wurde durch die der patriarchalen "Griechen" abgelöst, nichts anderes spiegelt der Mythos.

Ich hoffe, jetzt habe ich nicht zusehr mit Einzelheiten rumgenervt.
Liebe Grüße
Aufania

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22 Jun 2007 10:48 #4532 von Ialokin
Ialokin antwortete auf Athene / Neith
> Die alte Weltordnung der Pelasger (so hießen die zuvor dort lebenden matrichalen Stämme) wurde durch die der patriarchalen "Griechen" abgelöst, nichts anderes spiegelt der Mythos.

Ja. Beziehungen zu historischen Entwicklungen man bei vielen griechischen Mythen beobachten, würde ich z.B. bei der Aufteilung von Delphi zwischen Apollon und Dionysos vermuten.

Athene, Aphrodite und Artemis als Göttinnentriade paßt gut. Allerdings ... gab es die alle drei in Libyen/bei den Pelasgern auch schon?


*wink*
Ialokin

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