Sind alle GöttInnen heterosexuell oder eindeutig?

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13 Nov 2007 06:10 #5620 von Witch of sadness
Durch eine lesbische Freundin in einer Internetgruppe für homosexuelle, bisexuelle und transidentische Wicca und Heiden, wurde ich inspiriert, diesen Beitrag zu schreiben.
Meine Ausgangsfrage: Sind alle Götter oder Göttinnen ausschließlich heterosexuell? Und, sind diese eindeutig als Frau oder Mann zu erkennen? Oder gab es auch Zwischen- oder Wechselwesen, im Reich der Gottheiten?
Hier nun einige Beispiele von Göttern und Göttinnen, die vielleicht diese Frage beantworten können:


Artemis

Eine Göttin, die im Laufe der Zeiten viele Funktionen hatte: Jungfrau, Beschützerin des Waldes, der Tiere, der jungen Mädchen, Muttergöttin, Todesgöttin, um nur einige zu nennen.
Ihre Geliebte war Calisto, die durch eine Intrige, aus Eifersucht von Hera angezettelt, von Artemis getötet wurde. Die Bärin war ihr Schutztier, und so wurden junge Mädchen, die in einem Artemis- Tempel oder einer anderen Schule, die der Göttin geweiht war, und zu der ausschließlich Mädchen/Frauen Zutritt hatten, Bärinnen oder Bärentöchter genannt.
(Quelle: wickipedia.de; eigenes Wissen)

Attis

Dieser Name bedeutet übersetzt schöner Knabe. Attis war der Sohn der Flussnymphe Nana, die durch den Samen eines Mandelbaums schwanger wurde.
Aufgrund des phrygischen Ursprungs der Erzählungen über Attis und deren Übernahme in das griechische wie auch lydische Erzählungsgut gibt es mehrere Versionen seiner Geschichte und eine Vorgeschichte:
Der Mandelbaum entstand nämlich aus dem Blut, das mit der Entmannung des zweigeschlechtlichen Wesens Agdistis zur Erde fiel bzw. aus dessen männlichem Geschlechtsorgan, das es sich selbst ausriss, als dieses von Dionysos mit einem aus Haar geflochtenen Seil an einen Baum gebunden worden war.
Die Große Mutter, Kybele wie Agdistis mit der Entmannung nun auch bezeichnet wurde versorgte sie jedoch mit Früchten und Götterspeise, bis sie Attis zur Welt brachte. Dieser wurde allerdings von Sangarios nach seiner Geburt ausgesetzt, von einem Ziegenbock mit Bocksmilch aufgezogen und wuchs zu einem wunderschönen Jüngling heran.
In diesen verliebte sich nun Agdistis/Kybele mit ganzer Leidenschaft. Als Attis die Tochter des Midas, des Königs von Pessinus heiraten sollte, erschien Agdistis/Kybele bei der Hochzeit und trieb Attis in den Wahnsinn, so dass er sich selbst entmannte. Aus dem Blut, das nun hier zu Boden tropfte, entstanden die Veilchen, Attis selbst, der im Gegensatz zu Agdistis zuvor nicht überlebte, entmannte sich unter einer Pinie mit dem Ruf: Dir, Agdistis! oder wurde in diese Pinie verwandelt.
Als Kybele von Gram und Reue erfüllt, ihre Trommel schlagend, durch Phrygien zog, folgte eine Hungersnot ein Orakel wurde um Rat gefragt. Die Phrygier mussten nun Attis bestatten und Kybele als ihre Gottheit annehmen, wobei als Priester Kybeles nur Eunuchen zugelassen waren, um das Gedenken an Attis zu wahren. Kybele soll Attis dann wieder vom Tode erweckt haben und gemeinsam mit diesem in ganz Phrygien verehrt worden sein.
Nach anderen Versionen konnte Zeus auf die Bitten Agdistis/Kybeles, den Jüngling wieder zum Leben zu erwecken, nur dafür sorgen, dass sein Körper nicht verweste, seine Haare immer weiter wuchsen und sein kleiner Finger beweglich blieb. Zum Sinn des Mythos s. Kybele. (Quelle: Wickipedia.de)

Ashushunamir

Asushunamir wurde von Enki erschaffen, um Inanna vom Land ohne Rückkehr zu retten. Inanna, der Königin des Himmels, wurden große Geschenke von Enki dem Weisen gegeben: Weisheit, Gerechtigkeit, Liebe, die heiligen Frauen und die Frucht der Rebe. Das Geschenk, das sie vor dem Tod errettete, schuf Enki vom Schmutz unter seinen Fingernägeln. Ein Wesen des Lichts, Asushunamir genannt. Er/Sie, dessen/deren Gesicht leuchtend ist, so schön, Asushunamir, Er/Sie gekleidet in Sterne, männlich und weiblich, BegleiterIn der Inanna, Asushunamir. (Quelle: www.allmutter.de )

Athene

Ursprünglich eine afrikanische Göttin, wurde sie von den Griechen nach und nach in eine weiße Göttin umgewandelt. Sie gilt als Urheberin der Schrift, des Spinnens, der Musik und der Wissenschaften, und wird oft mit einem Zepter oder/und einer Eule dargestellt.
In ihrer afrikanischen Form ist sie immer eine junge und starke Göttin. Athene hatte eine beste Freundin/Geliebte, mit Namen Pallas, die eines Tages bei gemeinsamen Amazonenspielen von einer Klippe stürzte. In ihrer großen Trauer um Pallas heftete Athene das Bild von Pallas als Schutzgeist an ihre Brust, und setzte den Namen Pallas vor ihrem eigenem Namen. Daher der Name Pallas- Athene.
Athene ist eine sehr bedeutende Jungfraugöttin, die NIEMALS mit Männern verkehrte!
In der Trinität der Göttin ist dieser Jungfrau- Aspekt immer enthalten, - die Jungfrau als lesbische Göttin. (Quelle: Zszsusanna Budapest, Herrin der Dunkelheit Königin des Lichts, S. 357f.)


Fazit

Im Pantheon der GöttInnen war die Sexualität keine Frage die sich um Fortpflanzung und Geburt drehte, sondern um die Freude und die Lust daran. Auch waren nicht alle GöttInnen geschlechtlich festgelegt. Dieses geschah oft erst, wenn das Patriarchat
seinen Siegeszug begann.

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13 Nov 2007 11:36 #5630 von Lady of Darkness
Das stimmt - nicht nur in den Götterwelten, sondern auch in den Sagen und Legenden findet man immer wieder Wesen, deren Geschlecht und/oder Sexualität nicht festgelegt waren oder die homosexuell waren. Allerdings glaube ich, dass es problematisch ist, eine Figur (sei es nun ein Charakter in einer guten Geschichte oder eine Gottheit) ausschließlich über ihre Sexualität zu definieren. Schließlich hat das Leben noch eine Menge mehr zu bieten, oder etwa nicht?

Remember that you're perfect - the gods make no mistakes...

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13 Nov 2007 12:41 #5634 von Ishtar
Huhu

Sehr interessantes Thema, wobei auch ich denke, dass man die Gottheiten häufiger nicht nur auf eine sexuelle Identität festlegen kann. Vielleicht auch weil die Gottheiten sich ändern / entwickeln und der Mensch es ebenso tut?

z.B. Athena hat bei den Griechen nicht mit Männern \"verkehrt\" weil sie ja bei ihnen als Jungfrau galt. Bei Calisto wissen wir aber auch nicht, ob sie wirklich mit ihr \"verkehrt\" hat, sondern nur, dass es eine sehr enge Freundin war. Calisto mal außen vor gelassen, präsentiert sich Athena in den Legenden häufig als Freundin und Unterstützerin von vielen Männern, wohingegen sie gegenüber einigen Frauen recht zickig ist (wer ist die beste Spinnerin?). Ich selbst habe mal die Theorie gehabt, dass Athena mit den Jungen Männern deren \"Freundin\" sie war, durchaus verkehrte, im Sinne von Jung-Frau als junge, ungebundete Frau, die halt auch mal was mit einem Mann hat. Das schließt das Bild von Athena die was mit einer Frau hat nicht aus. Artemis war laut den Legenden ja auch nicht nur lesbisch, sondern hatte wohl durchaus auch was mit Orion. Die Legende könnte aber auch von der sexuellen Ebene weg interpretiert werden zu einer Lehrlegende \"immer zuerst Fragen bevor man schießt\".

Ich glaube das wichtige ist, dass wir genug Götterbilder haben, um verschiedene Formen der Sexualität zu integrieren, so dass Leute mit verschiedenen sexuellen Identitäten und vorlieben sich wiederfinden. Gerade Gottheiten, bei denen viel Interpretationsspielraum ist, können hierbei helfen. Natürlich interpretiert jeder das nach seinem persönlichen Weltbild.
Aber auch das ist gut so.

Ich habe kürzlich war von einer Mesopotamischen Gottheit gelesen, was auch in die Richtung geht, wo ich dachte, das könnte dich interessieren. Kann mich aber grad nicht mehr erinnern. Werde mal bei Gelegenheit nochmals nachschauen.....

BB
Ishtar

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13 Nov 2007 13:02 #5638 von Nivien
Hallo WoS :)

da schließe ich mich an: spannendes Thema.

Deine Fragen finde ich aber äußerst einfach ;) zu beantworten:

Sind alle Götter oder Göttinnen ausschließlich heterosexuell? Nein!

Und sind diese eindeutig als Mann oder Frau zu erkennen? Nein!

Oder gab es auch Zwischen- oder Wechselwesen, im Reich der Gottheiten? Ja, es gab sie und es gibt sie noch (wo, wenn nicht der Anderswelt, im Reich der Gottheiten?)

Wirklich interessant wird es dann, wenn man sich die konkreten Beispiele in der Religionsgeschichte anschaut. Danke Dir für die Beispiele, die regen an zum weitersuchen! Aus Indien ist bekannt, daß Götter sich durchaus mal in männlicher, mal in weiblicher Gestalt inkarnieren (können) oder auch zweigeschlechtlich auftreten. Avalokiteshvara/Kuan Yin ist ein Beispiel auf dem buddhistischen Bereich.

Und auch im Schamanismus: Gestaltwandel schließt m.E. auch das ein.

BB
Nivien

Jede gute Sache ist scharf. (Gurdijeff)

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