Deutungsversuch einer Symbolik 3600 - 2700 v. u. Z

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26 Jan 2010 03:04 - 26 Jan 2010 10:51 #8927 von Godwin
Zur sogenannten Dolmengöttin, vom Grab in Langeneichstädt / Sachsen-Anhalt

Ein Deutungsversuch der Symbolik, Abbildung

Der eiförmige Kreis könnte als Fruchtbarkeitssymbol, darüber hinaus aber ebenfalls als Kreislauf für Neugeburt der Jahre und des Lebens betrachtet werden. Die Ei-Form kann die zu erwartende Geburt oder Wiedergeburt des darin Abgebildeten symbolisieren. Die senkrechte Linie könnte einen Ahnenstamm oder auch Lebensbaum darstellen, der von der Unterwelt bis weit in die Oberwelt ragt. Die senkrechte Linie führt unterhalb des eiförmigen Kreises etwas schmaler weiter nach unten. Davon geht nach rechts schräg unten eine einzelne Linie ab. Diese könnte u.a. symbolisieren:
A = Der oder die erste des Stammbaumes bzw. der Abstammungslinie, auch Ahne oder Gott bzw. Göttin.
B = Ein Männlichkeitssymbol

Unter der untersten Waagerechten Linie im Ei-förmigen Kreis sei die Unterwelt der Erd- und Wasserflächen. Darüber bis zur zweiten waagerechten Linie sei die Lebenswelt, etwa von der Erdoberfläche bis an die Wolkengrenze. Ab der zweiten und letzten waagerechten Linie von unten, geht es weit hinauf zu den Sternen, zur Oberwelt, der Welt der Ahnen oder auch Götter. In der Oberwelt sind zwei unterschiedlich nicht ganz waagerechte Linien zu sehen. Das seien die Flügelarme, mit denen der Geist eines Verstorbenen oder eines Wesens wie ein Vogel fliegt. Er befände sich bereits hoch in der Oberwelt und fliegt nach rechts, wie man an der Flügelstellung erkennen kann. Sein Kopf ist dabei auch nach rechts gewendet, entsprechend der Flügelstellung. Die Rechtswendung des Kopfes ist an den beiden Augen zu erkennen, die von der senkrechten Mittellinie abweichend entfernt zu sehen sind. Der Kopf ist aber nicht nur nach rechts, sondern auch nach unten gerichtet, wie man etwa an der nach unten und rechts gerichtet abgebildeten Nase erkennen kann. Es scheint, als könnte und wolle das geflügelte Wesen einen Kreis nach rechts fliegen, der irgendwann wieder zur Welt auf der Erde zurück führen könnte. Der Flug im Kreis nach rechts erscheint als der einzig mögliche Weg, um durch die mit waagerechten Strichen abgegrenzten Welten zu gelangen. Nur dort ist Freiraum belassen worden. Das an den beiden unteren waagerechten Linien an jeweils einem Ende zum eiförmigen Kreisrand hin zu sehen. Der Abstand des untersten Linienendes zum eiförmigen Kreisrand ist eher eng. Die 2. Linie von unten endet mit einem einladend großzügigerer gewählten Abstand zum eiförmigen Kreisrand. Dieser belassene Freiraum könnte die Möglichkeit einer wechselseitigen Verständigung oder irgendein Hindurchkommen zur Mittelwelt Erde andeuten, etwa auch zur Rückkehr, Neugeburt bzw. Wiedergeburt.

Die insgesamt 3 Querteilungen der eiförmige Kreisfläche, zusätzlich einmal in der Mitte senkrecht geteilt, ergeben 8 Teilflächen, wovon 4 nicht geschlossen sind. 8 Teilflächen könnten auch symbolisieren, in welcher Fläche, Halle oder welchem Himmel sich das geflügelte Wesen befunden haben sollte. Von unten links nach rechts zählend, befände sich die Nase und damit wohl der Geist des Wesens im siebenten Himmel.

Viel mehr fällt mir dazu im Moment nicht ein. Was meint ihr? mfg

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Letzte Änderung: 26 Jan 2010 10:51 von Godwin.

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18 Jun 2010 13:09 #9145 von Godwin
Nebenbei, nochmal kurz zum Grab in Langeneichstädt / Sachsen-Anhalt, zur sogenannten Dolmengöttin, in der Zeit zwischen 3600 und 2700 v.d. Zeitrechnung errichtet: www.lda-lsa.de/fileadmin/bilder/hvn/Dolmengoettin_cr_web.jpg

Im Vergleich mit dem Daumen der menschlichen Hand weist die sogenannte Dolmengöttin nahezu die gleiche Form auf, nur sehr viel größer. Die "Dolmengöttin" sei von Menschen vormals häufig berührt oder auch gedrückt worden. Das sei an ihren glatten Oberflächen deutlich erkennbar.

Also könnte das volkstümliche "Daumendrücken" noch aus jener Kulttradition entstammen, seit über 5600 Jahren?

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19 Jun 2010 15:20 #9149 von Ishtar
Das klingt spannend. Bisher habe ich immer gehört das "Daumendrücken" käme davon, dass man die bösen Geister "festhalten" wollte, damit sie nicht zu der jeweiligen Person gingen, der man Glück wünschte.
Es muss sich aber nicht unbedingt widersprechen, da vielen Gottheiten ja Übel abwehrende Kräfte zugesprochen werden. Oder die Menschen haben den Stein für Glück so angefasst.
Ich kenne ähnliche Bräuche aus der Provence, wo ein Stein, der einem Phallus glich für Potenz und Kinder berührt wurde.
Aus der Villagecraft ist auch ein ähnlicher Brauch belegt, da wird im Ritual aber wirklich der errigierte Penis des "Gehörnten" berührt und aus römischen Festen zu ehren des Priapus wird ein übergroßer Phallus für das gleiche berührt (aber ich bewege mich grad weg vom "Daumendrücken" ;) )

BB
Ishtar

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19 Jun 2010 22:24 - 23 Jun 2010 12:42 #9154 von Godwin
Erstmal mein Dank für den abermals freundlichen und interessanten Antwortbeitrag! Die Ausführungen sind mir neu und ergänzen gut. In dem Zusammenhang erscheint mir neben dem "Daumen drücken" auch das "Daumen hoch halten" interessant. :)

Mit freundlichen Grüßen ...

Godwin

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Letzte Änderung: 23 Jun 2010 12:42 von Godwin.

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05 Sep 2010 10:47 - 05 Sep 2010 16:05 #9369 von Godwin
Freundliche Grüße, an alle!

Zum Artikel im Focus, Archäologie: "Wurde die Himmelsscheibe geopfert?"

Vielleicht hat jene kultische Handlung, insbesondere mit der Abtrennung des linken "Goldrandes" auf der "Himmelsscheibe von Nebra", als dringliche Einladung für Sonne, Mond und Sterne gedient, zum angestammten Platz in das Weltgefüge zurückzukehren, damit sie dort wieder mit alter bis neuer Kraft und Pracht erscheinen?

Es wäre durchaus anzunehemen, dass Menschen sich einer Strafe, dem Weltuntergang entgegen wähnten, nahezu von allen Guten verlassen.

Dennoch wäre die Kulthandlung "mit Opfergaben" in schweren Jahren der Finsternis, Kälte und Hungersnot danach durchaus auch als gut anzusehen, sichtbar und fühlbar, anders, wahrscheinlich.

Wohl weil die Menschen wirklich kaum mehr tun konnten, wurden mit der Himmelscheibe u.a. auch zwei Bronzeschwerter in die Erde beigelegt, etwa schweren Mutes übergeben.

Den Guten sei Dank.

Godwin

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Letzte Änderung: 05 Sep 2010 16:05 von Godwin.

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14 Sep 2010 18:54 #9379 von Ishtar
Hi Godwin

Vielen Dank für den spannenden Artikel, den hatte ich noch nicht gelesen, finde die These aber wirklich sehr gut!

Vielleicht dachten die Menschen wirklich die Götter waren verärgert und die "alten Wege" gingen nicht mehr. Die Schwerter könnten auch sein um den "Geist der Scheibe" zurückzuhalten sich zu rächen....
Wurden Opfergaben nicht eher in Erdspalten oder Flüsse geschmissen?

Naja, die Forscher sprechen selbst auch von Opfergaben....

BB
Ishtar

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