zweiherzig-Dwojeduschnik

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25 Nov 2010 23:20 #9677 von sternhagel
Hallo Ialokin,

ich denke, dass Freuds Strukturmodell hier ganz gut zusammengefasst ist (Quelle: www.bruehlmeier.info/freud.htm ):

a) das Es
Es hat zwei Aspekte. Es ist vorerst das Insgesamt von allem natürlich Gegebenen wie Konstitution, Vererbung, Geschlechtszugehörigkeit, Triebe und archaische Bilder (bei Jung: Archetypen). Sodann ist es das Auffangbecken von allem Verdrängten, das weiterhin aus dem Es heraus wirkt und psychisches Geschehen beeinflusst.
Das Es ist einem Hexenkessel vergleichbar: einem Konglomerat von Triebregungen, Anlagen, Wünschen, Gefühlen, Strebungen ohne Logik, ohne Moral, ohne Sinn für Ordnung und Mass, ohne Rücksicht sogar auf die Selbsterhaltung, einzig dem Bestreben nach Lustgewinn und Unlustvermeidung verpflichtet.
Freud stellt sich vor, dass der Mensch bei der Geburt ganz Es ist und dass sich die beiden Ich-Instanzen erst im Laufe der Entwicklung herausbilden.

b) das Ich
Freud versteht darunter die ‘Rindenschicht’ des Es, also jene psychischen Bereiche, die zwischen dem Es und der Aussenwelt (der Realität, der Gesellschaft) stehen. Es sind dies die Sinneswahrnehmung, die Motorik, alle bewussten Denk- und Willensvollzüge. Im Gegensatz zum Es, das dem Lustprinzip verpflichtet ist, hat das Ich eine vermittelnde Funktion und untersteht dem Realitätsprinzip. Ihm kommt auch die Aufgabe der Selbsterhaltung zu. Das Ich ist ferner Träger (Reservoir) der psychischen Energie, der Libido, und entscheidet, welche Objekte mit Libido besetzt werden (siehe Trieblehre, nächstes Kapitel).

c) das Über-Ich
Es handelt sich bei ihm um die kontrollierende, mahnende und strafende Instanz, also um das, was man gängig (aber doch zu wenig genau) als ‘Gewissen’ bezeichnet. Freud sieht im Über-Ich die Verinnerlichung von Normen und Werten der Gesellschaft, vorwiegend vermittelt durch die elterliche Erziehung.
Auf der Basis dieser Auffassung formuliert Freud seine Vorstellung der psychischen Gesundheit:
‘Psychisch korrekt’ sind solche Handlungen, in welchem das Ich die Regungen aus dem Es, die Ansprüche des Über-Ich und die Erfordernisse der Realität in Einklang zu bringen vermag.


Dies aber ganz am Rande, denn letztlich handelt es sich ja nur um drei Teile einer Entität (des „psychischen Apparates“, wie Freud sagte), und der Vergleich zu spirituellen Aufteilungen (wie etwa beim Dwojeduschnik) hinkt natürlich gewaltig ;).

Undine,

deine Abneigung gegen Freud kann ich nachvollziehen (ich fürchte, er war zum Teil auch aus Verzweiflung sehr produktiv, weil seine Karriere lange Zeit nicht so lief, wie er es sich gewünscht hätte), allerdings denke ich, man verdankt ihm viele Ansätze, die er immerhin geliefert hat und die dann durchaus konstruktiv weitergesponnen wurden.

Um nicht weiter vom Thema abzukommen:
Einen Gott zu ignorieren heißt einen Dämon schaffen....
Könnte man das auch so sehen?


Das wüsste ich auch gern ;)… Kannst du das näher ausführen?
Mir fällt dazu ein, dass vielleicht Dinge, die man nicht „erträgt“ oder aus anderen Gründen nicht richtig einordnen kann, ins Unbewusste abgedrängt werden, sodass man dann vielleicht destruktiv handelt, ohne zu selbst verstehen, warum.
Vielleicht verstehe ich deine Frage aber komplett falsch.

Liebe Grüße,
sternhagel

Manche Enten können schwimmen, andere können gar nichts.

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