Heißes Eisen....

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17 Apr 2011 08:55 #10389 von Undine
Heißes Eisen.... wurde erstellt von Undine
Aus gegebenden Anlaß.
Würdet Ihr wissen wollen,das Ihr jetzt sterbt?
Würde es die Angst nehmen,wenn Euch das jetzt jemand bestätigt?
Es ist mir schon mehr als einmal auf der Arbeit passiert,das mir jemand die Frage stellte.
Eine 40 jährige Frau mit Herzriss-bei vollen Bewußtsein.
Was will man machen,so schnell kann man nichts flicken....
Eine krebskranke Frau-jahrelang in Therapie.Jetzt krampfend.
Die junge(20 Jahre alte)Frau daneben will wissen,was passiert.
Ich schicke sie nach draußen.
Die Ärztin will den großen Therapiebogen aufspannen...
Ich zur Ärztin:Geben sie was gegen den Krampf,was gegen die Schmerzen-die Frau stirbt jetzt....
Meine Stationsschwester sauer.Wie kannst Du in Gegenwart der Patientin sagen,das sie jetzt stirbt.Sie könnte Dich hören.
Na entschuldigung mal.Was sollte jetzt noch schlimmerers kommen?
In einem kurzen Moment sagt die Patientin,um die es geht :Gott sei Dank...
Alle um Dich herum kennen die Diagnose-nur Du nicht.
Und wenn die Diagnose steht-möchtet Ihr wissen,das Ihr jetzt sterbt?
LG,Undine
PS.Meine Äußerung wird ein Nachspiel haben.Meine Stationsschwester wird mit mir darüber sprechen.
Ist halt schwierig mit der Wahrheit.Warum sollten andere mehr verkraften,als man selbst?

Das Problem von Hexen ist,das sie nie vor Dingen weglaufen,die sie von ganzen Herzen hassen.....

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17 Apr 2011 10:09 #10390 von galla
galla antwortete auf Heißes Eisen....
hallo Undine,
ich bin der meinung das der Tod zum Leben dazu gehört und gerade vom eigenen Tod sollte man doch erfahren, oder?

Es kommt mir manchmal so vor als wenn das Sterben in unserer modernen Gesellschaft richtig verdrängt wird. man spricht nicht wirklich über sowas und Leute die sterben, verschwinden einfach und man hat sie nie wieder gesehen. In früheren Zeiten starb man im Kreise der Familie und heute in sterielen Räumen mit Leuten die man nicht kennt, die einem nicht mal sagen das man jetzt stirbt.

Den Patienten wird doch die Möglichkeit genommen sich auf das Kommende vorzubereiten. Sie haben Angst weil sie nicht wissen was jetzt los ist und man merkt ja auch wenn einem etwas vorenthalten wird.

Ja, es ist schrecklich zu erfahren das man stirbt, doch ich würde es wissen wollen. selbst im letzten moment.Vielleicht möchte man noch etwas sagen, einem Angehörigen einen letzten Satz hinterlassen.
Oder man möchte entscheiden wie man in den Tod geht.

Ich muss sagen ich finde es schlimmer das fremde Leute sich anmaßen einem Menschen diese Möglichkeiten zu nehemen.

liebe Grüße
und viel Glüch für dein Gespräch
galla

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17 Apr 2011 13:28 #10391 von Andy
Andy antwortete auf Heißes Eisen....
Hi Undine,


uiuiui... schweres Thema für einen schönen sommerlichen Frühlingstag.

Ich finde, es ist absolut unnötig jemandem zu sagen, er stirbt in den kommenden Minuten oder Stunden aufgrund seiner Verletzungen oder Kranheit - oder es so zu sagen, daß der Betroffene es mitbekommt.
Alleine schon um unnötige Angst zu vermeiden.
Ich denke mal, die meisten Leute in in einer wirklich akuten Situation ganz genau wissen, was mit ihnen passiert und das sie in den kommenden Stunden sterben werden.

Es ist was anderes, wenn einem ein Arzt sagt das man aufgrund einer unheilbaren Krankheit vielleicht nur noch eine gewissen Anzahl von Monaten oder Wochen zu leben hat - das halte ich für unbedingt notwendig.

Bei meinem Vater (der 88 Jahre alt wurde) letzes Jahr Ostern ist es ganz ähnlich gewesen - nach einem Schwächeanfall und einer schweren Noroinfektion (die er sich erst im Krankenhaus zugezogen hatte) kam er kurz vor Ostern für ein paar Tage in ein Pflegeheim. Es ging ihm nicht sehr gut, er hatte schon gewaltig abgebaut.
Karfreitag haben wir dann früh morgens einen Anruf von der Pflegeeinrichtung erhalten, dass es ihm sehr schlecht ginge und wir doch unbedingt kommen sollten. Mit meiner Mutter bin ich dann ins Pflegeheim in sein Zimmer gefahren, mein Bruder und seine Frau kamen nach. Wir haben den Hausarzt verständigt, der auch schon meinte, es könne sich nur noch um einige Stunden handeln, wie gesagt, mein Vater hätte es theoretisch mitbekommen können. Ich weiss nicht, ob mein Vater es auch mitbekommen hat, er lag im Bett und hatte die Augen meistens geschlossen. Nur ab und an wollte etwas Wasser. Gegen Nachmittag fing er dann an sehr oft auf seine Uhr zu sehen, mindestens einmal die Stunde, bis in die Nacht hinein.

Mein Bruder musste dann irgendwann fahren, ich bin mit meiner Mutter noch geblieben, in der Nacht bin auch ich nach hause gefahren. Am nächsten Morgen habe ich dann einen Anruf meiner Mutter bekommen - er starb, als die ersten Strahlen der Sonne ins Fenster fielen.

Ich glaube, es ist ihm von Anfang an klar gewesen, dass er sterben würde.

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17 Apr 2011 17:32 #10392 von Mairi
Mairi antwortete auf Heißes Eisen....
Hallo Undine,

ich persönlich wöllte es wissen, und wenn vorhanden, auch wissen warum. (Also was ist da jetzt konkret kaputt...aber das ist vielleicht so eine Macke als Naturwissenschaftler...) Ich denke aber auch, ich würde merken, wenn das Ende nahe ist.

Ob man es generell jedem sagen sollte? Mh ich weiß nicht. Meiner Meinung nach wird der Tod tabuisiert in unserer Gesellschaft. Von daher sollte man damit offen umgehen. Auch damit der Betroffene noch letzte Angelegenheiten regeln kann. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass manche damit nicht umgehen können.

Mich erinnert deine Frage gerade an eine andere Diskussion, die wir kürzlich hatten: In wie weit ist Hoffnung machen seitens des medizinischen Personals sinnvoll bei - aus schulmedizinischer Sicht - unheilbaren Krankheiten?

Liebe Grüße,
Meadhan-Latha

Thig crioch air an t-saoghal ach mairidh gaol agus ceòl.

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18 Apr 2011 10:15 - 18 Apr 2011 10:18 #10393 von Andy
Andy antwortete auf Heißes Eisen....
"Die Hoffnung stirbt zuletzt" ...
... finde ich voll und ganz OK und sehr wichtig.
Natürlich darf man einem schwerkranken Menschen nicht wirklich vorenthalten, dass es nicht gut aussieht und seine Chancen sehr gering sind bzw. er so gut wie keine mehr hat - aber warum soll man ihm gleichzeitig nicht auch im positiven Sinn unterstützen?
Bald) Sterbende auf den Tod vorzubereiten, sie zu unterstützen, seelischen und medizinischen Beistand und Halt zu geben, das ist meines erachtens ein Zweig der noch sehr vernachlässigt wird.
Auch Palliativmedizin ist unheimlich wichtig um Menschen eine würdevollen Tod zu ermöglichen, ihnen noch so viel "Lebensqualität" zu geben wie möglich und soviel Leid zu ersparen wie nötig. Der Tod wird halt immer noch ins Kämmerlein verdrängt oder in klinische Patientenzimmer, es gibt viel zu wenig Hozpize. Tod wird von unserer Ellbogen- und Leistungsgesellschaft verdrängt, Sterbende oder lethal Erkrankte werden oft auf's Abstellgleis geschoben und gemieden.

Eine gute Freundin von mir ist vor einigen Jahren an HIV erkrankt. Tief im innern ist ihr klar, daß sie nicht ewig Leben wird, dennoch hatte sie die Hoffnung bis zuletzt nicht verloren. Auch ich habe ihr Hoffnung gemacht - ich habe immer lange von meinen Reisen in den Norden erzählt, sie hat dann immer Pläne geschmiedet mitzukomen, worun ich sie auch ermuntert habe. Innerlich ist ihr natürlich klar gewesen, daß sie viel zu schwach und körperlich längst nicht mehr dazu in der Lage ist. Aber alleine solche "Fantasie-Reisen" schaffen Lebensqualität und einen enormen Energieschub der sich wiederum positiv auf das Allgemeinbefinden niederschlägt und dunkle Gedanken vertreibt.

Deshalb finde ich es wichtig, bis zu letzt Hoffnung und Mut zu geben - auch auf dem Sterbebett. Es ist doch wunderbar, wenn die letzten Gedanken über einsame Fjorde, Eisberge und die Mitternachtssonne kreisen... und man erzählt bekommt, wie unglaublich schön es ist.

Es geht wie gesagt nicht nicht um anlügen oder vorspielen falscher Tatsachen, sondern um Ablenkung und Erleichterung.

Ich glaube das Problem an sich ist nicht der Sterbende - sondern die, die ihn auf diesem Weg begleiten. DAS ist das was in unserer Gesellschaft verdrängt wird.
Letzte Änderung: 18 Apr 2011 10:18 von Andy.

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18 Apr 2011 18:10 - 18 Apr 2011 18:11 #10394 von eald
eald antwortete auf Heißes Eisen....
Undine schrieb:

Würdet Ihr wissen wollen,das Ihr jetzt sterbt?

Lass mich so sagen: Ich würd es von Anderen gerne gesagt bekommen wenn sie denken bei mir ginge es jetzt zu ende.

Ob ich's denen dann glauben würde, es akzeptieren oder (weiter-)kämpfen würde? Keine Ahnung, aber das läg dann bei mir alleine.

Also auf deine Frage bezogen: Ich würds zumindest gerne mitgeteilt bekommen, wie es um mich denn steht.

eald :dry:
Letzte Änderung: 18 Apr 2011 18:11 von eald.

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21 Apr 2011 12:43 #10397 von Lady of Darkness
Ich denke, wer stirbt, weiß es in dem Moment auch. Aber ich empfinde es als entwürdigend, wenn die anderen in dem entsprechenden Moment immer noch um den heißen Brei herumreden. Nur weil man stirbt, ist man ja nicht blöd.

Remember that you're perfect - the gods make no mistakes...

https://diandrasgeschichtenquelle.org
https://knusperhaus.wordpress.com

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25 Apr 2011 20:36 #10399 von Miakoda
Miakoda antwortete auf Heißes Eisen....
Ich denke auch das wenn es soweit ist keinen Menschen mehr anlügen kann. Er weiß dann das es nicht mehr lange mehr geht und er hat den Wunsch offen darüber reden zu können, jedenfalls würde es mir dann so gehen.

Lieben Gruß Miakoda

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26 Apr 2011 19:00 #10404 von Nivien
Nivien antwortete auf Heißes Eisen....
Ob ich "es" wissen wollte? Kann ich jetzt nicht mit Sicherheit sagen. Vielleicht spürt man es einfach, sowieso. Aber ob ich dann darüber sprechen wollte - mit wem auch immer, wer dann da ist - weiß ich nicht. Vielleicht ist auch niemand da und ich bin allein. Vielleicht geht das auch ohne Worte.

Genauso wenig kann ich jetzt sagen, ob ich es anderen sagen wollte - wenn ich meine, ich wüsste es. Das hängt so sehr von den Menschen, von der Situation ab.

Liebevolle Zuwendung, ohne zu Klammern, das wünsche ich mir - beiderseits.

Jede gute Sache ist scharf. (Gurdijeff)

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