Sprachgebrauch

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19 Jan 2012 10:54 #11599 von Athena
Athena antwortete auf Sprachgebrauch
Undine schrieb:

....
Was bei dem einen Zickigkeit ist bei dem anderen emotionale Flexiblität...
Sprache ist eine Waffe,zweischneidig und scharf.
Und die wenigsten sind dieser Waffe ausreichend mächtig.
...

dem stimme ich zu!
Sprache ist wichtig, denn Sprache ist maechtig! (wie Luisa Francia sagt "was gerufen wird kommt").
Ich teile auch weitgehendst Ishtars Ansicht was religioese Sprache angeht; wie ja schon gesagt nervt mich das dauernde *Christmas* hier total! *Weihnacht* ist doch schoen & passend - man feiert eine geweihte Nacht, da wird nicht gesagt wem oder was geweiht; wenn man aber Weihnachten *Christmesse* nennt, dann ist da keine Neutralitaet gegeben. Wieviele Leute die *Weihnachten* feiern, feiern denn wirklich *Christmesse*?! Ich gebe euch mal ein Beispiel wo ich mal wortwoertlich uebersetze: gestern waren wir beim Arzt und die Behandlerin zu meinem Sohn, "hattest du schoene Christmesse? und hat dir Vater Christmesse was Schoenes gebracht?" - wuerdet ihr euch bei so einem christlichen Sprachgebrauch wohlfuehlen?
Es ist schon grotesk wenn ich von unserer nepalesischen Nachbarin die eine Kombi aus Hinduismus & Buddhismus praktiziert gefragt werde ob ich schoene *Christmesse* hatte :blink:


Was anderes ist all das pc- und gender-gequatsche! das geht mir auch nur auf den Zeiger, zumal es meistens voellig am Ziel vorbei geht:
was ist denn daran *politisch korrekt* das Wort *schwarz* sozusagen als Schimpfwort zu behandeln? -bei uns soll ja z.b. im Lied Baa Baa Black Sheep das Wort *black* durch *woolly* erstetzt werden :laugh: -wenns nicht so albern waere!
(Nebenbei: soll ich mich beleidigt fuehlen wenn ich als *weiss* beschrieben werde?)

Und uebrigens Eald: *Inuit* ist nur dann korrekt (politisch und tatsaechlich) wenn die beschriebene Person tatsaechlich dem Stamm der Inuit angehoert, was nicht bei allen Ur-anwohnern des noerdlichen Polarkreises der Fall ist... wenn du also einen nicht-Inuit Menschen als *Inuit* bezeichnest ist das dann wiederum nicht pc :woohoo:

Be who you are and say what you feel, because those who mind don't matter, and those who matter don't mind.

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19 Jan 2012 11:13 - 19 Jan 2012 11:14 #11600 von Athena
Athena antwortete auf Sprachgebrauch
PS

Ishtar, dein original Post hat mich auch dazu angeregt noch deutlicher zu betonen dass die christliche Religion nur eine Religion von vielen ist, der christliche Gott nur einer von vielen usw. -und das auch in meinem Sprachgebrauch zum Ausdruck zu bringen.

Ich werde von nun an auch sagen die *christliche Bibel* wenn ich diese meine, denn obwohl *Bibel* fuer mich auch nicht *Buch* bedeutet, so gibt es ja auch die hebraeische Bible!

Wir sagen auch nie *oh gott* oder *gott sei dank* (im Englischen kann man -thank goodness- *god* auch mit *goodness* austauschen, was viel gemacht wird), wenn ich wirklich mal einen Ausruf tue der goettliche Energie anruft oder dankt, dann sage ich tatsaechlich *o/thank Goddess/Gods* -mein Mann sagt seit jeher *oh dear gods* :P


Es ist mir ein grosses Anliegen dass Religion von Politik/Staat getrennt wird und das bestehende religioese Monopol zum Wohle von religioeser Freiheit und Vielfaeltigkeit gestuerzt wird - anhand oeffentlicher Sprache kann man recht gut beurteilen wieweit dieser Prozess gekommen ist aber auch wieviel Weg noch vor uns liegt.

Be who you are and say what you feel, because those who mind don't matter, and those who matter don't mind.
Letzte Änderung: 19 Jan 2012 11:14 von Athena. Begründung: Korrektur

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19 Jan 2012 14:11 #11602 von Lady of Darkness
Na ja, wg. "christmas" - wenn ein Wort sich über Jahrhunderte eingebürgert hat und auch für das säkuläre Fest benutzt wird, ist das doch auch nicht so wild, wenn es weiter allgemein benutzt wird. Wenn ein Bayer beispielsweise schimpft: "Himmelherrgottkruzitürk'n!", dann ruft er ja auch weder den himmlichen Zorn auf das Objekt seiner Unzufriedneheit noch ist er besonders fremdenfeindlich. Das sagt man halt so.

(Ich dachte, mich trifft der Schlag, als ich weilands las, dass Agatha Christies "Zehn kleine Negerlein" umbenannt werden sollte in: "Da waren's nur noch neune". Man kann's ja auch übertreiben.)

Remember that you're perfect - the gods make no mistakes...

https://diandrasgeschichtenquelle.org
https://knusperhaus.wordpress.com

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19 Jan 2012 20:33 - 19 Jan 2012 20:48 #11603 von eald
eald antwortete auf Sprachgebrauch
Christmesse sagt man im Deutschen, glaube ich, eher nicht. Aber im süddeutschen, bayrisch-fränkischem spricht man denn schon primär vom Christkindelfest,wenn ich nicht irre. Doch nichtsdestotrotz...

Athena schrieb: [...] gestern waren wir beim Arzt und die Behandlerin zu meinem Sohn, "hattest du schoene Christmesse? und hat dir Vater Christmesse was Schoenes gebracht?" - wuerdet ihr euch bei so einem christlichen Sprachgebrauch wohlfuehlen?

Ich würde sagen, das ich das Christkindelfest, die Christmesse nicht begehe, da ich dem Christlichen halt nicht angehöre. Dazu würd ich ->

Es ist schon grotesk wenn ich von unserer nepalesischen Nachbarin die eine Kombi aus Hinduismus & Buddhismus praktiziert gefragt werde ob ich schoene *Christmesse* hatte :blink:

...annehmen, das der nepalesische Nachbar nur freundlich sein wollte und ihn fragen was er denn so feiert und das ich halt die Wintersonnenwende begehe und ob er, wenn er denn gleichfalls kein Christ ist ähnliches vielleicht feiert und...

Ich wette mit dir: Wenn er das nächste mal einfach nur wo freundlich sein wollte - er hätte mannigfach passendere Anknüpfungspunkte bei unserer nächsten Begegnung. Punkt! ;)

Was anderes ist all das pc- und gender-gequatsche! das geht mir auch nur auf den Zeiger, zumal es meistens voellig am Ziel vorbei geht:

Das genau ist das Problem: Für dich ist das was Anderes. Für die in der Frauenbewegung groß gewordene *Klischees auspack* Lesbierin ist diese patriachale Unterdrückung der Frau das Thema, derweil ihr das X-mas, statt Christmas am Allerwertesten vorbei geht. Jeder und Jedem *g* ist was Anderes halt wichtig, weswegen mir die Achtsamkeit näher liegt als ein umfassender Katalog "politisch korreckter" Begrifflichkeiten.

Nebenbei: soll ich mich beleidigt fuehlen wenn ich als *weiss* beschrieben werde?

Wie gesagt, dir oder mir ist das vielleicht eher einerlei. Fakt ist aber auch, das es Leute gibt die sehr viel mehr unter ihrem "schwarz Sein" gelitten haben als du je unter deinem "weiss sein". Wenn es denen, oder jenen denen das gleichermaßen Nahe geht, nun mal Leid bedeutet: Hey, ich laufe nicht in deren Schuhen, kann ja aber trotzdem Rücksicht nehmen, wenn ich mitkrieg das die das halt was triggert - egal ob ich das nun kapier oder auch nicht.

Also Rücksichtnahme ist mir schon wichtig. Einzig seh ich die halt eher in der sozialen Interaktion und weniger in der Verwendung allgemein abgesegneter, wie für neutral beschlossene Termini.

Und uebrigens Eald: *Inuit* ist nur dann korrekt (politisch und tatsaechlich) wenn die beschriebene Person tatsaechlich dem Stamm der Inuit angehoert

Oh danke. Ich wusste schon, dass das nur die eine Sprachgruppe betrifft aus welcher der Begriff halt stammt. Allerdings wusste ich nicht, dass auch noch Vertreter anderer nordischer Sprachfamilien als Eskimos bezeichnet wurden. Danke dir für die Info.
Letzte Änderung: 19 Jan 2012 20:48 von eald.

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20 Jan 2012 12:25 #11604 von Athena
Athena antwortete auf Sprachgebrauch
Hi Eald, was ich mit den Beispielen von Nachbarin und med. Behandlerin aufzeigen wollte ist dass eben wegen der Sprache aus so einer harmlosen netten smalltalk Frage ein Dilemma ensteht: entweder mache ich das religioese Fass auf von wegen *ich bin nicht christl., feier deshalb nicht Christmesse...* oder ich sage einfach *ja danke, und du?* -und lasse es als Unwahrheit stehen (denn ich feier ja nunmal nicht *Christmas*).
Es passt aber einfach nicht in jeder Situation sich zu grossen Erklaerungen aufzuschwingen oder bei manchen Leuten mag man ja auch nicht.
(Um beim konkreten Beispiel zu bleiben: bei dieser Nachbarin in dieser Situation passte es mir gerade nicht, hingegen mit einer anderen nepalesischen Nachbarin habe ich mich schon lang und ausfuehrlich ueber unsere Religionen ausgetauscht.)
Es macht sich hier am Sprachgebrauch fest -beim deutschen *Weihnachten* entsteht das Problem gar nicht erst.
Was die Worte *schwarz* und *weiss* angeht: ich wuerde niemals einen Menschen absichtlich mit einem Wort bezeichnen von dem ich weiss dass er sich dadurch beleidigt/verletzt fuehlt. Aber das Wort *schwarz* ist einfach eine Beschreibung fuer Schattierung/Farbe! Es ist doch absurd wenn man nicht mehr zu einem schwarzen Schaf/Hund/Pullover sagen soll dass es schwarz ist weil *schwarz* als Schimpfwort verstanden werden koennte!
(Dagegen sehe ich dass das Wort *Neger* ja tatsaechlich auch viel als Schimpfwort benutzt wurde - und keine neutrale Bezeichnung ist, und daher auch nicht als normales Alltagswort gebraucht wird.)
Was als gute und gerechtfertigte Sensitivitaet in der Sprache angefangen hat, ist wie so oft ueber's Ziel hinaus -oder auch vorbei- geschossen!

Be who you are and say what you feel, because those who mind don't matter, and those who matter don't mind.

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20 Jan 2012 12:33 #11605 von Athena
Athena antwortete auf Sprachgebrauch
Lady of Darkness schrieb:

Na ja, wg. "christmas" - wenn ein Wort sich über Jahrhunderte eingebürgert hat und auch für das säkuläre Fest benutzt wird, ist das doch auch nicht so wild, wenn es weiter allgemein benutzt wird. ...

stimmt wohl, und als *schlimm* wuerde ich's auch nicht bezeichnen (eher als *nervig*); trotzdem kann von mir aus nun auch wieder die *Ausbuergerung* dieses unleidigen Wortes anfangen -welche hoffentlich nicht Jahrhunderte dauern wird :P

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