Konsens-Entscheidungen

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08 Feb 2013 09:08 - 08 Feb 2013 13:04 #12751 von Ishtar
Konsens-Entscheidungen wurde erstellt von Ishtar
Getrennt vom Thema " warum ich (nicht) einem Verein angehöre "
Hi

@Markus
Theoretisch könnte aber das Führungsduo ja abgesetzt werden?
Persönlich bin ich ja ein Freund von so Sachen wie: man kann maximal für x Jahre und maximal x Mal wiedergewähltl werden. Das finde ich sorgt auch bei guter - sehr guter Führung nach einer gewissen Zeit für "frischen Wind". Ich glaube es sorgt auch dafür, dass nicht zu stark etwas um einzelne Personen herum gegründet wird. Diese Problematik sehe ich bei vielen Orden, die sich um eine charismatische Führungspersönlichkeit gruppieren und meist nach ihrem Ableben dann auseinanderbrechen.
Konsensentscheidungen sind imho ab einer gewissen Größe des Vereins nicht mehr durchführbar - aber bei der Größe wie du sie beschreibst müsste es möglich sein.
Letzte Änderung: 08 Feb 2013 13:04 von Ishtar.
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08 Feb 2013 11:01 #12754 von markus.nicklas
Liebe Ishtar, danke für Deine Antwort.

Ich bin hier Mieter, habe mit Supervision, die der Verein bezahlt hat rausgefunden, dass mein Angebot, mich zu engagieren nicht abgerufen wurde ... Glück, Wohlstand, langes Leben :)

Was Deine Ansicht über Konsensentscheidung angeht, Verehrteste, erlaube ich mir einer anderen Ansicht Ausdruck zu verleihen, doch weiß ich, dass das :huh: Einsatz erfordert, und nach meinem zweiten Besuch in Waltershausen bringe ich den Leuten dort noch mehr Respekt entgegen. Da leben aktuell etwa 20 Leute zusammen, die das Konsensprinzip leben.

In der Mutterkommune Niederkaufungen sind es zwischen 80-100 :laugh:

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08 Feb 2013 13:01 #12755 von Ishtar
Hi Markus

Du drafst gerne andere Meinungen vertreten - sonst nicken wir uns ja nur zu ;)

Bei Wenigen bin ich auch voll für Konsens - obwohl ich auch schon die Erfahrung gemacht habe, dass es schwer ist.... sowas zeigt sich manchmal schon darin einen Tag zu finden um gemeinsam Rituale zu feiern....

markus.nicklas schrieb: In der Mutterkommune Niederkaufungen sind es zwischen 80-100 :laugh:

ok, das ist schon etwas mehr. Das würde mich sehr interessieren, wie dort die Entscheidungsfindung von statten geht. Ob das noch mit 1000 funktioniert? Oder noch mehr?
Imho ist direkte Demokratie noch das effektivste. Aber ich glaube ich habe einfach keine Vorstellung davon wie das mit 100 oder gar 1000 in der Konsensfindung praktisch funktionieren soll. Niederkaufungen ist aber gar nicht so weit weg von mir. Ich frage mich, ob man da mal Mäuschen spielen darf.....

Ich erinnere mich da auch immer an ein Erlebnis einer Freundin in einem Reclaiming Camp wo auch viel wert auf Konsens gelegt wird - dort war es dann leider so, dass so sehr darauf geachtet wurde, dass "alles" beim Ritual mit dabei war, dass meine Freundin das Ritual als strukturell schlecht aufgebaut und schlecht greifend empfand, weil einfach zu viel da war. Vielleicht falsch verstandener Konsens?
auf jeden Fall eine interessante Diskussion..... ich glaube sie sollte ein eigenes Thema erhaltne.
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09 Feb 2013 11:34 #12763 von Ialokin
Konsens ist eine mittlerweile hoch entwickelte Kunst und Wissenschaft. ;-)

Wenn man sich intensiver damit beschäftigen möchte, findet man z.B. hier www.reclaimingquarterly.org/web/resource...urce-1.html#handbook einiges an Material.

Es gibt auch einiges an Missverständnissen über Konsens, z.B. dass er bedeuten würde, dass alle sich einig sind, was nicht der Fall ist.

Wann eine Konsensentscheidung möglich bzw. angebracht ist, hängt nicht nur von der Gruppengröße ab (die ist gar nicht soo entscheidend), sondern eher noch von der zur Verfügung stehenden Zeit: Die Findhorngemeinschaft hat mal mit über 200 Mitgliedern eine neue Verwaltungsgruppe im Konsens gewählt - das geht also, hat dafür aber rund 2 Jahre gebraucht - was nicht sehr oft geht. ;-)
Bei 20 oder 50 Menschen ist Konsens aber noch gut machbar.

> in einem Reclaiming Camp [...]
> dort war es dann leider so, dass so sehr darauf geachtet
> wurde, dass "alles" beim Ritual mit dabei war

Naja, das würde ich mal als subjektive Momentaufnahme sehen.

Reclaiming Witchcamp-Rituale werden in der Regel von den LehrerInnen
gestaltet, also von nur wenigen Menschen, mit Ausbildung.
Oft werden zwar die übrigen Teilnehmerinnen bewußt in die Gestaltung
mit einbezogen, aber dann ist das meist auch der Fokus: Also dass die Teilnehmer lernen mitzugestalten, wobei der Prozess wichtiger ist als das Ergebnis. (Allerdings war das Ergebnis, soweit ich das bisher mitbekam, meistens recht erfreulich.)

Ialo

Die Liebe zu schenken, den Zauber zu wecken, das Leben zu feiern - das ist unser Sinn.
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10 Feb 2013 18:03 #12771 von markus.nicklas
Laut Niederkaufunger website sind es siebzig und ja, die haben Kennenlernwochenenden, doch das weißt Du ja sicher jetzt schon.

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10 Feb 2013 18:10 #12772 von markus.nicklas
Ja, Ishtar, danke. Eine gute Idee. Neues Thema, gut, denn dabei gibt es Aspekte, die einer bedachtsamen Würdigung wert sind. Zum Beispiel für einen wie mich Zurückhaltung meines Temperamentes und aufmerksames Zuhören, mein Gegenüber mitnehmen, resp. eigenes Tempo gehen lassen.

Hut ab, Ishtar! Das wird mein nächstes blog-Thema. Danke.

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10 Feb 2013 18:57 #12775 von Ishtar
Hi

Danke Ialo - ich hatte gehofft, dass du dich noch meldest ;) ich glaube ich hege vielleicht durchaus noch ein paar Missverständnisse was Konsens angeht und werde mir mal deine Linktipps zu Gemüte führen.

Vielleicht kannst du etwas von deinen Erfahrungen damit erzählen?

2 Jahre für das Konsens-Finden. Respekt! Genau das ist aber der Punkt, an dem mir das Konzept zu weit von der Praxis weg ist. Man kann nicht alle Entscheidungen so lange hinauszögern.
Vielleicht geht es darum ein Gefühl zu finden, wann möglichst viel Konsens wichtig ist und wann man vielleicht über Abstimmung entscheiden sollte?

@Markus
bitte - ich weiß zwar nicht ganz wofür, aber das so ist das manchmal mit der Inspiration ;)

Auf den Blogeintrag bin ich schon eher gespannt und hoffe du teilst ihn hier B)

BB
Ishtar

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11 Feb 2013 14:39 #12785 von markus.nicklas

Ishtar schrieb: Hi

2 Jahre für das Konsens-Finden. Respekt! Genau das ist aber der Punkt, an dem mir das Konzept zu weit von der Praxis weg ist. ...
man kann nicht ...
Vielleicht geht es darum ein Gefühl zu finden, wann möglichst viel Konsens wichtig ist und wann man vielleicht über Abstimmung entscheiden sollte?

@Markus
bitte - ich weiß zwar nicht ganz wofür, aber das so ist das manchmal mit der Inspiration ;)

Auf den Blogeintrag bin ich schon eher gespannt und hoffe du teilst ihn hier B)

BB
Ishtar


Sehr gerne Ishtar, weil Du eben meine Bedenken trefflich formulierst. Nach Kommune Waltershausen war ich zunächst geschockt. Nach dem 1. Besuch sowieso, denn da bin ich auch wegen Krankheit fluchtartig geflohen, und nach dem 2. von mehr ehrfürchtigem Respekt erfüllt. Das ist tatsächlich nicht jedermensch Sache. Ich nähere mich dem weiter. Für mich ist das aus vielerlei Perspektive so vorteilhaft. Doch anstatt zu sehen, wo und wie es scheinbar nicht geht - es ist für mich ein Frage des Vertrauens in die Wirksamkeit meines Argumentes, das Dir den Raum öffnet zu verstehen, und erst wenn Du bereit bist mitzugehen, dann geht "es" los.

Klar, in einer Welt wie dieser, in der so gut wie alle Formen von Organisation hierarchisch sind oder mehr, da mutet das erstmal ... an.

So weit mal ausm Bauch heraus. Allah hu akbar, m

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12 Feb 2013 19:06 #12800 von markus.nicklas
Weil ich heute mit großem Genuss diesen Vortrag von Gerald Hüther hörte ...

Vergeuden ans Nichts: Konsens

Harmonie um jeden Preis? Die Polemik sei gestattet – gar „aggressionsgehemmtes Friedensgewinsel“? Jeder Mensch kann sich über Gehalt und Bedeutung des Begriffs an sich selbst informieren. Für mich bedeutsam ist, für wie wichtig ich den Gehalt nehme, und warum ich glaube, daß eine Gruppe von Leuten damit langfristig gut lebt.

Für gewöhnlich gründe ich mit einer Idee. Zum Beispiel ein Unternehmen.
Im Rahmen dessen gibt es unterschiedliche Haftungs- und Fragen der Verantwortung.
Das sind Verhältnisse, die erst nach außen wirken können, sobald sie im Innern geklärt sind.

Basisdemokratische Entscheidungen haben den Vorteil, daß sie zwar lange zur Reifung brauchen können, doch wenn erstmal getroffen, ein solides Fundament für gemeinsame Aktivitäten sind. Deswegen werden sie gemeinsam, offen und einvernehmlich getroffen. Erfahrung, Wissen und Information sind deshalb so zu teilen, daß alle beteiligten Personen jederzeit uneingeschränkt Zugang haben und so frei und sicher entscheiden können. Das bedeutet in einer sich findenden Gruppe von vorn herein entschiedene Klarheit jede Ansicht und jede Befindlichkeit in Bezug auf das gemeinsame Anliegen rückhaltlos mitzuteilen. Das schließt nicht aus, daß im Nachhinein Bedenken entstehen, weil Ergebnisse und Impulse von außen einwirken.

Ab einem gewissen Punkt geht die Gruppe in Aktion. Ein Projekt, eine Kampagne, ein Unternehmen beginnt. Die Frage der Führung ist die, ob und wie strukturiert Inhalte und Befindlichkeiten wahr genommen, geäußert und gehört werden.

Macht, Wissen, Geld, Güter.
Jede Person ist in einer Welt, in der sich Wohlstand im Vergleich mit anderen mißt, im Verhältnis zu sich selbst und anderen konfrontiert. Die Frage ist für mich, ob ich bereit bin, von meinem Wunsch, meinem Ziel und dem Streben danach Abstand zu nehmen, sobald ich feststelle, daß mein Gegenüber mich nicht versteht oder sogar durch mein Verhalten in seiner freien Lebensentfaltung beeinträchtigt ist?
Gleich wie mein Anliegen sich darstellt, ob politisch, religiös, oder handwerklich unternehmerisch, ist es ein Widerspruch gegen das Wohlbefinden eines anderen Menschen, wenn ich auf dessen Kosten wirke. Deswegen möge ein entstehender Nutzen zum Wohle einer Gruppe wirken, denn Transparenz ist der einzige Schutz vor Mißbrauch.

Ein paar Eindrücke aus einem Vortrag von Gerald Hüther zum Abschluß.

„Zum Umdenken ist eine Frage notwendig“, „Im Herzen ergriffen“, „Geheimnis gemeinsamem Gelingens“, „Gleichzeitig verbunden und frei“, „Denken/fühlen/sein: Umdenken ist möglich mit einem Grund“, „Systemisches denken durch Beobachtung“, „Begeisterung und emotionale Zentren im Hirn“.

Und das hier mein Juwel:

„Entfaltung angelegter Potentiale, um gemeinsam über sich hinaus zu wachsen.“

der link zum Vortrag

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13 Feb 2013 12:06 #12814 von Ialokin
Hi Markus,

> Zum Beispiel für einen wie mich Zurückhaltung meines Temperamentes
> und aufmerksames Zuhören, mein Gegenüber mitnehmen, resp.
> eigenes Tempo gehen lassen.

Solche Gefühle kenne ich auch gut.
Ich glaube, es ist darüber hinaus wichtig, mir klar zu machen, dass mein Gegenüber nicht nur sein eigenes Tempo geht, sondern evtl. andere Wahrheiten oder sogar richtigere Erkenntnisse haben könnte als ich.

Ialo

Die Liebe zu schenken, den Zauber zu wecken, das Leben zu feiern - das ist unser Sinn.

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