Out of the darkness ...

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30 Nov 2006 09:48 #1694 von Lady of Darkness
Der lange Weg

Sie gingen den langen Weg. Sie wussten, es würde viel Zeit brauchen. Sie hatten ihr Ziel fest vor Augen. Hand in Hand gingen sie, den Blick fest nach vorne gerichtet. Verschwendeten keine Zeit auf Worte. Gingen stetig weiter. Schritt für Schritt. Hielten nie inne. Wurden alt.

Sie erreichten ihr Ziel nicht.

Hinter ihnen jedoch, fast vergessen, fröhlich folgend, ging das Kind. Und es hielt oft inne, schaute und staunte über all das Wunderbare, das es auf der Welt zu erleben gibt.

Seltsamerweise verlor es seine Eltern, die ihr Ziel so strikt verfolgten, nie aus den Augen, blieb immer in Reichweite und verlief sich nicht, wenn es im Spiel mit den Schmetterlingen den weg verließ. Stattdessen erreichte es das große Ziel immer neu, mit jedem Schritt.


(30. November 2006)

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23 Mär 2007 10:24 #3495 von Lady of Darkness

Mit dem Glück ist es wie mit dem Geld: Das "große Glück" ist so etwas wie gigantischer Reichtum. Das "kleine Glück" sind die paar Cent, die man mal über hat. Alle Leute hoffen auf das "große Glück". Das ist allerdings so selten wie ein Lottogewinn, und ererbtes Glück gibt es nicht. Also besteht die beste Methode, das "große Glück" zu kriegen, darin, die ganzen "kleinen Glücke sorgfältig aufzuheben.


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20 Nov 2007 15:49 #5696 von Lady of Darkness
he loves her
that is why

she never says a word about
where the black eye comes from
or the broken arm
she smiles faintly
picking up broken glass

When he grabs her by the hair
when he hits her
again and again
she tries to lie still
and thinks of something else

MAKING LOVE
that's what they call it

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21 Nov 2007 12:05 #5706 von Ishtar
schaurig - trifft aber leider einen traurigen Punkt.

Dein erstes gefällt mir bisher am besten :)

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09 Jan 2008 15:53 #6078 von Lady of Darkness
Der Muschel-Kindergarten

„Frau Mies“, fragte eine der kleinen Muscheln die Miesmuschel, die an diesem Morgen die Aufsicht über den Muschelkindergarten hinter der großen Sandbank führte, „wieso ist es so dunkel?“
„Das kommt daher“, erklärte die Miesmuschel, „das dort oben jetzt Winter ist.“
Die kleinen Muscheln tuschelten einen Moment miteinander und klapperten aufgeregt mit ihren Schalen. Dann kam ein anderes Stimmchen: „Was ist ein Winter?“
Die Miesmuschel seufzte. Wie erklärte man den kleinen Muscheln, was eine Jahreszeit war? Wie konnte sie ihnen begreiflich machen, was es mit Eis und Schnee auf sich hatte? Und wie konnte sie erklären, welche Bedeutung die Jahreszeiten für die Menschen und all die anderen Lebewesen hatten?
Die Miesmuschel wusste viele Dinge über die Welt da oben. Sie hatte lange Zeit in einem Schiffswrack gelebt und dort in den Büchern geblättert, die mit dem Schiff untergegangen waren, bis diese völlig zerfallen waren. Dabei hatte sie diese seltsamen kleinen schwarzen Zeichen entziffern können, denn sie war sehr schlau.
„Ihr wisst doch, was Tag und Nacht sind, oder?“ fragte Frau Mies also all die kleinen Muscheln.
„Das ist, wenn es hell und dunkel wird. Und es hat mit Ebbe und Flut zu tun!“ piepste die kleine Herzmuschel ganz stolz.
„Fast richtig. Ebbe und Flut hängen vom Mond ab, und der Mond hat schon etwas mit der Nacht zu tun“, erklärte Frau Mies. „Das ist aber nicht ganz das gleiche.“
„Ist jetzt immer Nacht auf der Erde?“ fragte eine andere kleine Muschel mit einem kecken Schneckenwirbel oben auf ihrer Schale.
„Nein. Aber ihr habt recht, es ist jetzt ziemlich dunkel da oben. Und es ist auch sehr kalt.“
„Wie eine kalte Strömung?“
„So ähnlich. Da oben gibt es ja nicht ausschließlich Wasser, sondern in erster Linie Luft.“
„Bis auf bei Regen.“
„Genau, bis auf bei Regen.“ Die Miesmuschel seufzte. An manchen Tagen waren die kleinen Muscheln ziemlich anstrengend. Was die alles wissen wollten! „Auf jeden Fall, im Winter ist es dort oben kälter und dunkler als zu anderen Jahreszeiten. Manchmal fällt da sogar Schnee und –“
„Was ist Schnee?“
„Das ist... das ist – so etwas wie flauschiges Wasser ohne Salz. Und ganz kalt. Auf jeden Fall türmt dieser Schnee sich zu gigantischen Gebirgen auf, wie die Korallenriffe, von denen ich euch erzählt habe.“
„Lebt der Schnee denn?“
Die Miesmuschel war sich nicht ganz sicher und beschloss, zu improvisieren. „Ja, der Schnee lebt. Der hat ganz viele winzig kleine Tentakel, mit denen er sich an allem festklammert. An den Pflanzen und Tieren und auch am Sand.“
„Und was isst der Schnee?“ fragte die Muschel mit dem kecken Wirbel.
„Der Schnee isst... Libellen“, antwortete die Miesmuschel, froh, sich wieder auf festem Boden zu befinden. „Deswegen sieht man im Winter auch keine Libellen.“ Was Libellen waren, das wussten die kleinen Racker.
„Und was passiert noch alles im Winter, Frau Mies?“ bohrte die kleine Herzmuschel nach.
„Nun...“, Frau Mies überlegte einen Moment, „die Menschen stellen Wächter in roten Häuten und mit zottigen Köpfen auf, die ihre Häuser und Schiffe beschützen. Diese haben große Säcke dabei und klettern ganz nach oben auf die Dächer der Häuser und Schiffe. Dächer sind das, was diese Dinge oben zu macht.“
„Wie eine Muschelschale“, kicherten die kleinen Muscheln.
„Genau, wie eine Muschelschale. Und diese Wächter kommen nur an einer einzigen Nacht in die Menschen-Muscheln – also, in die Häuser – und ruhen sich aus. Danach verschwinden sie.“
„Wohin?“
„Der Schnee frisst sie“, erklärte die Miesmuschel mit großer Bestimmtheit. „Diese Wächter sind so etwas wie große Libellen. Die Menschen nennen sie ‚Weihnachtsmann’ oder ‚Santa Claus’. Und jetzt wollen wir alle gemeinsam etwas spielen, oder nicht? Kommt, wir spielen ‚Schnappt den Wurm’!“
Und damit scheuchte die Miesmuschel all die kleinen Muscheln in den kleinen Garten hinter der Sandbank.

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06 Mär 2008 17:37 - 06 Mär 2008 17:38 #6649 von Lady of Darkness
Ich träume
von Wäldern auf meiner Haut,
den Geruch von frischem Lehm,
altes Laub und Weite.
Komm zu mir...

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Letzte Änderung: 06 Mär 2008 17:38 von Lady of Darkness.

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